„Einfach mal machen!“ - 7. Wissensforum des Wasserstoff Hub RKN/Rheinland e.V. auf Gut Gnadental

„Einfach mal machen!“ - 7. Wissensforum des Wasserstoff Hub RKN/Rheinland e.V. auf Gut Gnadental

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Foto: Stefan BüntigFoto: Stefan Büntig

(firmenpresse) - „Der Wasserstoff-Hochlauf gelingt nur, wenn Technik, Infrastruktur und Regulierung Hand in Hand gehen. Mit dem Wissensforum schaffen wir eine Plattform, um genau diese Schnittstellen zu beleuchten und Lösungen gemeinsam voranzutreiben – regional verankert, aber mit nationaler Strahlkraft.“ Mit diesen Worten begrüßte Dr. Dieter Ostermann, Vorstand des Wasserstoff Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland e.V. über 60 Gäste zum Wissensaustausch auf Gut Gnadental in Neuss.
Themen der Veranstaltung waren u.a. die drei Wasserstoff-Versorgungsoptionen für den Rhein-Kreis Neuss Elektrolyse, Ammoniak-Cracking und das Wasserstoff-Kernnetz sowie die Regulatorik, insbesondere im Hinblick auf aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen und zukünftige Entwicklungen.

„Wie oft kommt im neuen Koalitionsvertrag das Wort Wasserstoff vor?“, fragte Sebastian Kobbelt, Projektleiter HyMobility beim Deutschen Wasserstoff Verband (DWW), das Plenum. Die Antwort: 16 Mal! Das zeige, dass das Thema inzwischen auch in der Politik angekommen sei. In seinem Vortrag „Politische Stellschrauben für einen Wasserstoffhochlauf in Deutschland“ sprach er u.a. über Klimaziele im Verkehrssektor und die Vorteile von Wasserstoff-Nutzfahrzeugen. So hätten wasserstoffbetriebene LKW im Vergleich zu E-LKW mit derzeit etwa 1.100 Kilometern eine größere Reichweite, und die Betankung dauere im Vergleich zum E-LKW, wo der Ladevorgang mehrere Stunden in Anspruch nehme, nur wenige Minuten. Zudem sei im Brennstoffzellen-LKW nur ein Zehntel einer Hochvolt-Batterie eines E-LKW, womit er unabhängiger und ressourcenschonender sei und eine größere Versorgungssicherheit biete.

„Ammoniak stinkt und ist explosiv.“ Mit den Worten startete Dr. Christian Renk, Head of Technology & Innovation OU Fertilizer, thyssenkrupp Uhde, seine Keynote. Tatsächlich brenne Ammoniak eigentlich gar nicht gerne, und für Ammoniak-Tanks gäbe es ausreichende Sicherheitsbestimmungen. Unter dem Titel „Ammonia Cracking - Der Schlüssel zu einer Wasserstoffgesellschaft“ erklärte Dr. Renk, dass Ammoniak ein idealer Wasserstoffspeicher sei. Ammoniak habe eine höhere Energiedichte als Wasserstoff, könne also mehr Energie auf kleinem Raum speichern und lasse sich einfacher und günstiger transportieren. Damit spiele das Ammoniak-Cracking eine bedeutende Rolle für den Wasserstofftransport.



Dr. David Franzen, Projektingenieur Grüne Gase, Neuman & Esser, stellte in seinem Vortrag „Wasserstoffhochlauf: Genehmigungsrechtliche Herausforderungen von PtG-Anlagen (Power to Gas-Anlagen)“ das Projekt „H2HS“, eine Wasserstoff-Anlage in Heinsberg, vor und gab eine Übersicht über den Genehmigungsprozess. Die Anlage mit angeschlossenen Tankstellen, deren Entwicklung vier Jahre gedauert habe, soll Ende des Jahres ins Betrieb gehen. Was das Ganze so schwer mache, sei vor allem, dass man sich in einem Markt bewege, der noch gar nicht existiere. Der Referent bemängelte, dass man für die Genehmigungsverfahren in der Planung bereits weit fortgeschritten sein müsse und man bis dahin bereits hohe sechs- bis siebenstellige Beträge investiert habe.

Im letzten Beitrag ging es um das Thema Kernnetz. Zwischen der Produktion und der Verwendung von Wasserstoff, so Ansgar Taubitz, Wasserstoffmarktentwicklung von Thyssengas, liege der Transport. Wie komme der Wasserstoff, besonders der grüne Wasserstoff, von dort, wo er günstig produziert wird, dorthin, wo er benötigt wird? Im Mai 2023 gab es durch die Energiewirtschaftsgesetznovelle an alle Fernnetzbetreiber in Deutschland den Auftrag, ein gemeinschaftliches Wasserstoffkernnetz zu erarbeiten. Nach einem anderthalbjährigen Prozess ist der finale gemeinsame Antrag bei der Bundesnetzagentur eingegangen und im Oktober 2024 bestätigt worden – ein Meilenstein in der Geschichte der Energiewende in Deutschland, so der Referent.

Nach den aufschlussreichen Vorträgen gab es eine lebhafte Diskussion. Kreisdirektor Dirk Brügge, der die Diskussion moderierte, fragte die Referenten, was sie sich von der Regierung wünschten. „Entbürokratisierung“ lautete die mehrheitliche Antwort, der sich auch der Kreisdirektor anschloss: „Ich bin dankbar für jede Regel, die ich nicht habe.“ Und er fügte hinzu, dass man einfach mal machen müsse.

Dr. Ostermann bilanzierte: „Das 7. Wissensforum zeigte eindrucksvoll, wie wichtig der Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ist. Gerade die regulatorischen Rahmenbedingungen entscheiden darüber, ob Wasserstoff-Projekte ins Rollen kommen oder ausgebremst werden.“

Wasserstoff Hub RKN/Rheinland e.V.
Der Wasserstoff Hub RKN/Rheinland e.V. ist kompetenter Ansprechpartner für Unternehmen, Wissenschaft und Forschung, Politik und Verwaltung sowie Bürger in Bezug auf Wasserstofftechnologien und Wasserstoffinfrastruktur und die Anwendung und Herstellung von Wasserstoff. Mit der Einbindung von Forschung und Wissenschaft gestaltet der Verein den Strukturwandel und den Erhalt von Beschäftigung sowie der Wertschöpfung der Region im Hinblick auf Umwelt- und Klimaschutz. Gegründet wurde der Wasserstoff Hub RKN/Rheinland e. V. 2020 von der Neusser Unternehmerin Jutta Zülow. Als Vorstandsvorsitzender fungiert Dr. Dieter Ostermann, promovierter Physiker und Geschäftsführer der Neusser neoxid hydrogen AG. Schirmherr ist Hans-Jürgen Petrauschke, Landrat des Rhein-Kreises Neuss. Inzwischen verfügt der Verein über mehr als 140 Mitglieder.

Foto: v.l.n.r.: Hans-Jürgen Petrauschke, Dr. David Franzen, Dr. Dieter Ostermann, Katharina Leuffen, Jutta Zülow, Sebastian Kobbelt, Ansgar Taubitz und Dirk Brügge - Fotograf: Stefan Büntig
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Datum: 20.05.2025 - 13:54 Uhr
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