Festbetrags-Beschluss zu Depot-Antipsychotika legt strukturelle Schwächen des Arzneimittelmarktes offen
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(ots) - Der heutige Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Festbetragsgruppenbildung für bestimmte Depot-Antipsychotika lenkt aus Sicht des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) den Blick auf ein grundlegendes Problem der Arzneimittelversorgung in Deutschland: Der Markt steht unter immer stärkerer Regulierung, verliert an Wettbewerbsfähigkeit und riskiert Versorgungssicherheit - mit dramatischen Folgen für den Krankheitsverlauf wie etwa im Fall von Depot-Antipsychotika für Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie.
Kumulierter Preisdruck setzt Hersteller unter Druck
"Gerade bei versorgungsrelevanten Arzneimitteln wie Depot-Antipsychotika wirken bereits zahlreiche Preisinstrumente gleichzeitig: Rabattverträge, Generikawettbewerb, Parallelimporte und Herstellerrabatte. Diese Mechanismen summieren sich auf. Sie lassen den produzierenden Unternehmen kaum wirtschaftliche Spielräume. Dadurch ziehen sich Anbieter aus dem Markt zurück und Lieferengpässe nehmen tendenziell zu", erklärt Joachimsen.
"Der heutige GBA-Beschluss zur Bildung von Festbetragsgruppen für Depot-Antipsychotika steht exemplarisch für eine Regulierungssystematik in Deutschland, die in einem ohnehin stark belasteten Markt zusätzlichen Druck erzeugt und Versorgungsprobleme provoziert. Depot-Antipsychotika sind wichtig für eine verlässliche Langzeitbehandlung von Menschen mit Schizophrenie. Sie helfen, die Therapie stabil aufrechtzuerhalten. Wenn Patientinnen und Patienten ihre Antipsychotika als Tabletten nicht regelmäßig einnehmen können, steigt das Risiko für Rückfälle deutlich. Dadurch verschlechtert sich oft der langfristige Krankheitsverlauf. Wenn Wettbewerb fast ausschließlich über Preisregulierung organisiert wird, schwächt das langfristig die Marktstabilität. Versorgungssicherheit bei Arzneimitteln entsteht jedoch nicht durch maximalen Preisdruck auf die Produkte, sondern durch verlässliche Rahmenbedingungen, die Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktion ermöglichen", betont Joachimsen.
Ziel der Pharmastrategie darf nicht im Widerspruch zur praktischen Regulierung stehen
Der aktuell laufende Pharmadialog im Rahmen der nationalen Pharmastrategie der Bundesregierung gewinnt dem BPI zufolge demnach zusätzlich an Bedeutung: "Ziel der Strategie ist es ausdrücklich, unsere Industrie zu stärken - und damit auch die Versorgungssicherheit zu sichern. Diese Zielsetzung darf nicht im Widerspruch zur praktischen Regulierung stehen", betont Joachimsen. "Wer Versorgungssicherheit ernsthaft stärken will, muss regulatorische Instrumente folgerichtig ausgestalten und Überregulierung vermeiden - insbesondere in Märkten mit begrenzter Anbieterzahl und hoher Versorgungsrelevanz, wie etwa bei Depot-Antipsychotika."
Kurswechsel in der Preissteuerung notwendig
Der BPI spricht sich dafür aus, die bestehenden Preis-Steuerungsinstrumente kritisch zu überprüfen und neu auszurichten. Dazu gehören:
- differenziertere Preis- und Erstattungsmechanismen,
- stärkere Berücksichtigung der tatsächlichen Marktverfügbarkeit,
- Anreize für langfristige Lieferfähigkeit und Produktion.
"Versorgungssicherheit entsteht durch ein ausgewogenes Zusammenspiel von Wettbewerb, Planungssicherheit und industriepolitischer Verantwortung - nicht durch immer neue Regulierung", so Joachimsen abschließend.
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Datum: 16.04.2026 - 11:56 Uhr
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