Sarah Wiener kritisiert gesundheitsgefährdende Arbeit der Alkohol-Lobby im EU-Parlament
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Im Parlament wird heute über den "Europäischen Aktionsplan gegen Krebs" abgestimmt. Interventionen der Weinwirtschaft haben den ambitionierten Bericht jedoch entkräftet.
Das EU-Parlament stimmt heute, 16. Februar, über seine Reaktion auf den Aktionsplan "Beating Cancer" ab, den die Kommission im vergangenen Februar vorgelegt hat. Darin geht es um EU-weite Strategien im Kampf gegen die Krebserkrankungen, die mittlerweile jedes Jahr 1,3 Millionen Europäer*innen das Leben kosten.
Das Parlament hat diesen Aktionsplan mit einem starken Bericht quittiert, der Prävention - etwa in punkto Tabakkonsum und E-Zigaretten - in den Mittelpunkt stellt. Doch an einigen entscheidenden Stellen ist der Text unter hohen Lobby-Druck geraten: So machte die österreichische Weinwirtschaft im Vorfeld kräftig Stimmung, weil im Bericht betont werden sollte, dass es keinen unbedenklichen Alkoholkonsum gebe, sondern dieser, laut Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), immer mit einem bestimmten Gesundheitsrisiko einhergehe.
Sarah Wiener: "Der Bericht des Parlaments hat die Risiken von Alkoholkonsum klar ausgesprochen und das gefällt der Weinindustrie natürlich gar nicht. Also wollte man den Text mit gezielter Lobbyarbeit schwächen und hat dafür auch flugs Unterstützung im Lager der Konservativen gefunden."
Konkret wurden von Seiten der EVP-Fraktion in letzter Minute noch Änderungsanträge gemacht, die auch im Plenum angenommen wurden. Deshalb liest man jetzt in diesem Bericht, dass nur 'schädlicher' Alkoholkonsum erhöhtes Krebsrisiko bringe. Aber nicht nur das: Eigentlich hätte der Text auch den Plan der Kommission unterstützt, alkoholische Getränke mit Gesundheitswarnhinweisen zu versehen. Das schwächte man kurzerhand zu "Informationen über den moderaten und verantwortungsvollen Alkoholkonsum" ab.
Sarah Wiener: "Diese Änderungen zeigen einmal mehr, wie rücksichtslos hier gegen öffentliche Interessen lobbyiert wird. Klar, wir sind alle mit dem Glaserl Bier oder dem Schoppen Wein kulturell erzogen worden, aber dennoch und gerade deshalb müssen wir uns eingestehen, dass Alkohol nicht nur Krankheitsverursacher, sondern auch eine gefährliche Suchtdroge ist. Laut Studien der WHO sterben jährlich 290.000 Menschen in Europa an den Folgen ihres Alkoholkonsums. Darüber sollten wir dringend reden. Aber stattdessen propagiert der Bericht des Parlaments nun, dass unser Trinkverhalten auch risikofrei sein kann."
Tatsächlich weisen rund elf Prozent der österreichischen Gesamtbevölkerung ein problematisches Trinkverhalten auf, obwohl Alkohol in Bezug auf Krebs sogar Risikofaktor Nummer 1 ist. Fast ein Drittel der alkoholbedingten Todesfälle gehen auf eine Krebserkrankung zurück.
Sarah Wiener: "Der durchschnittliche Österreicher trinkt mehr als eine Badewanne Bier im Jahr. Das sind ungefähr 240 Liter. Solche Zahlen kann man sich nicht schön saufen, auch wenn die Alkohol-Lobby das nach Kräften versucht. Es braucht konkrete Maßnahmen gegen die Alltagsdroge Alkohol. Deshalb ist es entscheidend, dass die Vorschläge aus dem Aktionsplan der Kommission, wie Warnhinweise und Einschränkungen im Marketing, auch umgesetzt werden. Gesundheit und Vernunft müssen immer über Profit stehen."
Pressekontakt:
Ludmilla Reisinger / Pressesprecherin Sarah Wiener, MEP
ludmilla.reisinger@la.europarl.europa.eu
+43 660 3213732
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Datum: 16.02.2022 - 10:50 Uhr
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