Kalkuliert, aber wenig reflektiert / Kommentar der "Fuldaer Zeitung" (12. Juli 2024) zur Annalena Baerbock und der Kanzlerkandidatur bei den Grünen
ID: 2112160

(ots) - Wahlkämpfe haben ihre eigene Dynamik - und bis Herbst 2025 läuft noch viel Wasser den Rhein hinunter. Doch es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn Sven-Christian Kindler, der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, also ein Mann der Zahlen, ein Ergebnis von 25 Prozent für seine Partei bei der nächsten Bundestagswahl für machbar hält. Das wäre das beste Bundestagswahlergebnis aller Zeiten für die Ökopartei - und das mitten in einem gesellschaftlichen Klima, das sich so deutlich gegen eine Bundesregierung richtet wie nie zuvor.
Realitätsverlust könnte man eine solche Einschätzung nennen, mit dem Kindler auf das ebenfalls wenig gegenwartsbezogene Verhalten der Außenministerin reagiert. Was reitet Annalena Baerbock, am Rande des Nato-Gipfels, also vor den versammelten Führern der westlichen Welt, in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN (und nicht etwa im heimischen ZDF) ihren Verzicht auf die Kanzlerkandidatur zu erklären? Als wäre das derzeit ein Thema, das die Menschen bewegt; als wäre es nach 2021, als sie Habeck den Vortritt abrang und die Grünen mit ihr dann 14,7 Prozent holten, eine anstehende Entscheidung; und überhaupt, jetzt, in dieser Zeit?
Ein Coup, wie mancher Analyst mutmaßt, ist darin nur schwer zu erkennen. Auch nicht, dass sie so Führungsstärke zeigt und das Heft des Handelns in der Hand behält. Es spricht eher dafür, dass es eine zwar kalkulierte, aber wenig reflektierte Äußerung war. Denn auch ihre Begründung scheint wenig durchdacht: "Statt in einer Kanzlerkandidatur gebunden zu sein", sagte sie, wolle sie angesichts der internationalen Krisen ihre Kraft "weiterhin voll und ganz" ihrer aktuellen Aufgabe widmen. Kann dann Scholz noch Kanzlerkandidat für die SPD sein - oder Biden US-Präsidentschaftskandidat?
Ihr Engagement für die Krisenherde der Welt in Ehren - in der Summe hinterlassen viele Auftritte der Ministerin Stirnrunzeln: angefangen von ihrem NDR-Interview im November 2020, bei dem sie betonte, Habecks Themen seien mehr "Hühner, Schweine, Kühe melken", sie dagegen komme "ausm Völkerrecht"; von den Ankündigungen einer feministischen Außenpolitik über ihre Englisch-Patzer ("bacon of hope") bis hin zum Nachtflug von Frankfurt nach Luxemburg und ihrer Stylistin, für die der Steuerzahler jedes Jahr eine sechsstellige Summe ausgibt.
Eigentlich stünde ihr Demut am besten zu Gesicht. Eine 11-Prozent-Partei braucht keinen Kanzlerkandidaten - nur einen Spitzenkandidaten. Alles andere ergibt sich nach der Wahl. Punkt. / Bernd Loskant
Pressekontakt:
Fuldaer Zeitung
Bernd Loskant
Telefon: 0661 280-445
Bernd.Loskant@fuldaerzeitung.de
Original-Content von: Fuldaer Zeitung, übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 11.07.2024 - 19:55 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2112160
Anzahl Zeichen: 2842
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
Fulda
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 445 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Kalkuliert, aber wenig reflektiert / Kommentar der "Fuldaer Zeitung" (12. Juli 2024) zur Annalena Baerbock und der Kanzlerkandidatur bei den Grünen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Fuldaer Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Keine Frage: Zwei Männer können hervorragende Eltern sein - womöglich sogar bessere als manche Mutter und mancher Vater, deren Nachwuchs eher Unfall als Ergebnis eines bewussten Kinderwunsches ist. Im Hause Spahn könnten die Voraussetzungen kaum besser sein: finanzielle Sicherheit, stabile VerhÃ
Entlastung, die keine ist/Christoph Ahlhaus, Bundesgeschäftsführer des BVMW, erklärt, weshalb Tankrabatt und 1000-Euro-Prämie im Mittelstand für Unmut sorgen. / Gastbeitrag der Fuldaer Zeitung ...
Christoph Ahlhaus ist seit 2023 Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft: "Mit großem Anspruch hat die Bundesregierung Entlastungsmaßnahmen angekündigt - doch in der Praxis bleiben sie weit hinter dem zurück, was mittelständische Unternehmen jetzt dringe
Dreist und wenig wirksam / Kommentar der "Fuldaer Zeitung" (Samstag, 18. April, zu den angekündigten Reformen der Bundesregierung ...
Quantitativ hat die Bundesregierung in dieser Woche wahrscheinlich mehr geliefert als in den Monaten zuvor: Entlastungsbeschlüsse wegen der hohen Energiepreise, Lockerungen beim Verbrenner-Aus, Einigung auf eine Einkommensteuerreform, ja sogar ein Gesundheitsreförmchen ist nun geplant. Nach den qu
Weitere Mitteilungen von Fuldaer Zeitung
Berliner Morgenpost: Doch kein Friedenskanzler / Leitartikel von Christian Kerl ...
Die Überraschung ist dem Bundeskanzler gelungen. Der Nato-Gipfel hatte kaum begonnen, da zündete Olaf Scholz zusammen mit US-Präsident Joe Biden eine sicherheitspolitische Bombe. In Deutschland werden wieder amerikanische Waffensysteme stationiert, die Ziele tief in Russland erreichen können: Ma
Berliner Morgenpost: Signalwirkung ist fatal / Kommentar von Peter Schink zu Forderungen der Rentenversicherung ...
Wollte man Deutschlands Probleme in exemplarischen Beispielen erzählen, dann wäre das eines: Die Deutsche Rentenversicherung hält dem Land Berlin vor, die Assistenten der Corona-Impfteams seien 2020 alle scheinselbstständig gewesen. Sie müssen jetzt nachträglich versichert werden: Krankenkasse
Habeck von Baerbock "nicht überrascht" / Wirtschaftsminister sieht sich noch nicht als Kanzlerkandidat ...
Grünen-Vizekanzler Robert Habeck war in die Pläne seiner Parteikollegin, Bundesaußenministerin Annalena Baerbock eingeweiht, wonach diese nicht erneut als Kanzlerkandidatin der Grünen antreten will. Auf die Frage, ob ihn die Ankündigung Baerbocks überrascht habe, antwortete Habeck am Donnersta
Habeck zu Nato und Ukraine: Wir dürfen nicht nur in Kriegsszenarien denken / "Arbeit muss auf Frieden ausgerichtet sein" / Auch über Abrüstung sprechen ...
Vizekanzler Robert Habeck ruft zu neuen diplomatischen Bemühungen auf, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. "Wir dürfen nicht dabei stehen bleiben, in Kriegsszenarien zu denken. Die Arbeit muss auf den Frieden gerichtet sein", sagt der Grünen-Politiker gegenüber der in Bielefeld ers




