Nach dem Abitur ins Handwerk– Azubis setzen auf krisenfeste Berufe

Nach dem Abitur ins Handwerk– Azubis setzen auf krisenfeste Berufe

ID: 2238648

Woche der Ausbildung



(PresseBox) - Künstliche Intelligenz (KI) verändert Bürojobs – aber auf der Baustelle zählen weiterhin Praxis und Verantwortung. Zur Woche der Ausbildung (16. bis 20. März 2026) erzählen zwei Auszubildende aus der Region Stuttgart, warum sie sich nach dem Abitur gegen ein Studium und für eine Ausbildung im Handwerk entschieden haben.

Wer im Handwerk lernt, arbeitet an echten Lösungen: für Energieeffizienz, Klimaschutz, moderne Technik, Versorgung und Lebensqualität – und übernimmt Verantwortung dort, wo es zählt. Viele Tätigkeiten im Handwerk lassen sich zudem nicht einfach automatisieren, weil es auf Praxis, Erfahrung und das Zusammenspiel von Kopf und Hand ankommt.

Immer mehr Abiturientinnen und Abiturienten zieht es daher ins Handwerk: 2025 haben 730 eine Ausbildung in der Region Stuttgart begonnen, ein Plus von 17,4 Prozent. Carolina Maier, Auszubildende zur Elektronikerin für Gebäudesystemintegration aus Heimsheim, und Rune Becker, Ausbau-Manager im zweiten Lehrjahr aus Stuttgart, zeigen, welche Perspektiven ihnen eine handwerkliche Ausbildung bietet.

Carolina Maier: Smart Building statt Hörsaal – So digital ist Handwerk heute

Wenn Carolina Maier aus Heimsheim von ihrem Beruf erzählt, klingt das weniger nach „klassischer Baustelle“. Als Auszubildende zur Elektronikerin für Gebäudesystemintegration im zweiten Lehrjahr bei Elektro Breitling in Holzgerlingen verbindet sie Planung, Programmierung und Baustelle. Sie arbeitet an Technik, die nicht nur Energieeffizienz und Komfort in den Alltag bringt, sondern auch Gebäude zum Leben erweckt.

Nach dem Abitur hat sie sich bewusst gegen ein Studium und für eine Ausbildung entschieden. „Mir liegt das praktische Arbeiten mehr und ich wollte einen Beruf, der krisenfest ist und mir eine Grundsicherheit bietet“, erzählt Carolina Maier. Ein weiterer Pluspunkt: In der Ausbildung verdient sie vom ersten Tag an Geld und gerade in technischen Berufen sind perspektivisch die Verdienstmöglichkeiten sehr gut.



Auf den noch jungen Ausbildungsberuf wurde sie durch ihren Betrieb aufmerksam. In der Ausbildung verknüpft sie Energie- und Gebäudetechnik mit Systemintegration. Das bedeutet: mal im Büro planen und vorbereiten, dann auf der Baustelle testen und Fehler finden – bis das System im Gebäude wirklich so läuft, wie es soll. Anwendungen reichen von Beleuchtung, Jalousien und Fensterantrieben bis zur Photovoltaik, bei der Einspeisung und Verbrauch intelligent aufeinander abgestimmt werden. Leicht sei das nicht, sagt Maier: Immer wieder kommen neue Hersteller und Systeme dazu. Das bedeute kontinuierliches Einarbeiten, aber genau das motiviere sie auch: „Man lernt sehr viel, wenn einem etwas zugetraut wird.“

Und KI? Für Maier ist sie Werkzeug, nicht Ersatz. „Projektierung, die Ausarbeitung auf der Baustelle, das kann keine KI ersetzen. Eher entstehen dadurch noch mehr Möglichkeiten“, sagt sie. Als junge Frau in einem technischen Beruf fällt sie noch immer auf. In weniger gemischten Teams zu arbeiten, war für sie anfangs gewöhnungsbedürftig. Doch die Akzeptanz sei hoch: „Gerade andere Frauen sind begeistert, wenn ich von meiner Ausbildung erzähle.“ Nach der Ausbildung möchte sie zunächst Berufserfahrung sammeln; langfristig kann sie sich die Weiterbildung zur Meisterin vorstellen, um noch mehr Verantwortung zu übernehmen.

