Skandal am Hamburger Hafen: Deutsche Umwelthilfe reicht Untätigkeitsklage wegen Begasung von Exportholz mit extrem klimaschädlichem Pestizid ein
ID: 2233826

(ots) -
- DUH reicht mit fachlicher Unterstützung des Umweltinstituts München Klage wegen Untätigkeit der Hamburger Behörden ein
- EU-Verordnung verbietet unnötige Verwendung klimaschädlicher fluorierter Treibhausgase
- Hamburger Behörden erlauben einem der größten Betreiber von Containergasanlagen die Anwendung des extrem klimaschädlichen Pestizids ProFume
- Umweltorganisationen fordern den umgehenden Stopp der Begasungen am Hamburger Hafen und den Umstieg auf bereits vorhandene klimafreundliche Alternativen
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat mit fachlicher Unterstützung des Umweltinstituts München Klage beim Verwaltungsgericht Hamburg gegen die Hamburger Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) und die Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation (BWAI) eingereicht. Die Hamburger Behörden gehen trotz F-Gase-Verordnung nicht gegen die Begasung von Holz mit dem extrem klimaschädlichen Pestizid ProFume vor. ProFume enthält den Wirkstoff Sulfurylfluorid, ein fluoriertes Treibhausgas (F-Gas), das mehr als tausendfach klimaschädlicher als CO2 ist. Durch Leckagen und die anschließende Belüftung der Container wird Sulfurylfluorid vollständig freigesetzt. Allein 2023 entsprachen die Sulfurylfluorid-Emissionen aus Hamburg rund 1,5 Millionen Tonnen CO2, das sind etwa so viel wie die jährlichen Emissionen von Göttingen, Wolfsburg oder Ulm. Das Holz wird im Hamburger Hafen in Containergasanlagen für den Export nach China vorbereitet.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Hamburger Behörden sehen tatenlos dabei zu, wie einer der größten Betreiber von Containergasanlagen Exportholz ohne Rücksicht auf Verluste mit schwer klimaschädlichen Pestiziden begast. Aus gutem Grund verbietet die F-Gase-Verordnung diese Anwendung. Die Hamburger Behörden schreiben sich auf die Fahne, die Hansestadt klimaneutral machen zu wollen - gleichzeitig heizt ihre Untätigkeit am Hamburger Hafen massiv das Klima an. Wir fordern die Behörden nun vor Gericht auf, die Begasungen am Hamburger Hafen endlich zu stoppen, zumal klimafreundliche Alternativen zur Schädlingsbekämpfung vorhanden sind."
Die Umweltorganisationen hatten zuvor durch Umweltinformationsanfragen Hinweise darauf erhalten, dass Behördenpflichten nicht oder nicht ausreichend umgesetzt wurden. Aus den in 2024 und 2025 an Hamburger Behörden versendeten Anfragen ergab sich, dass die Behörden Anwendungen in undichten Containern tolerieren und Handlungsanweisungen für Begasungen bei Temperaturen unterhalb der in der Zulassung für ProFume als wirksam angegebenen Temperaturbereiche verwendet werden. Diese Praxis kann zu höheren Begasungsmengen und einem Risiko von Resistenzentwicklungen beitragen.
Fabian Holzheid, Geschäftsführer Umweltinstitut München: "Der Einsatz von Sulfurylfluorid zur Begasung von Holz ist eine extrem klimaschädliche Praxis, die nicht einmal den gewünschten Zweck erfüllt. Diesem Missstand schieben wir mit unseren Klagen einen Riegel vor. Alternativen, wie etwa die Dampfbehandlung sind nicht nur deutlich umweltfreundlicher, sondern auch wirksam und günstig. Dies geht aus dem KLIMAtiv-Projekt des Julius-Kühn-Instituts und des Thünen Instituts vom Dezember 2025 hervor."
Hintergrund:
Die DUH, das Umweltinstitut München und Protect the Planet klagen seit März 2025 auf ein Verbot des extrem klimaschädlichen Pestizids ProFume vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig. Die Umweltorganisationen wollen erreichen, dass das Mittel mit dem Wirkstoff Sulfurylfluorid nicht mehr in die Atmosphäre gelangt und das Klima anheizen darf.
Link:
Zur Übersicht der laufenden Pestizid-Verfahren der DUH: https://www.duh.de/inf...zidklagen/ (https://www.duh.de/informieren/verbraucherschutz/pestizidklagen/)
Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer DUH
0171 3649170, resch@duh.de
Fabian Holzheid, Geschäftsführer Umweltinstitut München
015202319803, fh@umweltinstitut.org
Dr. Caroline Douhaire, Kanzlei Geulen & Klinger
douhaire@geulen.com
DUH Newsroom:
030 2400867-20, presse@duh.de
www.duh.de
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Datum: 25.02.2026 - 13:44 Uhr
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