Deutsche Umwelthilfe belegt in neuen Berechnungen die drei klimaschädlichen Aspekte der Dienstwagen

Deutsche Umwelthilfe belegt in neuen Berechnungen die drei klimaschädlichen Aspekte der Dienstwagen-Förderung

ID: 2007605
(ots) -


- DUH rechnet nach und zeigt das Ausmaß der klimaschädlichen Fehlförderung beim Dienstwagenprivileg: Mit der 1-Prozent-Privatnutzungs-Pauschale bei Dienstwagen kostet ein Audi A6 als Dienstwagen einen Angestellten 317 Euro pro Monat - ein Privatkäufer zahlt mit 1.381 Euro über 1.000 Euro mehr pro Monat
- Pauschale Versteuerungsmöglichkeit der Privatnutzung von Dienstwagen mit Verbrennungsmotor in Höhe von 1 beziehungsweise 0,5 Prozent des Listenpreises bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor beziehungsweise Plug-In Hybriden kostet den Steuerzahler mehr als 3 Milliarden Euro jährlich
- FDP-Finanzminister Lindner gewährt zusätzliche Klimakiller-Kaufprämien mit bis zu 154.000 Euro pro Luxus-Dienstwagen - je klimaschädlicher und spritdurstiger der Dienstwagen desto höher wird faktisch die Subvention
- DUH fordert Begrenzung der steuerlichen Abzugsfähigkeit auf Fahrzeuge mit maximal 95 g CO2/km und einen 30.000 Euro Höchstbetrag sowie die Abschaffung der prozentualen Selbstnutzungs-Pauschale im Dienstwagenprivileg

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert angesichts der klimaschädlichen und unsozialen Effekte des Dienstwagenprivilegs dessen sofortige Abschaffung. Die pauschale Besteuerung der privaten Nutzung von Dienstwagen mit nur 1 Prozent des Listenpreises bei Verbrennern und 0,5 Prozent bei Plug-In-Hybriden verführt Angestellte zur Entscheidung für spritdurstige und klimaschädliche Modelle und behindert die Verkehrswende. Die aktuelle Regelung enthält keinen Anreiz, auf einen Dienstwagen zu verzichten oder ein sparsames Modell zu wählen - im Gegenteil. Besonders dramatisch ist die 0,5-Prozent-Besteuerung für Plug-In-Hybride, die wie reine Elektro-Pkw begünstigt sind, obwohl ihre realen CO2-Emissionen sogar noch höher sind als vergleichbare reine Pkw.

Aktuelle Beispielrechnungen der DUH zeigen, dass ein Audi A6 Limousine 55 TFSI quattro S tronic sport mit einem Listenpreis von 67.500 Euro einen Angestellten mit einem Jahresbruttogehalt von 100.000 Euro als Dienstwagen pro Monat nur 317 Euro kostet, die als Steuern für die private Nutzung zu zahlen sind. Die Kosten für das gleiche Modell liegen für einen Privatkäufer hingegen bei 1.381 Euro monatlich (ADAC Kostenrechner, 20.000 km/Jahr Privat-km) - also mehr als das Vierfache. Damit beträgt der finanzielle Vorteil für den Dienstwagennutzer gegenüber dem Privatkäufer über 1.000 Euro pro Monat.



In diesem Fall erhält der Arbeitnehmer für 317 Euro im Monat ein Luxus-Neufahrzeug. Es fallen keine Kosten an für die Anschaffung. Übernommen sind Kfz-Steuer und Versicherung. Üblicherweise fallen auch keine Kosten für Diesel und Benzin für die private Nutzung an. Serviceaufenthalte, Fahrzeugwäsche oder kleinere, nicht von der Versicherung abgedeckte, Reparaturen fallen ebenfalls nicht an. Diese Kosten hat hingegen der private Fahrzeugkäufer alle zu tragen. Beim Dienstwagen übernimmt diesen Kostenvorteil ganz überwiegend der Bundesfinanzminister - zur Freude der Automobilkonzerne. Der Arbeitgeber kann diese Ausgaben wiederum als betriebliche Ausgaben steuerlich geltend machen.

Ähnlich sieht es bei einem Mercedes AMG E 53 4MATIC+ Coupé mit einem Listenpreis von 90.838 Euro aus: Hier liegt die monatliche Steuerbelastung für einen Dienstwagen mit Privatnutzung bei 426 Euro. Privat gekauft kostet das Modell hingegen 1.765 Euro pro Monat. Damit beträgt der finanzielle Vorteil für den Dienstwagennutzer gegenüber dem Privatkäufer über 1.300 Euro pro Monat.

