Meilenstein im Kampf gegen die Volkskrankheit Parodontitis / Systematische Behandlung von Parodontitis endlich an den Stand der Wissenschaft angepasst
ID: 1869347
Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV: "Diese Entscheidung ist ein versorgungspolitischer Meilenstein auf dem Weg zu einer weiteren Verbesserung der Mundgesundheit, für den sich die Zahnärzteschaft viele Jahre lang gegen große Widerstände der Kassen eingesetzt hat. Mit den bislang im Katalog der gesetzlichen Krankenversicherung verankerten Leistungen war eine nachhaltige Versorgung der Patienten nicht mehr möglich. Die entsprechende Behandlungs-Richtlinie war völlig veraltet und berücksichtigte längst nicht mehr den Erkenntnisstand der wissenschaftlichen Forschung. Insbesondere das Fehlen einer strukturierten Nachsorge zur nachhaltigen Sicherung des therapeutisch erzielten Behandlungserfolges, stellte ein großes Manko in der Behandlungsstrecke dar."
"Die nach wie vor hohe Parodontitislast in Deutschland zu senken, ist ein wichtiges Ziel unseres zahnmedizinischen Versorgungskonzepts. Zu Recht wird die Parodontitis als große Volkskrankheit bezeichnet, an der immer noch jeder zweite Erwachsene hierzulande leidet. Unbehandelt hat sie nicht nur schwerwiegende Folgen für die Mundgesundheit, sondern steht auch in direktem Zusammenhang mit anderen chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vielen weiteren Leiden. Ich bin zuversichtlich, dass wir auf Basis der heutigen Entscheidung im G-BA schon bald deutliche Fortschritte im Kampf gegen die Parodontitis werden vorweisen können", sagte Eßer.
Mit dem Beschluss wird die systematische Behandlung von Parodontitis auch erstmals in einer eigenen Richtlinie geregelt. Die Inhalte setzen auf der aktuellen wissenschaftlichen Klassifikation der Fachgesellschaften auf. Die Erkrankung wird jetzt mit einem umfassenden, am individuellen Bedarf ausgerichteten Maßnahmenprogramm bekämpft. So erhalten Versicherte künftig im Zusammenhang mit der eigentlichen Behandlung eine patientenindividuelle Mundhygieneunterweisung. Dazu wird als eigener Therapieschritt ein parodontologisches Aufklärungs- und Therapiegespräch verankert, um das Verständnis über die Auswirkungen der Erkrankung zu schaffen und die Mitwirkung der Versicherten zu stärken. Damit findet die "sprechende Zahnmedizin" erstmals Eingang in die Versorgung. Beide Maßnahmen dienen dazu, die eigene Mundhygienefähigkeit und Gesundheitskompetenz zu erhöhen.
Einen bedeutenden Stellenwert hat in der neuen Behandlungsstrecke die unterstützende Parodontitistherapie (UPT). Versicherte können, ausgerichtet am individuellen Bedarf, künftig zwei Jahre nach Abschluss der aktiven Behandlungsphase eine strukturierte Nachsorge in Anspruch nehmen, um den Behandlungserfolg zu sichern. Die Nachsorge kann - so denn die Voraussetzungen aus vertragszahnärztlicher Sicht vorliegen und eine Genehmigung der Krankenkasse erfolgt - darüber hinaus um in der Regel 6 Monate verlängert werden. Die Frequenz der UPT wird bedarfsgerecht an das individuelle Patientenrisiko angepasst. Damit wird eine entscheidende Lücke in der bisherigen parodontologischen Versorgung in Deutschland geschlossen. Insbesondere Risikogruppen profitieren von dem engmaschigen Nachsorgekonzept.
Der heutige Beschluss wird dem Bundesministerium für Gesundheit zur rechtlichen Prüfung vorgelegt werden und tritt - im Fall der Nichtbeanstandung - zum 1. Juli 2021 in Kraft. Die nun folgenden Verhandlungen von KZBV und GKV-Spitzenverband im Bewertungsausschuss müssen bis dahin abgeschlossen sein. Zum 1. Juli werden die neuen Leistungen zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderer Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie) dann den Patienten in vertragszahnärztlichen Praxen zur Verfügung stehen.
Hintergrund: Parodontale Erkrankungen
Die Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates, die wesentlich durch bakterielle Beläge auf Zahnoberflächen und in den Zahnzwischenräumen verursacht wird. Parodontale Erkrankungen sind der Hauptgrund für den Verlust von Zähnen bei Erwachsenen. Nach aktuellen Berechnungen sind allein in Deutschland fast 12 Millionen Erwachsene von einer schweren parodontalen Erkrankung betroffen.
