Inflation und Pandemie prägten das Finanzjahr 2021 / Finanzielle Unzufriedenheit im Osten wächst
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Nach einem weiteren herausfordernden Pandemiejahr ziehen die Deutschen Bilanz und bewerten ihre finanzielle Lage. Trotz der stark steigenden und besonders in den letzten Monaten besorgniserregend hohen Inflation sowie sehr niedriger Zinsen war das Jahr 2021 für 36,8 Prozent der Befragten ein "gutes" oder "eher gutes" Finanzjahr. Nach einem starken Einbruch im Pandemiejahr 2020 (30,4 Prozent) erreicht der Wert annähernd das Niveau von 2019 (39,7 Prozent). Dennoch zeigt sich die Bevölkerung im Durchschnitt uneinig in der Bewertung. Auch im Ländervergleich kommt es zu großen Unterschieden. Das belegt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der norisbank.
Neben den Befragten, die das Finanzjahr 2021 als "gut" oder "eher gut" bewertet haben, schaut mehr als ein Drittel (34,5 Prozent) der Deutschen mit gemischten Gefühlen auf das Jahr zurück - ein Wert, der leicht unter den Vorjahren liegt (2020: 35,6 Prozent, 2019: 35,4 Prozent). Die repräsentative Umfrage zeigt aber auch, dass 2021 für deutlich mehr als ein Viertel der Deutschen (28,7 Prozent, 2020: 33,1 Prozent, 2019: 24,9 Prozent) erneut ein aus finanzieller Sicht schlechtes Jahr war. Ein Wert, der im Vergleich zum Vorjahr eine Verbesserung darstellt, im Vergleich zu 2019 aber auch belegt, dass die zurückliegenden Jahre ihre Spuren hinterlassen haben und die Normalität noch fern ist.
Männer deutlich zufriedener als Frauen
Männer und Frauen bewerten das Finanzjahr unterschiedlich: 41,3 Prozent der Männer sind zufrieden mit dem Finanzjahr 2021. Damit liegt der Wert trotz der besonderen Herausforderungen im vergangenen Jahr deutlich über dem Vorjahr (2020: 36,5 Prozent, 2019: 41,6 Prozent) und wieder auf dem Niveau von 2019. Im Bundesvergleich sind deutlich mehr Männer zufrieden mit dem Finanzjahr 2021 als Frauen, deren Wert mit 32,4 Prozent zwar deutlich über dem Niveau von 2020 liegt, aber im Vergleich zu den Männern knapp 9 Prozentpunkte geringer ist (2020: 26,2 Prozent, 2019: 37,8 Prozent).
Mehr Menschen im Osten mit Finanzjahr unzufrieden
Unterschiede werden auch im Ländervergleich deutlich: Vor allem von den Befragten aus Ostdeutschland wird das zurückliegende Jahr negativ bewertet (32,4 Prozent). Im Vergleich zu den Vorjahren hat diese Wahrnehmung deutlich zugenommen: So waren 2020 noch 27,7 Prozent und im Jahr 2019 sogar nur 25 Prozent der ostdeutschen Befragten unzufrieden mit ihrem Finanzjahr. In den alten Bundesländern Deutschlands lässt sich hingegen ein gänzlich anderer Trend erkennen: Nur gut jeder Vierte Westdeutsche (26,5 Prozent, 2020: 36,8 Prozent, 2019: 27,6 Prozent) bewertet das letzte Finanzjahr als negativ. In Süd- und Norddeutschland lag der Wert minimal höher (Süddeutschland: 29,4 Prozent, 2020: 33,3 Prozent, 2019: 25,0 Prozent; Norddeutschland: 27,6 Prozent, 2020: 32,1 Prozent, 2019: 20,9 Prozent). Die Zufriedenheit der Befragten im Westen Deutschlands mit ihrer aktuellen finanziellen Lage (40,1 Prozent) hat hingegen nahezu wieder den Stand von 2019 erreicht (40,7 Prozent). Eine ähnliche positive Entwicklung, wenngleich noch mit Werten unter dem 2019-Niveau, zeigt sich auch in Süd- und Norddeutschland (Süddeutschland: 36,5 Prozent, 2020: 35,4 Prozent, 2019: 41,6 Prozent; Norddeutschland: 35,6 Prozent, 2020: 28,0 Prozent, 2019: 41,2 Prozent).