Dazu DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch: "Die Bundesregierung verführt mit dem Dienstwagenprivileg Arbeitnehmer zur Anschaffung übermotorisierter Dienstwagen, die sie sonst nicht gekauft hätten. Erst die Übernahme auch aller laufenden Kosten für die Privatnutzung zu einem Viertel der tatsächlichen Kosten erlaubt vielen Dienstwagennutzern die Wahl von Klimakiller-Limousinen und SUV-Stadtpanzern. Angesichts der Klima- und Energiekrise ist die Abschaffung der klimaschädlichen Dienstwagen-Förderung überfällig. Wir brauchen ein Ende dieser absurden Subventionierung von Privatfahrten mit Dienstwagen. Es kann nicht sein, dass Steuerzahlerinnen und Steuerzahler mit mehr als 3 Milliarden Euro pro Jahr ein 'Schaufahren gegen den Klimaschutz' auch noch finanzieren."

Die DUH fordert eine Obergrenze für die Absetzbarkeit von Dienstwagen bei einem Kaufpreis von 30.000 Euro sowie eine Begrenzung auf Fahrzeuge, die im realen Fahrbetrieb den EU-Flottengrenzwert von 95 g CO2/km einhalten. So lässt sich nicht nur das 365-Euro-Klimaticket für Bahn, Bus und Tram deutschlandweit finanzieren, sondern auch die dringend notwendigen Investitionen in einen besseren Bus- und Schienenverkehr.

Hintergrund:

Die 1-Prozent-Methode bedeutet, dass sich der geldwerte Vorteil bei der privaten Nutzung von Dienstwagen pauschal und unabhängig von der Nutzung aus einem Prozent des Bruttolistenpreises des Pkw pro Monat ergibt. Bei Plug-In-Hybriden sind es sogar nur 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises.

Der geldwerte Vorteil wird dem zu versteuernden Einkommen zugeschlagen und muss entsprechend versteuert werden. Diese pauschale Besteuerung unterschätzt vorsätzlich den tatsächlichen geldwerten Vorteil - zudem systematisch und massiv. Das Dienstwagenprivileg ist nicht nur klimaschädlich, sondern auch sozialpolitisch regressiv. Mit einer Reform sollte das Steuerprivileg des Dienstwagens sozial gerecht umgestellt und die Besteuerung klimapolitisch umgestaltet werden. Dazu muss der geldwerte Vorteil an die Realität und die realen CO2-Emissionen des Fahrzeuges ausgerichtet werden.

Bereits im August zeigte die DUH auf, wie die aktuelle Dienstwagenbesteuerung systematisch klimaschädliche Anreize setzt. Einzelne Luxus-Modelle werden mit bis zu 154.000 Euro und mehr steuerlich subventioniert. Auch bei Mitteklasse-Dienstwagen bedeutet die faktische Kopplung der Förderung an steigende CO2-Emissionen, dass klimaschädlichere Motorisierungen den höheren Zuschuss erhalten.

Rechenbeispiel für Mercedes-Benz E 53 AMG Coupé 4Matic+:

Bruttolistenpreis: 90.838,65 Euro, daraus ergibt sich ein zu versteuernder geldwerter Vorteil von 10.896 Euro (12 Monate x 908 Euro (1 Prozent des Listenpreises))

Bei dem Spitzensteuersatz von 42 Prozent beträgt die zu zahlende Lohn-/Einkommenssteuer, inkl. Solidaritätszuschlag mit Dienstwagen: 33.479 Euro gegenüber 28.371 Euro ohne Dienstwagen.

Die verbleibende monatliche Mehrbelastung beträgt: 426 Euro ((33.479 - 28.371) / 12)

Die Kosten des Privatkaufs wurden auf Grundlage des ADAC-Autokostenrechners ermittelt. Bei der Berechnung wurde dem Privatkäufer zusätzlich ein Rabatt in Höhe der vom ADAC angegebenen Ausstattungspauschale berechnet. Die Werte beziehen sich auf eine Haltedauer von 5 Jahren und einer jährlichen Fahrleistung von 20.000 Kilometern.

