"nd.DerTag": Spätkapitalistische Kanzlerideen - Kommentar zum Vorstoß von Friedrich Merz gegen die telefonische Krankschreibung
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(ots) - Friedrich Merz kümmert sich einen feuchten Kehricht darum, dass seine Untertanen vielleicht zu krank sein könnten, um das Bruttosozialprodukt zu steigern. Wer nicht in die Hände spuckt, gehört an den Pranger, da gibt es nichts zu vermuten und schon gar nichts zu klären. Auf der Regierungsbank kommt man gerade noch auf die Idee, dass die telefonische Krankschreibung die Drückebergerei unbedingt fördert. Alles andere an Daten, Fakten und Zusammenhängen kann schlicht ignoriert werden. Merz als personalisierte und offenbar perfekte Vertretung des idealen Gesamtkapitalisten interessiert es nicht.
Nur etwa ein Prozent der jährlichen Krankschreibungen erfolgen telefonisch? Egal. Wenn die Arztpraxen nicht schlagartig leer werden und sich nicht endlich alle krank zur Arbeit schleppen, dann gibt es bald noch mal ein richtiges Donnerwetter. Diese Jammerlappen! Mit dem bisschen Stress kommen sie nicht klar, Überstunden sind ihnen zu viel? Wie soll man da Gewinne machen, wenn die Arbeitskräfte sogar aktiv keine Lust haben? Wie als Kanzler Freude am eigenen Tun empfinden? Nein, es war auch nicht daran gedacht, etwas an den Rahmenbedingungen zu schrauben. Überhaupt nicht.
Begeistertes Nicken kommt von Unternehmerverbänden. Man kann die Beschäftigten weiter belasten, der Arbeitsschutz muss auch nicht verbessert werden. Kinderbetreuung für Familien, wozu das denn? Das schafft die Oma auch, wenn sie schon nicht mehr malochen will.
Richtig gute Ideen gibt es auch international: Kein Geld an den ersten drei Krankheitstagen. So viel Bewegung bei den Sozialversicherungen hatten wir seit Bismarck nicht mehr in Deutschland. Wäre doch gelacht. Und deshalb kommt das mit der Krankschreibung in zwei Wochen auf Wiedervorlage.
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Datum: 20.01.2026 - 17:49 Uhr
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