Coronakrise auch in 2021 für viele die Ursache finanzieller Einbußen - besonders Jüngere betroffen
Fragt man spezifisch nach der Auswirkung der Coronakrise auf die persönlichen Finanzen, so zeigt sich, dass auch das zweite Pandemiejahr deutliche Spuren im Portemonnaie der Deutschen hinterlässt - jedoch mit abnehmender Tendenz: Während im Jahr 2020 noch 58 Prozent der Befragten, für die das Jahr nicht gut lief, über finanzielle Einbußen aufgrund der Coronakrise klagten, sind es 2021 nur noch 36,5 Prozent. Doch insbesondere die 18- bis 29-Jährigen leiden noch immer unter den wirtschaftlichen Auswirkungen: 44,4 Prozent (2020: 71,0 Prozent) geben Kurzarbeit, fehlende Aufträge und Bonuszahlungen oder Arbeitslosigkeit aufgrund der Coronapandemie als Hauptgrund für ihr schlechtes Finanzjahr an.
Aber auch nicht unmittelbar Corona-bezogene Mehrausgaben spielen eine Rolle: 28 Prozent der Befragten, die das aktuelle Jahr aus finanzieller Sicht negativ bewerten, begründen dies mit Mehrausgaben aufgrund einer veränderten Lebenssituation wie beispielsweise durch Scheidung oder Mieterhöhung. Das sind 5,5 Prozentpunkte mehr als noch 2020 (22,5 Prozent).
Inflation gefährdet Vermögensaufbau
Bereits mehr als ein Viertel der Deutschen (25,3 Prozent) gibt an, dass die hohe Inflation ein Hauptgrund für ihr schlechtes Finanzjahr war - sie konnten die Geldentwertung nicht ausgleichen. Aber auch der extreme Niedrigzins spielt eine Rolle: Durch die aktuelle Zinslage sieht jeder zehnte Deutsche seinen Vermögensaufbau gefährdet. Allerdings zeigen die Umfrageergebnisse hier einen leichten Rückgang: Während 2019 noch 16,8 Prozent derer, die mit dem Finanzjahr 2019 nicht zufrieden waren, angaben, aufgrund der aktuellen Zinslage sinkende Möglichkeiten zum Werterhalt und Ausbau ihres Vermögens zu haben, sind es 2021 nur noch 10,1 Prozent (2020: 10,9 Prozent). Eine bemerkenswerte Entwicklung, wenn man bedenkt, dass sich die Auswirkung der Zinssituation für viele mit Blick auf die Verzinsung der Guthaben auf Girokonten sowie Tages- und Festgeldkonten weiter verschlechtert.
Die Pandemie setzt sich im Jahr 2022 nun im dritten Jahr fort und es zeigen sich inzwischen gewichtige Auswirkungen der Coronakrise in vielfältiger Weise, die sich auch in der finanziellen Situation niederschlagen. Entsprechend ist auch in künftigen Befragungen mit heterogenen sowie volatilen Ergebnissen und unerwarteten Entwicklungen zu rechnen.
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Über die Umfrage
Die norisbank hat zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Innofact AG 1.030 Personen ab 18 Jahren bevölkerungsrepräsentativ nach Alter und Geschlecht befragt. Die Online-Befragung wurde Ende Oktober 2021 durchgeführt.
Pressekontakt:
Christian Jacobs
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Datum: 11.01.2022 - 10:00 Uhr
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