ESCCAP informiert: Pfriemenschwanz-Infektion – ein hartnäckiges Hygiene-Problem
Infektionen mit dem equinen Pfriemenschwanz (Oxyuris equi) kommen in Europa häufig vor. Davon betroffen sind Pferde jeder Altersklasse und es kann auch stets wieder zu erneuten Infektionen mit vollständiger Entwicklung der Parasiten kommen.
Ein Befall mit O. equi kann jedoch durchaus zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen befallener Pferde führen und ist dementsprechend spezifisch zu behandeln.
Verdächtig: Pferd mit „Rattenschwanz“
Im Vordergrund des mit Pfriemenschwanzinfektionen beobachteten Krankheitsbildes stehen ein persistierender analer Juckreiz sowie das häufige Scheuern der Schweifrübe, was zu Hautläsionen und Haarverlust am Schweif führen kann.
Der starke anale Juckreiz entsteht im Zusammenhang mit der Eiablage: Um ihre Eier in der Perianalregion des Pferdes abzulegen, wandern die weiblichen Pfriemenschwänze aus dem Anus heraus und legen pro Eiablage bis zu 60.000 Eier. Diese befinden sich in einer gelatinösen Masse, welche auf der Haut der Pferde trocknet und so den starken Juckreiz auslöst.
In Einzelfällen treten insbesondere bei einem sehr starken Befall mit Pfriemenschwänzen weitere Symptome auf, dann in Form von Müdigkeit, Leistungsminderung und Konditionsverlust. Bei einzelnen Pferden verursachen die Larven zudem hochgradige Entzündungen der Dickdarmschleimhaut. Dies äußert sich in unspezifischen intestinalen Symptomen.
Diagnose der Pfriemenschwanz-Infektion
Die Diagnose eines Befalls erfolgt, indem ein auf die Haut im Perianalbereich gepresster transparenter Klebestreifen mikroskopisch auf Oxyureneier untersucht wird. Diese sind oval, an einer Seite abgeflacht und mit einem Deckel an einem Ende versehen. Sie enthalten die embryonierte, U-förmige Larve.
Behandlung und Hygienemanagement
Die am Perineum infizierter Pferde oder in der Umgebung befindlichen, dort über Monate überlebensfähigen, Oxyureneier stellen eine dauerhafte Quelle für Neu- beziehungsweise Reinfektionen dar. So können innerhalb eines Bestandes über mehrere Jahre hinweg Infektionen mit Pfriemenschwänzen auftreten. Geeignete Hygienemaßnahmen sind daher zur Reduktion des Übertragungsrisikos von großer Bedeutung. Hierzu zählt beispielsweise die Beseitigung von mit Oxyureneiern kontaminierter Einstreu.
Um zu verhindern, dass sich die Eier weiter im Stall verteilen, sollte die Perianalregion bei infizierten Pferden täglich mit warmem Wasser, das ein mildes Desinfektionsmittel enthält, abgewaschen werden. Dies lindert zudem den Juckreiz.
Ist ein Pferd mit O. equi infiziert, ist eine gezielte anthelminthische Behandlung gegen Oxyuren notwendig. Makrozyklische Laktone wie Ivermectin und Moxidectin wirken gegen Pfriemenschwänze und ihre Larvenstadien. Jedoch wurde hier bereits in einer Publikation aus Deutschland über eine nachlassende Wirksamkeit berichtet, die sich als eine mögliche Anthelminthika-Resistenz deuten lässt. Benzimidazole wie Pyrantel und Fenbendazol sind ebenfalls wirksam gegen einen Oxyuren-Befall. Pyrantel variiert allerdings in seiner Wirksamkeit gegen Pfriemenschwänze.
Mehr zur Pfriemenschwanz-Infektion bei Pferden und anderen Equiden erfahren Sie in der ESCCAP-Empfehlung Nr. 8. Diese sowie viele weitere Informationen und hilfreiche Tipps rund um das Thema Parasiten sowie die Anmeldung zum ESCCAP-Newsletter finden TierhalterInnen, TierärztInnen und Tiermedizinische Fachangestellte online auf www.esccap.de. Besuchen Sie uns auch auf Facebook und Twitter!
Quellen:
ESCCAP Empfehlungen zur Behandlung und Kontrolle gastrointestinaler Parasiten bei Pferden und anderen Equiden. Deutsche Adaption der ESCCAP-Empfehlung Nr. 8, August 2019. https://www.esccap.de/v2/wp-content/uploads/2020/06/2019_Pferd-Guideline-Web.pdf
Joachim A et al. Ist Oxyuris equi ein Gewinner bei der selektiven Entwurmung? Der Praktische Tierarzt 101 (2020), Seiten 767-775. https://www.vetline.de/system/files/frei/DPT-2020-08-Joachim.pdf.
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Datum: 22.11.2022 - 13:44 Uhr
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