Kommentar der "taz" zu EU-Agrarsubventionen

Kommentar der "taz" zu EU-Agrarsubventionen

ID: 1853923
(ots) - Die Einigung der EU-Agrarminister auf eine Reform der milliardenschweren Subventionen für die Landwirtschaft bedeutet vor allem eines: Stillstand. Der Kompromiss bringt so gut wie keine Fortschritte für die Umwelt, die stark unter der Branche leidet. Daran wird wohl auch das EU-Parlament kaum etwas ändern, wie die ersten Abstimmungen des Plenums zeigen.

Die Vorschriften für das zentrale Element der Reform, die "Öko-Regelungen", sind sehr vage. Die Mitgliedstaaten sollen weitgehend selbst entscheiden, wie viel Umweltschutz sie von den Bauern verlangen, damit sie diese Zahlung erhalten. Diese Freiheit werden die Regierungen von Staaten wie Polen oder Ungarn nutzen, denen beispielsweise Klimaschutz nicht so wichtig ist. Sie werden die Ökoregelungen so anspruchslos gestalten, dass die meisten Bauern weitermachen können wie bisher.

Dieses Umweltdumping in anderen EU-Staaten wird zum Beispiel auch Deutschland unter Druck setzen, ebenfalls sehr wenig zusätzlich von den Landwirten zu verlangen. Schließlich konkurrieren die deutschen Bauern mit ihren Berufskollegen in den anderen EU-Ländern. Mit der Warnung vor Wettbewerbsnachteilen hat der Deutsche Bauernverband schon häufig zum Beispiel strengere Tierschutzvorschriften verhindert.

Die Agrarminister haben versagt. Sie nutzen den potenziell sehr langen Hebel der jährlich rund 55 Milliarden Euro Agrarsubventionen nicht, um zur Lösung eklatanter Probleme beizutragen: Die Landwirtschaft verursacht 12 Prozent des Treibhausgasausstoßes in der Europäischen Union. Die Branche trägt maßgeblich zum Aussterben von Tier- und Pflanzenarten bei. Die meisten Tiere werden unter abscheulichen Bedingungen gehalten. Viele Arbeiter wie Erntehelfer werden ausgebeutet. Immer mehr kleine Höfe werden von Großbetrieben verdrängt.

Dass die Ressortchefs so entschieden haben, liegt an uns: den Wählern. Bundesagrarministerin Julia Klöckner hat bei der EU-Entscheidung nur das verwirklicht, was ihre CDU vor der Wahl versprochen hatte. Von einer Ökoreform der Agrarsubventionen war da nie die Rede. Wer echten Umwelt- und Tierschutz will, der muss mehr Wähler überzeugen, für andere Parteien zu stimmen.



Bitte geben Sie, falls möglich, den Link zum Artikel auf taz.de an: https://taz.de/EU-Minister-einigen-sich-zu-Subventionen/!5722806/

Pressekontakt:

taz - die tageszeitung
taz Redaktion Wirtschaft & Umwelt
Telefon: +49-30-25902-227

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/42630/4740626
OTS: taz - die tageszeitung

Original-Content von: taz - die tageszeitung, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Wer mit Gewalt und gezieltem Rechtsbruch die Demonstrationsfreiheit missbraucht, führt die Bezeichnung „Umweltaktivist“ zu Unrecht. Abseilaktionen und Autobahnblockaden. Umweltaktivist oder Straftäter?
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 21.10.2020 - 19:27 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1853923
Anzahl Zeichen: 2708

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Umweltpolitik



Diese Pressemitteilung wurde bisher 588 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Kommentar der "taz" zu EU-Agrarsubventionen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

taz - die tageszeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

ÄNDERUNG: Brot für die Welt verteidigt Indiens Exportverbot für Weizen / Regierung verhindere Hunger. Statt das zu kritisieren sollten die G7 ihren Verbrauch für Kraftstoff und Futter reduzieren ...
(Brot für die Welt hat nach Erscheinen des Artikels das Zitat im 2. Absatz dahingehend korrigiert, dass rund 60 Prozent des in Deutschland verbrauchten Weizens in Trog und Tank landeten, also nicht 80 Prozent des Weizens in Deutschland.) Die Hilfsorganisation "Brot für die Welt" hat d

Brot für die Welt verteidigt Indiens Exportverbot für Weizen / Regierung verhindere Hunger im eigenen Land. Statt das zu kritisieren sollten die G7 ihren Verbrauch für Kraftstoff und Futter reduzie ...
Die Hilfsorganisation "Brot für die Welt" hat die Kritik der G7-Staaten an Indiens Exportverbot für Weizen zurückgewiesen. "Es ist nur gerechtfertigt, wenn die indische Regierung Hunger im eigenen Lan durch einen Ausfuhrstopp verhindern will", sagte Francisco Marí, Welte

FDP sieht Pläne für weniger Biosprit skeptisch / Kraftstoff aus Pflanzen sei nötig im Kampf gegen Klimawandel, so Vizefraktionschefin Konrad. Sie sieht keine große Konkurrenz zu Lebensmittelproduk ...
Die von mehreren Bundesministerien angestrebte Reduzierung des Einsatzes von Lebensmitteln als Kraftstoff droht an der FDP zu scheitern. "Biokraftstoffe sind eine wichtige Technologie zum Übergang in die Klimaneutralität des Verkehrs und oftmals durch den Einsatz von Abfällen und Reststoff


Weitere Mitteilungen von taz - die tageszeitung


Wer mit Gewalt und gezieltem Rechtsbruch die Demonstrationsfreiheit missbraucht, führt die Bezeichnung „Umweltaktivist“ zu Unrecht. ...
Demokratische Grundrechte dürfen auch in Namen des Umweltschutzes nicht mit geplantem Rechtsbruch verquickt werden. Das Recht, seine Gedanken auszudrücken und frei mit anderen zu kommunizieren, bestätigt die Würde und den Wert jedes einzelnen Mitglieds der Gesellschaft und ermöglicht es jedem E

Wird der Klimawandel benutzt um Deutschland grundlegend in eine Öko-Diktatur zu verwandeln? ...
Doch das ist erst eine Ankündigung, bis die Strom liefern könnten, gehen viele Jahre ins Land. Da passt die Entscheidung aus Berlin gut, eine CO2-Steuer zu erheben, die Kohlekraftwerke abzuschalten und private Ölheizungen abzuschaffen. Damit wird übrigens auch großenteils die Fernwärmeversorgu

Das Klimablaue vom Himmel versprach Ursula von der Leyen bei ihrer ersten Rede zur Lage der EU. ...
Ihr »Neuer Grüner Deal« sieht natürlich in Europa keine Autos mehr vor, zumindest nicht solche, die mit Verbrennermotoren angetrieben werden. Für E-Autos sollen mal eben eine Million Ladestellen entstehen; wo der Strom dafür herkommen soll, wenn immer mehr Kraftwerke abgeschaltet werden, i

Greenpeace-Aktive schützen mit Granitsteinen Nordseegebiet vor Grundschleppnetzen/ Fischerei zerstört Schutzgebiet Doggerbank ...
Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten auf dem Aktionsschiff Esperanza haben damit begonnen, tonnenschwere Felsbrocken im britischen Teil des Schutzgebietes Doggerbank in der Nordsee zu versenken. Sie wollen die Doggerbank damit vor der Fischerei mit Grundschleppnetz schützen. Diese Art der Fisch


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z