WDR Programmdirektorin Valerie Weber fordert erweiterten Kulturbegriff
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In der Sitzung des WDR-Rundfunkrats (19.03.) appelliert Programmdirektorin Valerie Weber für ein modernes Verständnis von Kultur und Kulturberichterstattung, die ein vielfältiges Publikum anspricht. "Wir sind ja nicht nur Berichterstatter, sondern selber Kulturschaffende, Produzenten und Veranstalter. Wir sehen den Eigenwert der Kunst. Wir sehen unsere Aufgabe darin, Erlebniswelten zu schaffen und Reflexionsräume für den intellektuellen Diskurs zu bieten."
Die Öffnung der Musikfarben bei WDR 3 zugunsten von moderner Klassik und Soloinstrumenten, aber auch der Ausbau der Kulturberichterstattung am Morgen um mehr als 30 Prozent seien innovative Schritte des neuen Programmchefs der Kulturwelle, Matthias Kremin. Auch die viel diskutierte und vermeintlich gefährdete Literaturberichterstattung präsentiere sich morgens künftig in neuen Formen. Die klassische Literaturrezension werde dagegen nun statt frühmorgens zu einer besseren Sendezeit am Mittag ausgestrahlt - mit dreimal so viel Hörer:innen. Grundsätzlich verwahrt sich Weber aber gegen die Forderung, Kultur auf nur eine Radiowelle einzuengen. Die derzeit wohl prominenteste Literatursendung gebe es beispielsweise bei der jungen Welle 1LIVE mit mehr als einer halben Million Hörer:innen. Zudem habe jede Radiowelle des WDR Literaturangebote. Damit werde der gesamtheitliche Anspruch erfüllt, zur kulturellen Vielfalt beizutragen.
Dabei müsse das Gesamtangebot so gestaltet werden, dass jede und jeder Beitragszahler:in etwas für sich finde. "Wir müssen zwar nicht allen gefallen, und wir dürfen auch verstören und den Geist fordern - aber wir müssen gehört, gesehen und genutzt werden." Kulturberichterstattung und -erlebnis dürften nicht nur den Hochgebildeten vorbehalten sein: "Schonen Sie die Kultur nicht vor dem Publikum. Sperren wir sie nicht weg. Weder zu WDR 3 noch in das Nachtprogramm", fordert Weber.
Bis Ende 2021: Mehr Inhalte für das Digitale
Vor dem Hintergrund der jüngsten öffentlichen Debatte um die WDR-Kulturberichterstattung erläutert Weber ihre Pläne, strategischen Ziele und Beweggründe für notwendige Veränderungen in den WDR-Programmen: "Wir stehen - auch wenn der Rundfunkbeitrag auf 18,36 Euro angepasst wird - vor weiteren Einsparungen. Dadurch könnten dringend notwendige neue Formen und Kultur-Inhalte auch für das Digitale entwickelt werden, denn der WDR müsse mit seinen Angeboten 2/2
dem geänderten Nutzerverhalten folgen. Wir müssen die nötigen Mittel durch kluge ARD-Kooperationen, durch Mehrfachverwertung wertvoller Inhalte, aber auch durch Reduzierung von Angeboten erwirtschaften." Valerie Weber konkretisiert: "Im Schnitt sollen in der Programmdirektion NRW, Wissen und Kultur, die Radio, Fernsehen, Onlineformate und reine Textangebote produziert, rund 20 Prozent der Mittel bis Ende des Jahres umgeschichtet sein."
Grundlage aller Weiterentwicklungen im Programm bleibe jetzt und in Zukunft die Motivation, möglichst viele Menschen in Nordrhein-Westfalen täglich mit einem wertvollen Programm zu begeistern: "Wir wollen für Vielfalt werben und gegen jedwede Konformität senden", betont Weber.
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Datum: 19.03.2021 - 17:01 Uhr
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