Bei einer Parodontitis werden in einem schubweise verlaufenden Prozess Gewebe und Knochen zerstört, die für den Halt des Zahnes verantwortlich sind. Da der Verlauf dieser tückischen Krankheit in der Regel zunächst schmerzlos ist, bleibt die Parodontitis oftmals lange unentdeckt. Unbehandelt kann sie zu Zahnverlust führen, verbunden mit Problemen beim Essen und Sprechen. Selbstvertrauen und Lebensqualität betroffener Patienten sind beeinträchtigt. Die Parodontitis ist keine lokal auf die Mundhöhle begrenzte Infektion. Es bestehen wissenschaftlich belegte Wechselbeziehungen zwischen der Beeinträchtigung der Mundgesundheit durch eine parodontale Erkrankung und der Allgemeingesundheit. Die Parodontitis steht in Verbindung mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen chronischen Leiden. Eine Verbesserung der parodontalen Gesundheit trägt daher auch zur Vorbeugung und Kontrolle dieser Erkrankungen bei.
Das gemeinsame PAR-Versorgungskonzept der Zahnärzteschaft
Bereits im Jahr 2017 hatte die Zahnärzteschaft anlässlich des Deutschen Zahnärztetages gemeinsam das "Konzept für die Behandlung von Parodontalerkrankungen bei Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung" (https://www.kzbv.de/par-versorgungskonzept.1191.de.html) veröffentlicht. Das Konzept basiert auf international anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnissen, berücksichtigt den medizinischen Fortschritt und ist eine wesentliche Grundlage für die jetzt überarbeitete Behandlungsstrecke.
Pressekontakt:
Kai Fortelka
Tel: 0173 2603167
E-Mail: mailto:presse@kzbv.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/12264/4794042
OTS: Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung
Original-Content von: Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 17.12.2020 - 13:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1869347
Anzahl Zeichen: 6756
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Gesundheitswesen - Medizin
Diese Pressemitteilung wurde bisher 351 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Meilenstein im Kampf gegen die Volkskrankheit Parodontitis / Systematische Behandlung von Parodontitis endlich an den Stand der Wissenschaft angepasst"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Kassenzahn (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Welche gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten einer professionellen Zahnreinigung (PZR) - oder übernehmen diese unter Umständen sogar vollständig? Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) hat heute die Ergebnisse ihrer jährlichen Umfrage zu entsprechenden Leistungen
"Das Maß ist voll, Herr Minister!" / Letzte VV der endenden Amtsperiode des Vorstands der KZBV ...
Auf der letzten Vertreterversammlung der auslaufenden sechsjährigen Amtsperiode des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) zog dessen Vorsitzender Dr. Wolfgang Eßer eine kritische Bilanz der Gesundheitspolitik der Bundesregierung und stimmte die Zahnärzteschaft vor dem Hin
Partizipation bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen sieht anders aus! / MassiverÄrger der KZBV über geplante künftige Finanzierung von TI-Komponenten ...
Anlässlich der geplanten künftigen Finanzierung der Telematikinfrastruktur (TI) hat die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) massive Kritik an dem gänzlich unabgestimmten Vorgehen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) geübt. "Einmal mehr handelt das BMG in Sachen TI im A
Weitere Mitteilungen von Kassenzahn
Übergewicht und Krebs - Empfehlungen zur Gewichtsabnahme und Krebsvorbeugung ...
Jeder zweite Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs. Krebserkrankungen stellen heute in den Ländern der westlichen Hemisphäre die Todesursache Nummer eins dar. Nach aktuellen Berechnungen können Vorbeugung und Früherkennung zusammengenommen die Krebssterblichkeit um 50 bis 75 Prozent se
Pass doch endlich auf!!! - Anregende Aufmerksamkeitswerkstatt ...
Aufmerksamkeit hat man nicht, man ist aufmerksam. Die Aufmerksamkeit ist keine Eigenschaft, die ein Mensch besitzen kann oder die einem fehlt, sondern ein Bewusstseinszustand, der ergriffen oder ignoriert werden kann. Sie wird in jedem Augenblick neu geschaffen. Die Aufmerksamkeit kann durch äußer
Wenn Plaque zur Plage wird / Tiergerechte Zahnpflege ist kein kosmetischer Luxus, denn gesunde Zähne sind ein wichtiger Baustein für die Gesundheit von Hund und Katze (FOTO) ...
Einfacher Zahnbelag wächst sich in zunehmendem Alter zu einem massiven Problem aus. Deshalb sollte man Hund und Katze regelmäßig die Zähne putzen und dem Tierarzt zur Zahnkontrolle vorstellen. Knapp 80 Prozent der erwachsenen Katzen leiden an Parodontalerkrankungen, 60 bis 80 Prozent der Hunde
Deutsche Umwelthilfe begrüßt bahnbrechendes Urteil in Großbritannien: Luftverschmutzung mitverantwortlich für den Tod eines neunjährigen Mädchens ...
- Daten der Europäischen Umweltagentur belegen 63.100 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub und 9.200 durch Stickstoffdioxid in Deutschland - Britische Justiz bestätigt "Exzessive Luftverschmutzung" in wegweisender Entscheidung mitverantwortlich für die Entwicklung von Asthma und




