Für die Unabhängigkeit von fossilen Energien: Deutsche Umwelthilfe fordert Reform des Strommarktes

Für die Unabhängigkeit von fossilen Energien: Deutsche Umwelthilfe fordert Reform des Strommarktes

ID: 2015904
(ots) -

Für die Unabhängigkeit von fossilen Energien: Deutsche Umwelthilfe fordert Reform des Strommarktes


- Derzeitiger Aufbau des Strommarktes führt zu fossilen Überkapazitäten, die Klimaschutz und Bezahlbarkeit gefährden
- Neues Policy Paper zeigt: Stromnetz und Strommarkt müssen stärker zusammengedacht werden, Erneuerbare können Netzstabilität und Versorgungssicherheit gewährleisten
- DUH fordert Strommarktdesign, das Erneuerbare Energien priorisiert und fossile Abhängigkeiten verhindert

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert eine grundlegende Reform und Weiterentwicklung des Strommarktes, um einen höheren Anteil erneuerbarer Energien zu ermöglichen und damit unabhängig von fossilen Energien zu werden. Noch immer wird für die Versorgungssicherheit stark auf fossile Energien gesetzt, insbesondere auf teure Gaskraftwerke. Dabei könnten die fossilen Backup-Kapazitäten deutlich verringert werden, wenn den Erneuerbaren größere Beiträge für Systemstabilität und Versorgungssicherheit zugesprochen würden. Dem steht allerdings der gegenwärtige Aufbau des Strommarktes entgegen. Denn das Strommarktdesign sorgt dafür, dass zu oft auf fossile Kapazitäten zurückgegriffen wird. Die DUH fordert deshalb eine Anpassung des Strommarktes und hat dafür beim Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) Politikempfehlungen in Auftrag gegeben und heute veröffentlicht.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Unser Strommarkt muss endlich auf die Zukunft ausgerichtet werden. Das bedeutet eine klare Priorisierung der erneuerbaren Energien bei allen Aufgaben, die im Strommarkt übernommen werden müssen. Regeln und Anreize, die für große statische fossile und nukleare Kraftwerke gedacht waren, müssen durch ein Marktdesign für Erneuerbare abgelöst werden. Erneuerbare müssen und können die Systemverantwortung übernehmen - wenn man sie lässt. Leider steuert die Bundesregierung gerade in die falsche Richtung und will neue Kapazitäten bei Gaskraftwerken fördern. Solche fossilen Überkapazitäten müssen unbedingt verhindert werden, da die Klimaziele sonst in Gefahr geraten."



Dass neue fossile Überkapazitäten drohen, machen der RWE-Deal in Nordrhein-Westfalen sowie das "Machtwort" des Kanzlers zu Atom deutlich. Hier wird eine Förderung neuer Gaskraftwerke angekündigt. Diese Entwicklung können wir nur unterbrechen, wenn es eine grundsätzliche Reform und Weiterentwicklung des Strommarktes und der Reservemechanismen gibt. Dann werden die fossilen Backup-Kapazitäten zunehmend überflüssig. Dies führt auch zu mehr Unabhängigkeit von fossilen Gasimporten.

Carolin Schenuit, geschäftsführende Vorständin des FÖS, ergänzt: "Das zukünftige Energiemarktdesign muss die physikalische Realitäten und die Marktregeln zusammenbringen. Dafür braucht es Regeln und Preise, die ehrlich die aktuellen Limitationen des Systems abbilden, wie zum Beispiel Netzengpässe und eine ungleiche regionale Verteilung der Erneuerbaren. Eine kapazitätsbezogene Systemdienlichkeitskomponente bei der Förderung der Erneuerbaren kann dafür sorgen, dass sie mehr zur Systemstabilität beitragen und so der Bedarf an fossilen Reservekapazitäten sinkt. Durch den Einbezug von Transportengpässen direkt in den Marktpreis wird der Bedarf für Redispatch und fossile Reservekraftwerke reduziert."

Das heute veröffentlichte Policy Paper hat das FÖS im Auftrag der DUH erarbeitet und es zeigt deutlich: Stromnetz und Strommarkt müssen stärker zusammengedacht werden. So können beispielsweise Lastverschiebung und Speicher den Bedarf an fossilen Reservekapazitäten rasch reduzieren. Um Erzeugungsspitzen erneuerbaren Stroms sinnvoll nutzen zu können, müssen auch Anwendungen und Speicher in anderen Sektoren einbezogen werden. Für die Stromreserve müssen zudem rein erneuerbare Kapazitätsmechanismen eingesetzt werden.

Link:

Weitere Informationen zum Policy Paper finden Sie hier: https://l.duh.de/221020

Pressekontakt:

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de

Marie Wettingfeld, wissenschaftliche Mitarbeiterin FÖS
0173 306 8573, marie.wettingfeld@foes.de

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