Mittelstand droht Ausschluss von öffentlichen Aufträgen
ID: 2213656

(ots) - Der Deutsche Bundestag entscheidet in Kürze über das Vergabebeschleunigungsgesetz. Das Handwerk sowie Verbände der mittelständischen Bau- und Planungswirtschaft, die für 90 Prozent der Baubranche stehen, appellieren in einem gemeinsamen Positionspapier an die Abgeordneten, den Losgrundsatz nicht weiter aufzuweichen. Der ausgewogene Gesetzentwurf der Bundesregierung muss ohne die vom Bundesrat geforderten Verschärfungen verabschiedet werden.
Mittelstand droht Ausschluss von öffentlichen Aufträgen
Der Zentralverband Deutsches Handwerk, der Zentralverband Deutsches Baugewerbe, die Bundesarchitektenkammer, die Bundesingenieurkammer und die Bundesvereinigung Bauwirtschaft warnen eindringlich: Eine Ausweitung der Generalunternehmervergaben würde mittelständische Betriebe faktisch von öffentlichen Aufträgen ausschließen. 99 Prozent der Bauunternehmen haben unter 100 Beschäftigte, über 90 Prozent der Planungsbüros weniger als 50 Mitarbeiter, Architekturbüros meist unter 10.
Die Verbände betonen, dass der Losgrundsatz seit über 70 Jahren fairen Wettbewerb garantiert und das verfassungsrechtliche Gleichheitsprinzip sichert. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung ergänzt die bestehenden Ausnahmen bereits um eine zusätzliche Möglichkeit für Projekte aus dem Sondervermögen - ein weitreichender Kompromiss, der nun umgesetzt werden muss.
Generalunternehmer kosten mehr - und beschleunigen nichts
Die Bau- und Planungsverbände weisen zudem die Argumentation zurück, Generalunternehmervergaben würden Bauprojekte beschleunigen. Untersuchungen des Bundesrechnungshofs belegen vielmehr Mehrkosten von durchschnittlich rund 10 Prozent, teils über 20 Prozent des Auftragsvolumens. Der Koordinierungsaufwand werde lediglich vom öffentlichen Auftraggeber auf den Generalunternehmer verlagert.
Besonders problematisch: Kommunen sind auf Gewerbesteuereinnahmen ihrer heimischen Unternehmen angewiesen. Lokale Planer und Bauunternehmen schaffen Arbeitsplätze, zahlen Steuern in der Region und sichern Wertschöpfung vor Ort. Wenn Aufträge an große, auswärtige Konzerne gehen, verlieren Kommunen Einnahmen und wirtschaftliche Stabilität. Zudem würden Vergaben an Generalunternehmer zu einer Flut von Nachunternehmerketten führen, die nicht an deutschen oder europäischen Grenzen stoppen und entsprechende arbeitsmarkt- und sozialpolitische Verwerfungen mit sich bringen.
Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): "Die Beibehaltung der Fach- und Teillosvergabe ist die zentrale Nagelprobe für eine glaubwürdige Mittelstandspolitik dieser Bundesregierung. Dieses Prinzip darf nicht aufgegeben werden, weil dies das Risiko birgt, kleine und mittlere Betriebe systematisch von öffentlichen Aufträgen auszuschließen. Das ist nicht hinnehmbar."
Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer: "Wer wirklich schneller bauen will, braucht einfache Verfahren, Digitalisierung und besser ausgestattete Verwaltungen - aber sicher keine Abkehr vom Losgrundsatz. Nationale Alleingänge schwächen nicht nur unseren Mittelstand, sondern könnten schon in Kürze außerdem auch europäischen Vorgaben widersprechen. Das EU-Parlament fordert ausdrücklich eine verpflichtende Losbildung zum Schutz der KMU."
Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer: "Städte und Gemeinden sollten sich bewusst machen, welchen Wert die Förderung regionaler mittelständischer Planungsbüros hat. Fachkundige Beratung mit Ortskenntnis kommt nicht von General- oder Totalunternehmern, sondern von Planerinnen und Planern, die die lokalen Bedingungen kennen und kurzfristig tragfähige Lösungen anbieten können."