Link:

Eine Übersicht der Rechnungen finden Sie hier: https://l.duh.de/p220915

Pressekontakt:

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
0171 3649170, resch@duh.de

DUH-Newsroom:

030 2400867-20, presse@duh.de

www.duh.de, www.twitter.com/umwelthilfe,
www.facebook.com/umwelthilfe, www.instagram.com/umwelthilfe,
www.linkedin.com/company/umwelthilfe

Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  SmartTOP Zusatz-Verdecksteuerung von Mods4cars für Ferrari Portofino jetzt erhältlich Wiesn-Wagen: Aiways U5 SUV im VIP-Einsatz auf dem Oktoberfest (FOTO)
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 15.09.2022 - 11:18 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2007605
Anzahl Zeichen: 7632

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Auto & Verkehr



Diese Pressemitteilung wurde bisher 291 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Deutsche Umwelthilfe belegt in neuen Berechnungen die drei klimaschädlichen Aspekte der Dienstwagen-Förderung"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Deutsche Umwelthilfe e.V. (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Fehler im Gesetzgebungsverfahren beim Gebäudemodernisierungsgesetz: Deutsche Umwelthilfe fordert Veto des Bundespräsidenten ...
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ist nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nicht ordnungsgemäß verabschiedet worden: Nach juristischer Bewertung enthält die Gesetzesänderung Regelungen, die der Zustimmung des Bundesrates bedurft hätten. Nach der Rechtsprechung des Bundesve

Hochwasser-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe: Ein Viertel aller Landkreise hat hohen Hochwasser-Risikograd ...
- Karten und Berechnungen zeigen potenziell betroffene Fläche und gefährdete Adressen für alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte - Hohes Risiko für schwere Schäden bei Jahrhunderthochwasser: Hochwasser-Risikograd auf Landkreisebene zeigt deutlichen Handlungsdruck im gesamten Bundesgebi

Pressezitat: Fast drei Viertel der Biogasanlagen in Deutschland mit erheblichen Mängeln: Deutsche Umwelthilfe warnt vor klimaschädlichen Methan-Lecks und Behördenversagen ...
Ein Bericht der Kommission für Anlagensicherheit (KAS) zeigt, dass Sicherheits- und Umweltstandards für Biogasanlagen vielerorts nicht eingehalten werden: Rund 71 Prozent der überprüften Anlagen weisen erhebliche Mängel auf. Dazu zählen undichte Gassysteme, fehlende oder überfällige Dichthei


Weitere Mitteilungen von Deutsche Umwelthilfe e.V.


Durchgängige Vernetzung in automobilen Wertschöpfungsketten ...
Die Managementberatung UNITY ist seit diesem Monat offizielles Mitglied des Catena-X Automotive Networks. Hier haben sich Automobilhersteller, -zulieferer und Dienstleister der gesamten automobilen Lieferkette zusammengeschlossen, um ein „vertrauenswürdiges, kollaboratives, offenes und sicheres D

Auf der E-Überholspur: ZF und Freudenberg kooperieren bei Fuel-Cell-Lösung für Nutzfahrzeug ...
br /> Gemeinsam nach vorne: Zusammenarbeit vereint ZF-Kompetenz für den elektrischen Nutzfahrzeug-Antrieb mit Brennstoffzellen-Expertise von Freudenberg Projektziel: Einfach integrierbare Komplettlösung für Brennstoffzellen- und E-Antriebe im Lkw, Stadt- und Reisebus wie auch für Off-Highway-

Branchen-Experten sicher– VAAS-PRODUKTE BESCHLEUNIGEN ERFOLG DER E-MOBILITÄT ...
OEMs und Mobilitäts-Anbieter sehen klaren Trend zur flexiblen Fahrzeugnutzung. Das zeigt eine von Berylls durchgeführte Umfrage unter Entscheidern der Branche. Fahrzeugleasing und Auto-Abos (VaaS = Vehicle-as-a-Service) entwickeln sich zu Must-have-Angeboten, um den BEV-Absatz in Europa zu beschle

ZF erhält Preis für seine Qualifizierungsinitiative E-Cademy ...
  Renommierter Deutscher Personalwirtschaftspreis 2022 geht in der Kategorie Talent & Learning an den Technologiekonzern E-Cademy bietet den Beschäftigten umfassende Lern- und Qualifizierungsangebote zur Elektromobilität Große Freude bei ZF: Für die E-Cademy, die bisher größte Qualifizier


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z