Rune Becker: Karriere im Handwerk – Praxis trifft Management

Rune Becker aus Stuttgart hat sein duales Studium abgebrochen und sich für eine Ausbildung zum Ausbau-Manager MeisterPlus für Raum und Fassade (eine Qualifikation über das Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade)entschieden. „Für mich persönlich ist die Ausbildung auf jeden Fall besser als ein Studium, denn hier kann ich das Gelernte direkt anwenden, üben und unter Beweis stellen“, sagt der 24?Jährige. Überzeugt hat ihn die Perspektive. „Im Handwerk steckt viel Zukunft“, sagt er, und damit auch die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz. Denn qualifizierte Fachkräfte sind gesucht und können auf der Baustelle nicht von Künstlicher Intelligenz ersetzt werden. Außerdem hat Becker die besondere Konstruktion des Ausbildungsmodells angesprochen: Der Ausbau-Manager ist speziell für (Fach-)Abiturientinnen und (Fach-)Abiturienten entwickelt und verbindet handwerkliche Praxis mit Managementthemen wie Unternehmensführung, Marketing und Vertrieb. In 3,5 Jahren ist neben dem Stuckateur-Gesellenabschluss auch der Meisterabschluss integriert und optional könnte er auch noch den Abschluss als Energieberater draufsetzen.

Aktuell ist Becker im zweiten Lehrjahr bei der Christian Gröber GmbH & Co. KG. Was ihn am Alltag reizt, ist die Vielfalt seiner Arbeit – von Innenputz und Trockenbau über Stuck und Oberflächenbearbeitung bis hin zur Farbgestaltung: „Jeden Arbeitstag schaffe ich etwas Neues und das Ergebnis kann ich am Ende des Tages sehen.“ Gleichzeitig fordert genau das. Es gibt immer wieder neue Aufgaben, neue Anforderungen und neue Vorschriften, in die er sich einarbeiten muss. „Die Lerninhalte sind sehr umfangreich und werden in kurzer Zeit behandelt, da gehört das Lernen nach Feierabend dazu“, sagt Becker. Doch der Einsatz lohnt sich, denn so trägt er direkt zum Klimaschutz durch die Umsetzung energetischer Sanierungen bei.

Seine Familie und Freunde haben von Anfang an hinter seiner Entscheidung gestanden. „Bis heute sind alle, inklusive mir, davon überzeugt, dass es das Richtige für mich ist“, erzählt Rune Becker. Nach seinem Abschluss möchte er als Meister weiter Baustellenpraxis sammeln, um der Verantwortung besser gerecht zu werden. Langfristig könnte er sich auch eine Selbstständigkeit oder Betriebsübernahme vorstellen – ob in Stuttgart, in Süddeutschland oder doch in seiner ursprünglichen Heimat in Norddeutschland lässt er noch offen. Fest steht für ihn: Mit dem Ausbau-Manager hat er einen Weg gefunden, der nicht zwischen Handwerk und Karriere entscheidet, sondern beides zusammenbringt.

Unterstützung der Handwerkskammer Region Stuttgart

Beim Thema Ausbildung unterstützt die Handwerkskammer Region Stuttgart sowohl Ausbildungsinteressierte als auch Betriebe. Das Matching-Projekt „Passgenaue Besetzung“, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, hilft Jugendlichen dabei, freie Ausbildungsplätze oder Praktika im Handwerk zu finden und den passenden Betrieb zu vermitteln. Das Angebot richtet sich an 16- bis 24?Jährige aus der Region Stuttgart, unabhängig vom Schulabschluss, und unterstützt auch bei Bewerbungsunterlagen und der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche.

Mit „primAQ“ bietet die Kammer ein Beratungs- und Zertifizierungsprogramm für Ausbildungsbetriebe. Es unterstützt Betriebe dabei, ihre Ausbildungsqualität weiterzuentwickeln und sich als attraktiver Ausbildungsbetrieb auszeichnen zu lassen. Das Programm umfasst Beratung und Entwicklungsimpulse – und bei entsprechender Qualität eine Zertifizierung, die für drei Jahre gilt und über regelmäßige Rezertifizierungen dauerhaft abgesichert wird.

Weitere Informationen unter:

www.hwk-stuttgart.de/passgenaue-besetzung-azubi

www.hwk-stuttgart.de/primaq

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Datum: 18.03.2026 - 10:43 Uhr
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