Der Ausbildungsmarkt im Südwesten
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Arbeitsagentur Freiburg: Noch keine Trendwende erkennbar
Aus Sicht der Agentur für Arbeit Freiburg beschreibt die Stellvertretende Leiterin und Geschäftsführerin Operativer Bereich der Agentur für Arbeit Freiburg Anna Melchior die Situation auf dem Ausbildungsmarkt: „Die Chancen für Jugendliche, in der Wirtschaftsregion Freiburg einen Ausbildungsplatz zu finden, sind weiter gut. Für die Betriebe wird es dagegen immer schwerer, Nachwuchskräfte zu finden.
Jugendliche sollten wegen der Corona-Krise ihre Ausbildungsabsichten nicht zurückstellen und die Chancen nutzen, die sich ihnen jetzt bieten. Wer sich bei der Berufswahl oder Ausbildungssuche schwertut, dem empfehle ich dringend den Kontakt zur Berufsberatung.
Den Ausbildungsbetrieben rate ich, sich jungen Menschen zu öffnen, die bislang noch durchs Raster gefallen sind. Für sie gibt es Programme, die Hürden beseitigen und Risiken abmildern. Wir können es uns als Gesellschaft nicht leisten, auch nur einen Jugendlichen verloren zu geben.
Wenn ich sehe, wie viele gut qualifizierte Menschen in den kommenden Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden, dann fällt die Bilanz zum Ausbildungsmarkt eher nüchtern aus. Wir brauchen mehr Berufsausbildungsstellen und mehr Bewerber.“
Arbeitsagentur Offenburg: Bewerberniveau konnte gehalten werden
„Erneut war die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen im Ortenaukreis deutlich höher als die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber. Wir haben weiterhin einen Bewerbermarkt. Aufgrund der Corona Pandemie war es für Arbeitgeber und Ausbildungssuchende nicht einfach, zusammenzukommen. Viele Ausbildungsmessen in Präsenz und Betriebspraktika konnten auch dieses Jahr nicht stattfinden. Ende September waren im Ortenaukreis noch 46 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und 436 Ausbildungsstellen noch unbesetzt“, sagt Theresia Denzer-Urschel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg, zur Bilanz des Berufsberatungsjahres 2020/2021.
Handwerkskammer Freiburg: Aktive Zuwanderung als wichtige Säule
Die Handwerkskammer Freiburg meldete für das neue Ausbildungsjahr 2.241 neu abgeschlossene Lehrverträge. Damit steht zum 30.09.2021 ein Minus von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr in den Büchern. „Die Coronakrise hat die Ausbildungszahlen im südbadischen Handwerk allerdings nicht wesentlich beeinflusst“, hebt der Präsident der Handwerkskammer Freiburg Johannes Ullrich hervor. „Vielmehr sind Einflüsse der demografischen Entwicklung und gleichzeitig sinkende Lehrlingszahlen von Geflüchteten Grund für die aktuell sinkenden Ausbildungszahlen im Handwerk.“
Die Gewinnung von Auszubildenden werde immer schwieriger. „Bei der Nachwuchsgewinnung im Handwerk ist die aktive Zuwanderung deshalb eine wichtige Säule“, so Ullrich. Das Handwerk müsse sich entsprechend ausrichten. „Natürlich bleiben alle anderen Zielgruppen weiterhin ebenso wichtig. Diese wollen wir mit passgenauen Berufsorientierungsmaßnahmen noch besser abholen.“
Das Handwerk müsse attraktiv bleiben. Das betreffe auch die Bildungsinfrastruktur. „Hier müssen wir up to date sein.“ Berufliche Bildung bedeute immer, Märkte auf Bildungsebene abzubilden. „Die Energie- und Klimawende beispielsweise schaffen wir nur mit dem Handwerk. Das muss sich auch in unserer Bildungsinfrastruktur abbilden – da sind wir bereits seit Jahren dran.“ Die Herausforderungen, die Bildungslandschaft modern zu halten, würden aktuell an vielen Stellen in der Kammerstruktur angepackt. „Wir stellen uns, unseren Nachwuchs und unsere Betriebe zukunftssicher auf“, resümiert Ullrich.
Industrie und Handelskammer Südlicher Oberrhein
Mit einem Rückgang von 0,5 Prozent sieht sich die IHK Südlicher Oberrhein bei den abgeschlossenen Ausbildungsverhältnissen beinahe auf dem Niveau des Vorjahres. 3.856 neue Verträge lagen bei der Kammer zum Stichtag 31.10.2021 vor. „Erst der Blick in das Vor-Corona-Jahr 2019 zeigt die ganze Wahrheit“, ging IHK-Präsident Eberhard Liebherr in die Tiefe. „Vor zwei Jahren lag die Zahl der Verträge bei uns bei 4.375. Beim Vergleich von heute zu Vor-Pandemie-Zeiten zeigt sich das wahre Minus, und das liegt bei 11,9 Prozent.
Deutlich zu sehen dabei, dass der Bereich der gewerblich-technischen Berufe stärker rückläufig ist als der Bereich der kaufmännischen Berufe. Liebherr: „Allerdings hatten wir gerade im Metallbereich zuletzt enorme Zuwächse, eine Abnahme wäre also auch ohne die Pandemie zu erwarten gewesen, gerade auch beim Blick auf den Strukturwandel in der Automobilindustrie.“
Erfreulich aus Sicht des IHK-Präsidenten: „Inzwischen hat jeder beziehungsweise jede dritte Auszubildende Hochschulreife. Das zeigt, dass unser Werben für die duale Ausbildung an den Gymnasien langsam Früchte trägt.“ Mit dieser Feststellung schickt Liebherr auch gleich eine Forderung an die Politik: „Dieser Prozess muss politisch stärker unterstützt werden. Wenn, wie in der Stadt Freiburg, inzwischen 60 Prozent der Kinder nach der Grundschule auf ein Gymnasium wechseln, kann der Auftrag der Gymnasien nicht mehr allein in der Vorbereitung auf ein Studium liegen.“
Auch das Thema Zuwanderung ist ein Anliegen des IHK-Präsidenten. Sein Appell: „Der Fachkräftemangel und zunehmend auch Arbeitskräftemangel spitzen sich aktuell in fast allen Branchen derart zu, dass er allein durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen im Inland strukturell nicht mehr zu kompensieren ist. Das Thema Zuwanderung muss deshalb endlich politisch mehr Gewicht bekommen.“
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Datum: 23.11.2021 - 15:05 Uhr
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