Gestrandet, staatenlos, eingesperrt: Rohingya-Kinder ohne Grundrechte
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"Das Ausmaß an Grausamkeiten, denen Rohingya-Kinder ausgesetzt ist, macht sie zu den am meisten verfolgten Kindern der Welt", sagt Hassan Noor, Asien-Regionaldirektor von Save the Children. "Die Kinder werden ihrer grundlegendsten Rechte beraubt. Sie können nicht lernen oder in Sicherheit aufwachsen, Diskriminierung und Vorurteile bestimmen ihren Alltag. Die jahrzehntelange Ausgrenzung und Gewalt muss ein Ende haben - in ihrer Heimat, aber auch in den Aufnahmeländern."
In Myanmar ist die muslimische Minderheit der Rohingya seit Jahrzehnten staatlicher Verfolgung und Gewalt ausgesetzt. 2017 eskalierte der Konflikt. Die Gewalt trieb hunderttausende Rohingya in die Flucht, die meisten von ihnen nach Bangladesch. An ihren Zufluchtsorten sind die Rohingya jedoch nicht vor Diskriminierung und Rechtlosigkeit geschützt, wie der Bericht "No Safe Haven" von Save the Children zeigt. Sie werden unter strengen Ausgangsbeschränkungen in Aufnahmelagern festgehalten oder sind gezwungen, monatelang unter Lebensgefahr auf Flüchtlingsbooten auf hoher See zu treiben, weil kein Land sie einreisen lässt.
Von den mehr als 700.000 Rohingya-Kindern in Asien leben nur rund 234.000 im Bundesstaat Rakhine in Myanmar. Etwa 450.000 Rohingya-Kinder sind in Flüchtlingslagern in Bangladesch gestrandet, zehntausende weitere haben in benachbarten asiatischen Ländern Zuflucht gefunden. Die genauen Zahlen sind unklar, da nicht alle registriert sind.
Der Bericht "No Safe Haven" fasst die größten Probleme der Rohingya zusammen:
- Staatenlosigkeit und fehlender rechtlicher Status: Myanmar verwehrt der gesamten Rohingya-Bevölkerung die Staatsbürgerschaft. Doch auch keines der vier untersuchten Fluchtländer gewährt den auf ihren Territorien geborenen Kindern die Staatsbürgerschaft. Ebenso wenig werden sie offiziell als Geflüchtete anerkannt, da sie als Staatenlose kein Asyl beantragen können. Dadurch drohen ihnen Drangsalierung, Abschiebung und Gefangenschaft, zudem sind sie größtenteils vom Gesundheitssystem und anderen sozialen Dienstleistungen ausgeschlossen.
- Erschwerter Zugang zu Bildung: Entweder werden Rohingya-Kinder aufgrund explizit diskriminierender Gesetze vom Bildungssystem ausgeschlossen oder ihnen wird der Zugang verwehrt. In Thailand haben zwar alle Kinder, unabhängig von ihrem rechtlichen Status, ein Recht auf Grundbildung. Doch im Alltag findet dies keine Anwendung.
- Kinderehe und Schwangerschaft: Bildung für Mädchen wird angesichts finanziellen Drucks und kultureller Einstellungen als zweitrangig angesehen. Jugendliche Rohingya-Mädchen gehen deshalb tendenziell noch seltener zur Schule und werden früh verheiratet.
- Festnahme und Gefangenschaft: Diesesind für viele Rohingya-Kinder Realität, ebenso das Festhalten in Aufnahme- und Flüchtlingslagern.
- Diskriminierung: Diskriminierende Äußerungen werden teilweise von Regierungsbeamten in Medien verbreitet, wodurch die Sicherheit der Kinder gefährdet ist.
Die Covid-19-Pandemie hat die Situation für geflüchtete Rohingya weiter verschärft. Regierungen haben die Bewegungsfreiheit eingeschränkt und Staatsgrenzen geschlossen. Einige Staaten nutzen die Pandemie als Vorwand, um Flüchtlingsboote zurückzuweisen, undokumentierte Migrantinnen und Migranten festzunehmen und Hilfen einzuschränken. Die Aussicht der hunderttausenden geflüchteten Rohingya auf eine sichere Rückkehr in ihre Heimat ist seit dem Militärputsch vom 1. Februar in Myanmar und die gewaltsame Niederschlagung der Proteste gegen die Putschisten weiter gesunken.
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Datum: 17.06.2021 - 09:22 Uhr
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