"nd.DerTag": Politik aus jeder Klaviernote - Kommentar zu den Boykott-Ankündigungen gegen den Eurovision Song Contest
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(ots) - Die Regierung in Israel ist eine Bande von Verbrechern. Sie hat in den vergangenen zwei Jahren Gaza in eine Mondlandschaft verwandelt, unzählige Menschen in dem schmalen Küstenstreifen getötet oder von dort vertrieben. Zudem hat sie den Kriegsschauplatz nach den fürchterlichen Hamas-Angriffen vom 7. Oktober 2023 auf die Nachbarländer ausgeweitet. Dafür müssen die Verantwortlichen vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gestellt werden.
Nun darf aber nicht jeder Staatsbürger Israels als Vertreter der Regierung von Benjamin Netanjahu gebrandmarkt werden. So wie auch nicht jeder US-Amerikaner ein Sympathisant von Donald Trump oder jeder Deutsche ein Fürsprecher von Friedrich Merz (CDU) ist. Diese Art Sippenhaft passiert viel zu oft. Zuletzt im internationalen Fußball - und jetzt im Kulturbetrieb: Neben Spanien, Irland, Slowenien und den Niederlanden hat nun auch Island angekündigt, im kommenden Jahr nicht am Eurovision Song Contest (ESC) in Österreich teilzunehmen. Zudem will Nemo, der Gewinner von 2024, seinen Siegerpokal zurückgeben. "Wenn die Werte, die wir auf der Bühne feiern, nicht abseits der Bühne gelebt werden, werden selbst die schönsten Lieder bedeutungslos", erklärte der Schweizer. Der Grund für diese Haltung: Die Mitgliedssender der Europäischen Rundfunkunion (EBU) hatten vor gut einer Woche entschieden, dass Israel am ESC teilnehmen darf.
Ob Sportler oder Sänger: Wenn der- oder diejenige sich nicht an dem Massaker in Gaza oder an Kriegshandlungen in der Region beteiligt, sie öffentlich gutheißt oder sich in menschenverachtender Weise dazu geäußert hat, dann steht einer Teilnahme an einem Großereignis auf internationalem Parkett nichts im Weg. Möglicherweise gehört er oder sie sogar zur israelischen Friedensbewegung oder hat sich an den Protesten gegen die Netanjahu-Clique beteiligt. Dann wäre ein Ausschluss dieser Person noch absurder, als er ohnehin schon ist.
Es war bereits ein Fehler des EBU, Russland nach dem Angriff der Regierung von Wladimir Putin auf die Ukraine vom ESC auszuschließen. Denn auch hier gilt: Nicht jeder Russe befürwortet, was der starke Mann im Kreml für Mist baut. Das haben die meisten Teilnehmerländer damals anders gesehen - die typische Doppelmoral, wenn es um das Putin-Reich im Osten und seine westlichen Gegner geht. Wenn man jetzt entscheidet, dass Israel 2026 in Wien mitmachen darf, dann wäre ein Rückzieher in Sachen Russland nur konsequent.
Musik bringt Menschen zusammen, baut Brücken und zeigt, dass sogar einstige Feinde etwas gemeinsam haben - trotz der üblichen Kriegshetze und des ständigen Rassismusgeschreis der politischen Klasse. So wie Sport auch. Der ESC war ursprünglich ein Ort, an dem Anderssein nicht gleich verteufelt, sondern Toleranz öffentlich gelebt wurde. Inzwischen kriecht auch dort die Politik aus jeder Klaviernote. Da schalte ich lieber nicht ein.
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Datum: 12.12.2025 - 18:59 Uhr
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