ZDF-Politbarometer April 2026 / Projektion: AfD erstmals vor Union / Große Mehrheit: Bundesregierun

ZDF-Politbarometer April 2026 / Projektion: AfD erstmals vor Union / Große Mehrheit: Bundesregierung tut zu wenig gegen steigende Energiepreise

ID: 2245104

(ots) - Auch nach den am Montag angekündigten Reformvorhaben der Bundesregierung bleibt die Zustimmung zu Union und SPD schwach. Erstmals liegt die AfD in der Politbarometer-Projektion nun vor der CDU/CSU: Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU auf 25 Prozent (minus 1) und die AfD auf 26 Prozent (unverändert). Die SPD würde nur noch 12 Prozent (minus 1) erreichen und auf ihren Tiefstwert fallen. Die Grünen könnten mit 14 Prozent (minus 1) rechnen und die Linke würde zulegen auf 11 Prozent (plus 1). Die FDP, die in den letzten Monaten mangels ausreichender Nennungen nicht einzeln ausgewiesen wurde, käme auf 3 Prozent und die anderen Parteien zusammen auf 9 Prozent, darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erzielen würde. Mit diesem Ergebnis hätte Schwarz-Rot keine parlamentarische Mehrheit.

Zufriedenheit mit Bundesregierung und Bundeskanzler auf Rekordtief

Nach 34 Prozent Ende März zeigen sich jetzt nur noch 27 Prozent der Befragten insgesamt zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung, 63 Prozent (März: 61 Prozent) stellen ihr ein schlechtes Zeugnis aus (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils "weiß nicht"). Die Zusammenarbeit innerhalb der Koalition hat sich aus Sicht der Befragten ebenfalls verschlechtert. Die Einschätzung fällt damit auch deutlich hinter die Erwartung kurz vor der Regierungsbildung zurück: Ging Anfang Mai 2025 rund die Hälfte (51 Prozent) davon aus, dass Union und SPD gut zusammenarbeiten werden (schlecht: 45 Prozent), sah das nach der Sommerpause im August 2025 nur noch knapp ein Drittel so (32 Prozent; schlecht: 61 Prozent). Aktuell bezeichnen lediglich noch 18 Prozent die Kooperation innerhalb der Koalition als gut, 73 Prozent und Mehrheiten in allen Parteianhängergruppen nehmen sie dagegen als schlecht wahr.

Auch die Unzufriedenheit mit der Arbeit des Kanzlers hat weiter zugenommen: 65 Prozent (März: 57 Prozent) bescheinigen ihm schlechte und lediglich 30 Prozent (März: 38 Prozent) gute Arbeit, darunter mehrheitlich nur die Anhängerschaft der CDU/CSU. Ebenfalls viel Kritik gibt es an Finanzminister Lars Klingbeil, dessen Leistung 29 Prozent als gut und 58 Prozent als schlecht beurteilen sowie an Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die nur für 19 Prozent einen guten Job macht (schlecht: 64 Prozent).



Top Ten: Merz mit deutlichen Einbußen

Bei der Beurteilung von Politikerinnen und Politikern nach Sympathie und Leistung ("Was halten Sie von?") liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius weiter auf dem ersten Rang. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 1,7 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Ende März: 2,0) bewertet. Mit großem Abstand folgen Neuzugang Cem Özdemir mit 0,9 und Johann Wadephul mit 0,3 (0,5). Danach beginnt der Negativbereich: Lars Klingbeil kommt auf minus 0,4 (minus 0,3), Bärbel Bas auf minus 0,6 (minus 0,4), Heidi Reichinnek auf minus 0,8 (minus 0,7) und Markus Söder auf minus 0,9 (minus 0,8). Friedrich Merz rutscht von Platz fünf auf Platz acht mit seiner bisher schlechtesten Bewertung von minus 1,1 (minus 0,5). Danach folgt Katherina Reiche mit minus 1,6 (minus 1,2). Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,4 (minus 2,3).

Große Zweifel an Weitergabe des Tankrabatts durch Mineralölkonzerne

Bei der von der Regierung angekündigten Senkung der Energiesteuer auf Diesel und Benzin um 17 Cent pro Liter für zwei Monate gehen die Meinungen der Befragten auseinander: 47 Prozent finden diese Maßnahme gut, 48 Prozent finden sie nicht gut. Dies vor dem Hintergrund, dass es sehr große Zweifel an der Wirksamkeit gibt. So glauben 91 Prozent nicht, dass die Mineralölkonzerne diese Entlastung vollständig an die Verbraucher weitergeben werden, nur 7 Prozent rechnen damit. Für die Möglichkeit einer steuer- und abgabenfreien Prämie von bis zu 1.000 Euro in diesem Jahr, die Arbeitgeber ihren Beschäftigten zahlen können, gibt es mehrheitlich Zustimmung (53 Prozent), 43 Prozent lehnen das ab. Wie schon im März ist aber auch jetzt ein Großteil der Befragten (81 Prozent) der Meinung, dass die Regierung zu wenig gegen die steigenden Energiepreise tut, 11 Prozent halten die Maßnahmen der Regierung für gerade richtig und für 3 Prozent ist das zu viel.

Mehrheit: Energiewende geht zu langsam

Mit 57 Prozent finden die meisten Befragten, dass die Energiewende in Deutschland zu langsam vorankommt, besonders groß ist diese Kritik bei den Jüngeren (unter 35 Jahre: 67 Prozent). Für insgesamt 15 Prozent geht die Energiewende zu schnell und 21 Prozent halten das Tempo für gerade richtig.

Iran-Krieg: Kein Ende in den nächsten Wochen

Eine deutliche Mehrheit von 87 Prozent erwartet nicht, dass der Krieg, den die USA und Israel gegen Iran führen, in den nächsten Wochen enden wird (wird enden: 9 Prozent). Eine militärische Beteiligung Deutschlands an diesem Krieg, wie von US-Präsident Trump gefordert, lehnen die Befragten mit 93 Prozent fast geschlossen ab (dafür: 5 Prozent).

Nach der Wahl in Ungarn: EU ist ohne Orbán besser aufgestellt

In Ungarn wird es eine neue Regierung geben, die Partei des langjährigen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán hat die Parlamentswahl verloren. Rund drei Viertel (74 Prozent) versprechen sich jetzt eine bessere Zusammenarbeit innerhalb der EU (schlechter: 3 Prozent, unverändert: 16 Prozent) und 60 Prozent erwarten, dass die Position der EU auf internationaler Ebene ohne Orbán eine stärkere sein wird (schwächer: 4 Prozent, unverändert: 27 Prozent).

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 14. bis 16. April 2026 bei 1.355 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch und online erhoben. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/-zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU 25 Prozent, AfD 21 Prozent, SPD 12 Prozent, Grüne 21 Prozent, Linke 11 Prozent, FDP 3 Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, den 8. Mai 2026. Informationen zur Methodik der Umfrage sowie zu den genauen Frageformulierungen finden Sie unter www.forschungsgruppe.de/Umfragen/Politbarometer/.

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