Repräsentative Umfrage: 90 Prozent der Menschen in Deutschland fordern Verbot von Reserveantibiotika in der Massentierhaltung
ID: 1981583
- Votum der Bevölkerung ernst nehmen: Deutsche Umwelthilfe und Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung fordern gesetzliches Verbot von Reserveantibiotika in der Massentierhaltung
- Aktueller Rechtsakt der EU-Kommission plant Reserveantibiotika in der Massentierhaltung weiterhin zuzulassen
- Reserveantibiotika sind extrem wichtig für den Menschen, drohen aber an Wirksamkeit zu verlieren, wenn sie als Massenmedikation bei Nutztieren eingesetzt werden
Eine neue repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bestätigt: 90 Prozent der Bevölkerung sind für ein Verbot von Reserveantibiotika in der Massentierhaltung. Die DUH und die Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung fordern die EU-Kommission auf, die Menschen ernst zu nehmen und Reserveantibiotika in der Massentierhaltung gesetzlich zu verbieten. In diesen Tagen endete eine öffentliche Konsultation zum Vorschlag der EU-Kommission, Reserveantibiotika weiterhin uneingeschränkt in Großmastanlagen zuzulassen. Reserveantibiotika sind für den Menschen extrem wichtig. Sie kommen immer häufiger zum Einsatz, z.B. auf Intensivstationen, wenn gegen antibiotikaresistente Keime andere Medikamente nicht mehr wirken. Der massenhafte Einsatz von Reserveantibiotika in Großmastanlagen begünstigt jedoch die Entstehung von Resistenzen gegen diese Notfall-Antibiotika, die auch auf den Menschen übertragbar sind.
Dazu Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Die überwältigende Mehrheit der Deutschen fordert ein Verbot von Reserveantibiotika in der Tierhaltung. Dieses eindeutige Votum muss endlich gesetzlich festgeschrieben werden. Dazu hat die EU-Kommission mit Rechtsakten zur Tierarzneimittelverordnung die Möglichkeit. Auch das Bundeslandwirtschaftsministerium muss sein Konzept zur Antibiotikaminimierung deutlich nachschärfen. Reserveantibiotika müssen aus dem Futter und den Tränken der Massentierhaltung verbannt werden."
Imke Lührs, Vorstandssprecherin der Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung ergänzt: "Patienten mit multiresistenten Erregern kann immer häufiger nur noch mit Reserveantibiotika geholfen werden. Mit ihrem Vorschlag will die EU-Kommission scheinbar tatenlos zusehen, wie diese letzten Mittel an Wirkung verlieren durch routinemäßigen Einsatz in der Billigfleisch-Produktion. Es kann aber nicht sein, dass Profite der Fleischindustrie über Menschenleben gestellt werden."
Die DUH und die Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung kritisieren, dass der EU-Vorschlag maßgeblich von der Tierhaltungs- und Tierärzte-Lobby beeinflusst ist. Humanmedizin-Experten wurden hingegen nicht in gleichem Maße einbezogen. So fordert beispielsweise die Arzneimittelkommission der Bundesärztekammer einen Stopp von Reserveantibiotika für Lebensmittel liefernde Tiere. Auch die G7 Agrarministerinnen und -minister haben vergangene Woche beschlossen, dass sie einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika innerhalb der Lebensmittelkette als wesentlichen Bestandteil zum Schutz von Mensch, Tier und Umwelt ansehen. Diesem Beschluss müssen nun Taten folgen.
Link:
- Zur DUH-Stellungnahme zur EU-Konsultation über die Tierarzneimittelverordnung und den Details der Forsa-Umfrage: http://l.duh.de/p220519b
Pressekontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer DUH
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de
Reinhild Benning, Leiterin Landwirtschaft DUH
0151 17918487, benning@duh.de
Dr. Imke Lührs, Vorstandsmitglied Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung
aerzteinitiative@t-online.de
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Datum: 19.05.2022 - 11:52 Uhr
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