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe: "Beim Vergabebeschleunigungsgesetz geht es um echte Mittelstandspolitik. Wer den Losgrundsatz weiter aushöhlt, schiebt öffentliche Aufträge in Richtung großer Konzerne und lässt regionale Betriebe außen vor. Wir erwarten, dass das Bekenntnis zur mittelstandsfreundlichen Vergabe im Koalitionsvertrag umgesetzt wird und keine Sonntagsrede ist."
Pressekontakt:
Eva Hämmerle
Kommunikation & Presse
Bundesingenieurkammer
Joachimsthaler Str. 12 | 10719 Berlin
T. +49 (0)30 2589 882-23 (Zentrale: - 0)
haemmerle@bingk.de
Original-Content von: Bundesingenieurkammer, übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 21.11.2025 - 10:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2213656
Anzahl Zeichen: 4601
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Medien und Unterhaltung
Diese Pressemitteilung wurde bisher 139 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelstand droht Ausschluss von öffentlichen Aufträgen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Bundesingenieurkammer (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die Nominierungen für den Deutschen Ingenieurbaupreis 2026 stehen fest. Nach intensiven Beratungen gab die Fachjury aus den 41 eingereichten Bewerbungen die Projekte der engeren Wahl bekannt. Sieben wegweisende Bauwerke zwischen Berlin und Reutlingen konkurrieren um den renommierten Staatspreis.
Investitionen allein bauen nicht: Bundesingenieurkammer mahnt mittelstandsfreundliche Politik an / Politischer Abend der Bundesingenieurkammer: Bundesverkehrsminister Schnieder hält Grußwort ...
"Wir investieren so viel wie nie zuvor in unsere Verkehrsinfrastruktur. Entscheidend ist eine schnelle und effiziente Umsetzung - gemeinsam mit den Ingenieurinnen und Ingenieuren", erklärte Patrick Schnieder, MdB, Bundesminister für Verkehr, beim Politischen Abend der Bundesingenieurkamm
Bundesingenieurkammer kritisiert unzureichenden Transformationspfad des Gebäudemodernisierungsgesetzes ...
Die Bundesingenieurkammer kritisiert in ihrer Stellungnahme den Referentenentwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) trotz einzelner Fortschritte als insgesamt unzureichend. Bereits das Verfahren wird beanstandet: Die Frist zur Stellungnahme sei zu kurz gewesen, um die komplexen Inhalte fac
Weitere Mitteilungen von Bundesingenieurkammer
Veröffentlichungstermine des Statistischen Bundesamtes (DESTATIS) vom 24.11.2025 bis 28.11.2025 ...
Veröffentlichungstermine des Statistischen Bundesamtes (DESTATIS) - die Veröffentlichung erfolgt in der Regel 08:00 Uhr: Montag. 24.11.2025 - (Nr. 416) Einsatz von Cloud-Services in Unternehmen, Jahr 2025 - (Nr. 417) Anbau von Zierpflanzen, Jahr 2025 Dienstag, 25.11.2025 - (Nr. 418) Bruttoin
Prime Video verlängert seine Topspiel-Rechte für die UEFA Champions League-Übertragung in neuem Vierjahresvertrag ...
Prime Video hat sich Rechte gesichert, Top-Spiele der UEFA Champions League in Großbritannien, Irland, Deutschland und Italien für vier Spielzeiten bis 2030/31 zu übertragen. Diese langfristige Verlängerung unterstreicht das Engagement von Prime Video, Prime-Mitgliedern die prestigeträchtigsten
ZDF-Programmänderung ab Woche 48/25 ...
Woche 48/25 Di., 25.11. Bitte geänderten Programmablauf und Ausdruck ab 0.00 Uhr beachten: 0.00 heute journal update 0.15 Keine Talkshow - Eingesperrt mit Jan Fleischhauer (VPS 0.14/HD/UT) Integration und Kulturclash Deutschland 2025 Im Streaming: 21. N
Weltspiegel - Auslandskorrespondenten berichten | Am Sonntag, 23. November 2025, um 18:30 Uhr vom WDR im Ersten ...
Moderation: Isabel Schayani Geplante Themen: Libyen: Entkommen aus dem Sudan Drehreise ins Grenzgebiet zwischen Libyen und Sudan, wohin hunderttausende Sudanesen vor dem Krieg geflohen sind. Die berüchtigte Miliz Rapid Support Forces kontrolliert große Teile der Region, begleitet vom Vorwurf, Ã




