Waldumbau dringend nötig - Aber nur mit Wild! (AUDIO)

Waldumbau dringend nötig - Aber nur mit Wild! (AUDIO)

ID: 2004384
(ots) -

Anmoderationsvorschlag: Dass es unseren Wäldern schlecht geht, ist nicht zu übersehen. Hunderte Hektar sind diesen Sommer wieder Bränden zum Opfer gefallen. Dazu kommt, dass es aufgrund der langanhaltenden Trockenheit immer schwerer für die Bäume wird, an Wasser zu kommen, was sie wiederum anfälliger für Schädlinge macht. Allen voran Fichten und Kiefern, die oft in Monokultur, also ohne andere Baumarten dazwischen, gepflanzt wurden. Deshalb müssen unsere Wälder zu widerstandsfähigen Mischwäldern umgebaut werden. Hier stehen auch die Jäger in der Pflicht. Sie sollen den Bestand der Wildtiere reduzieren, damit weniger Jungpflanzen von Tieren auf Nahrungssuche abgefressen werden. Die Jäger wiederum sehen es differenzierter: Statt "Wald vor Wild" fordern sie "Wald mit Wild". Helke Michael berichtet.

Sprecherin: Etwa ein Viertel der deutschen Waldfläche sind Kiefern- oder Fichtenwälder in Monokultur und muss mit Laubbäumen aufgeforstet werden. Um die Aufforstungsflächen zu schützen, sind die Jäger mit in der Verantwortung, aber eben nicht nur.

O-Ton 1 (Torsten Reinwald, 14 Sek.): "Wenn ich Laubbäume pflanze, dann kann ich sie durch verstärkte Jagd schützen. Das ist eines. ABER: Ich muss sie eben auch schützen vor schnellwachsenden Brombeeren oder Adlerfarn, sonst sind diese Pflänzlein in zwei Jahren tot."

Sprecherin: So der Biologe Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband und er erklärt, warum sich die verstärkte Bejagung auf die Aufforstungsflächen und die bereits bestehende Jagdsaison beschränken muss.

O-Ton 2 (Torsten Reinwald, 32 Sek.): "Noch längere Jagdzeiten und noch mehr Jagddruck auf der Fläche ist schlicht und ergreifend kontraproduktiv. Ein wichtiger Faktor für Wildverbiss ist nämlich Stress. Und Rehe, die ich falsch bejage, oder auch Hirsche, ziehen sich immer weiter zurück, werden immer heimlicher und immer schwerer zu bejagen. Und gerade im Spätwinter ist das hoch prekär, wenn ich dort jage. Dann sind Tiere nämlich auf Sparflamme als Pflanzenfresser. Wenn sie Stress bekommen, dann knabbern sie erst recht an Bäumen und verursachen Schäden."



Sprecherin: Gleiches passiert, wenn Tiere durch stark befahrene Straßen und andere Störungen wie beispielsweise Waldbesucher, die nicht auf den ausgewiesenen Wegen bleiben oder Tiere nachts aufschrecken, in einen kleinen Bereich zurückgedrängt werden. Genau deshalb ist es umso wichtiger, die Tiere in den Waldumbau mit einzubeziehen.

O-Ton 3 (Torsten Reinwald, 34 Sek.): "Ich denke, wir müssen den Wald mehr mit den Augen der Wildtiere sehen. Ein Reh nutzt im Jahresverlauf beispielsweise einen halben Quadratkilometer als Lebensraum. Hirschrudel nutzen viele Hundert Quadratkilometer. Und die brauchen Nahrung und brauchen Deckung. Das heißt, wenn der Waldbesitzer beispielsweise Birken oder Pappeln, das ist Weichholz, stehenlässt, dann ist das wirtschaftlich uninteressant, aber Nahrung für Tiere. Und dann gibt es auch weniger Verbiss an Bäumen, die wirtschaftlich genutzt werden. Und wir brauchen Ruhezonen, wo sich die Tiere eben auch zurückziehen können."

Sprecherin: Um widerstandfähigere Mischwälder aufzubauen, sind also nicht nur die Jäger in der Pflicht ...

O-Ton 4 (Torsten Reinwald, 24 Sek.): "Sondern: Die Förster sind genauso gefragt wie die Landwirte, aber auch Erholungssuchende. Also alle müssen Hand in Hand an der Lösung arbeiten. Dafür brauchen wir eben eine großflächige, wildökologische Raumplanung, weil den Wald-Wild-Konflikt, den gibt es nicht. Es sind die Menschen, die Konflikte verursachen, die bestimmte Interessen haben, und diese Konflikte, die müssen wir gemeinsam lösen."

Abmoderationsvorschlag: "Wald mit Wild" statt "Wald vor Wild", das ist die Forderung der Jäger beim Waldumbau. Wie das aussehen kann, können Sie auf der Seite des Deutschen Jagdverbandes unter jagdveraband.de/wald noch mal nachlesen. Zudem gibt es am 26. September ein Symposium zur "Zukunft von Wald und Wild", das per Livestream übertragen wird. Die Tagung wird später auch als Film auf YouTube zur Verfügung stehen.

Pressekontakt:

Torsten Reinwald
Tel.:030/2091394-23
Mail: pressestelle@jagdverband.de

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