"nd.DerTag": Zweierlei Freude - Kommentar zur Freilassung der ersten israelischen Geiseln

"nd.DerTag": Zweierlei Freude - Kommentar zur Freilassung der ersten israelischen Geiseln und palästinensischen Gefangenen

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(ots) - Die ersten israelischen Geiseln und palästinensischen Gefangenen sind frei. Der Jubel ist auf beiden Seiten groß, doch speziell in Deutschland gewinnt man den Eindruck, dass der Freude der Palästinenser, die die Freilassung mit Feuerwerk feierten, der Beigeschmack des Verbotenen anhafte. Für den Westen gibt es in diesem Krieg eben keine geteilte Freude. Die komme legitimerweise nur den israelischen Opfern zu, weil diese am 7. Oktober die Angegriffenen waren, somit im Recht seien. Zudem missfällt das Machttheater der Hamas-Kämpfer in Kriegsbemalung und mit geschultertem Gewehr bei der Geiselübergabe, zeigt es doch erneut, dass Israel sein Kriegsziel verfehlt hat.

Israels Botschafter in Deutschland sprach im deutschen Fernsehen von einem "Pakt mit dem Teufel". Nur: Mit wem verhandelt man, um Geiseln freizubekommen? Selbstredend mit den Geiselnehmern - nur war dies für die israelische Regierung nie eine akzeptable Option. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wollte die Geiseln freischießen und gleichzeitig die Hamas vernichten, aber nicht wahrhaben, dass er dadurch das Leben der Geiseln aufs Spiel setzte.

Die Doktrin, wonach ein Staat sich nicht von Geiselnehmern erpressen lassen dürfe, nimmt keine Rücksicht auf das menschliche Leben. Der Einwand, dass die freigepressten palästinensischen Häftlinge morgen wieder töten könnten, ist zwar schwer zu entkräften, aber dennoch nur hypothetisch. Was jetzt zählt, ist die Befreiung der Geiseln, deren Leben unmittelbar bedroht ist. Israels Sicherheit hängt an einem künftigen Staat der Palästinenser. Doch schon die Waffenruhe ist brüchig. Israels Finanzminister Smotrich will Netanjahu wieder auf Kriegskurs bringen: "Wir müssen den gesamten Gazastreifen erobern und dort eine Militärherrschaft errichten", tönte er im Militärradio.

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