Revierkampf auf Rädern/Kommentar von Anja Krüger
ID: 1916820
Privat erworbene Lastenräder werden punktuell genutzt und stehen die meiste Zeit am Tag still. Aber gewerbliche - und die treiben den Boom bei den Verkaufszahlen - sind im Dauereinsatz. Sie werden angeschafft von Unternehmen, die auf einen klimafreundlichen Transport von Waren setzen und/oder durch den Einsatz eines Lastenrads Zeit gewinnen wollen, weil ihre Fahrer:innen damit an den vielen Autostaus vorbeikommen. Das Erste ist lobenswert, das Zweite ein riesiges Problem: Es führt zu einer massiven Drängelei. Denn es sind ja nicht nur die Straßen hoffnungslos verstopft, sondern auch viele Radstreifen und -wege überfüllt und schon ohne Lastenräder viel zu eng. Wenn massenhaft gewerbliche Radtransporteur:innen unterwegs sind und sie nicht ausschließlich vor und hinter den Fahrzeugen auf den Straßen fahren, werden sie mit den traditionellen Radfahrer:innen um den viel zu knappen Raum konkurrieren. Das setzt eine fatale Verdrängung aufseiten der ohnehin schwächeren Verkehrsteilnehmer:innen in Gang. Die robusten Radfahrer:innen werden ihre Wege verteidigen, die anderen auf Gehwege ausweichen und dort den Fußgänger:innen das Leben schwer machen. Und der kleine Sicherheitsgewinn, der durch den hier und da erfolgten Ersatz eines Lieferwagens oder gar Lasters durch mehrere Lastenräder entsteht, ist schnell perdu.
Trotzdem sind Lastenräder eine gute Sache. Sie sind klimafreundlich, und ein Zusammenstoß mit Kindern, Fußgänger:innen oder Radfahrenden dürfte in der Regel glimpflicher ausgehen als die Kollision mit einem Pkw oder Lkw. Wirklich wünschenswert ist ihr hunderttausendfacher Einsatz aber nur, wenn die Infrastruktur massiv ausgebaut ist. Das bedeutet nicht nur, in großem Stil neue und breitere Radwege zu bauen, sondern auch und gerade, den Autofahrenden zugunsten der anderen Verkehrsteilnehmer:innen Platz wegzunehmen. Wenn sich am Grundproblem nichts ändert, können vermeintliche Verbesserungen schnell ins Gegenteil umschlagen: Es gibt zu viele Autos und Lkws auf den Straßen, nicht nur in den Großstädten. Es müssen weniger werden.
Pressekontakt:
taz - die tageszeitung
Susanne Knaul
Telefon: +49 30 25902 255
meinung@taz.de
Original-Content von: taz - die tageszeitung, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 06.07.2021 - 16:52 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1916820
Anzahl Zeichen: 2849
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Deutschland
Kategorie:
Umweltpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 906 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Revierkampf auf Rädern/Kommentar von Anja Krüger"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
taz - die tageszeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
(Brot für die Welt hat nach Erscheinen des Artikels das Zitat im 2. Absatz dahingehend korrigiert, dass rund 60 Prozent des in Deutschland verbrauchten Weizens in Trog und Tank landeten, also nicht 80 Prozent des Weizens in Deutschland.) Die Hilfsorganisation "Brot für die Welt" hat d
Brot für die Welt verteidigt Indiens Exportverbot für Weizen / Regierung verhindere Hunger im eigenen Land. Statt das zu kritisieren sollten die G7 ihren Verbrauch für Kraftstoff und Futter reduzie ...
Die Hilfsorganisation "Brot für die Welt" hat die Kritik der G7-Staaten an Indiens Exportverbot für Weizen zurückgewiesen. "Es ist nur gerechtfertigt, wenn die indische Regierung Hunger im eigenen Lan durch einen Ausfuhrstopp verhindern will", sagte Francisco Marí, Welte
FDP sieht Pläne für weniger Biosprit skeptisch / Kraftstoff aus Pflanzen sei nötig im Kampf gegen Klimawandel, so Vizefraktionschefin Konrad. Sie sieht keine große Konkurrenz zu Lebensmittelproduk ...
Die von mehreren Bundesministerien angestrebte Reduzierung des Einsatzes von Lebensmitteln als Kraftstoff droht an der FDP zu scheitern. "Biokraftstoffe sind eine wichtige Technologie zum Übergang in die Klimaneutralität des Verkehrs und oftmals durch den Einsatz von Abfällen und Reststoff
Weitere Mitteilungen von taz - die tageszeitung
Nur moderate Wünsche ...
Während der Coronakrise fährt die Deutsche Bahn, aber in den Sommerferien steht sie womöglich still - wegen Streik. Eine schräge Vorstellung. Doch die könnte Realität werden, wenn das Bahn-Management bei seiner harten Linie bleibt. Bis zu ihrer Urabstimmung im August will die Gewerkschaft Deut
Kein Zurück zum alten Normalbetrieb/Kommentar von Barbara Dribbusch ...
Der Begriff "Normalbetrieb" fällt im Streit über das Homeoffice (https://irre.taz.de/exec/mainmenu.pl?sid=3361e9563c338591d54da2b905e30dd5&rm=open_article_id&bid=4605998). Die mittelständischen Unternehmen müssten endlich zum "Normalbetrieb" zurückkehren können, so
Täuschung bei Biosackerl - Wie Kompostierbarkeit vorgegaukelt wird ...
Der gewaltige Betrugsskandal, wo Plastiksackerl fälschlicherweise als kompostierbare und umweltfreundliche Sackerl verkauft werden, begann als Zufallsfund. Ein Kunde brachte ein Sackerl von einer Lieferbestellung eines Restaurants zu NaKu Geschäftsführer und Kunststoffexperte Johann Zimmermann
Proindex Capital AG: Paraguay findet neue Märkte für Fleisch und Kunststoff ...
Suhl, 23.05.2021. Estefanía Laterza, Nationaldirektorin des Import- und Exportnetzwerks (Rediex) in Paraguay, erklärte, dass die Covid-19-Beschränkungen den weltweiten Lebensmittelkonsum erhöht haben. Daher werden zum ersten Mal verschiedene Teile des Schweins nach Uruguay vermarktet. „Die




