"Demokratie-leben!"-Umbau gefährdet Expertise und Engagement
ID: 2246129
Die unterzeichnenden zivilgesellschaftlichen Organisationen fordern, grundsätzliche Veränderungen nur auf der Basis von Evaluationsergebnissen und der Wertschätzung bisheriger erfolgreicher Arbeit vorzunehmen. Dr. Lena Kahle, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V., führt aus: "Die fachliche Expertise der Träger muss in die Ausarbeitung der neuen Förderrichtlinien einbezogen werden, anstatt diese vorschnell zu verwerfen. Eine Bildung für Demokratie muss transparent und in Partnerschaft mit der Zivilgesellschaft entwickelt werden. Kursänderungen, die vorgenommen werden, ohne die Ergebnisse der noch laufenden wissenschaftlichen Evaluation abzuwarten, sind nicht nachvollziehbar."
Mit dem Umbau des Bundesprogramms möchte das Bundesfamilienministerium die Regelstrukturen stärken. In Zukunft solle "auf eine engere Zusammenarbeit mit Regelstrukturen wie zum Beispiel Kindertagesbetreuung, Schulen, Berufsschulen, Ausbildung, Arbeitswelt, öffentlicher Dienst, Sozialpartner, Wirtschaftsverbände, Hochschule, Jugendsozialarbeit und anderen Strukturen wie zum Beispiel Sport und Kultur gesetzt" werden, teilte das Ministerium den Zuwendungsempfängern mit. Diese Zusammenarbeit findet bereits heute statt. Sie ist für zivilgesellschaftliche Organisationen entscheidend, um Zielgruppen in der Breite zu erreichen. Angebote richten sich bereits mehrheitlich an Schulen, Kitas, Jugendhilfe und deren Beschäftigten. Die freien Träger bringen spezialisierte fachliche Expertise und spezifische gesellschaftliche Perspektiven ein, die Regelstrukturen in ihrer Vielfalt nicht vorhalten können. Dass diese Unterstützung auch in den Regelstrukturen wertgeschätzt werden, zeigt sich daran, dass die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren seit den beiden vergangenen Demokratie-leben-Förderperioden, die 2018 bis 2019 und von 2020 bis 2024 liefen, vielerorts gepflegt wird. "Die geförderten Organisationen sind Träger des für soziale Innovationen relevanten Fachwissens. Sie haben als Projektumsetzende über viele Jahre die notwendige Erfahrung gesammelt, die jetzt benötigt wird, um die Ziele von "Demokratie leben!" - auch in neuer Schwerpunktsetzung - zu erreichen", ergänzt Gunnar Storm, Geschäftsführer der Servicestelle Jugendbeteiligung e.V.
Vertrauen in demokratischen Institutionen setzt Verlässlichkeit voraus. Verlässlichkeit, die sich erleben lässt, etwa, wenn die Feuerwehr Leben rettet, aber auch wenn Bildungsbarrieren abgebaut und Betroffene vor den Erscheinungsformen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geschützt werden. Interventionen mit den Zielen, gesellschaftliche Strukturen und gelebte Kultur demokratisch
zu gestalten, wirken meist indirekt und über Zeit. Damit sie gelingen, müssen Ansätze erprobt, Wirkungen beobachtet, Methoden angepasst werden. "Programme der Demokratiebildung müssen längerfristig geplant sein, um nachhaltig und verlässlich wirken zu können", sagt Jasmine Gebhard. Die Geschäftsführerin bei Makista e. V. erläutert weiter: "Der kurzfristige Strategiewechsel schwächt nicht nur für Regelstrukturen zugängliche Expertise, sondern erschüttert Vertrauen in staatliche Institutionen, wenn Angebote in Kitas, Schulen und Kommunen unvermittelt wegfallen. Dies lenkt gegen die Bemühungen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, die Identifikation mit der Demokratie zu fördern und Rechtsextremismus, Antisemitismus und Islamismus vorzubeugen." Das Misstrauen, das hier gegenüber denjenigen zum Ausdruck gebracht wird, die sich für eine starke Demokratie engagieren, strahlt auf die Demokratie als Lebensform und die ihr zugrundeliegenden Werte aus.
Das Bündnis Bildung für eine demokratische Gesellschaft (https://bildung-demokratie.de/), ein bundesweites Netzwerk von Organisationen, Stiftungen und Trägern der Demokratiebildung, äußert sich besorgt über die geplanten Änderungen im Bundesprogramm "Demokratie leben". Seit 2018 schafft das Bündnis mit Austauschformaten wie der zweijährlichen Bündniskonferenz Räume für Fachkräfte und Multiplikator:innen aus Schulen, Kitas, außerschulischer Bildungsarbeit und Erwachsenenbildung. Gemeinsames Ziel ist es, Menschen jeden Alters für den Einsatz für die Demokratie zu motivieren.
Die vollständige Erklärung ist zu finden unter: https://ots.de/MKm1uj
Organisationen aus dem Bündnis, die den Offenen Brief gezeichnet haben:
Akademie Führung & Kompetenz am CAP (LMU München)
Aktion Courage e.V.
ANU-Hessen
Bundesverband der Freien Alternativschulen e.V. (bfas)
Bundeswettbewerb "Demokratisch Handeln"
Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik - Landesverband Hessen
Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V. (DeGeDe)
Deutsche Kinder- und Jugendstiftung
Deutsches Kinderhilfswerk e.V.
Die KopilotInnen e.V., Kassel - gemeinsam.politisch.bilden
Digitale Helden gGmbH
Frauenhauskoordinierung e. V.
Friedenskreis Halle e.V.
Ganztagsschulverband e.V.
GEW Hessen
Grundschulverband e.V.
Institut Kinderwelten für diskriminierungskritische Bildung e.V.
lea bildungsgesellschaft der GEW Hessen
Landesvereinigung kulturelle Bildung (LKB) Hessen e.V.
Makista e.V.
Peer-Leader-International e.V.
Reformhaus Halle e.V.
Stiftung Adam von Trott Imshausen e.V.
Stiftung Lernen durch Engagement - Service-Learning in Deutschland SLIDE gGmbH
SV-Bildungswerk
Verband Deutscher Sinti und Roma - Landesverband Hessen
Verband Muslimischer Lehrkräfte e.V.
Kontakt für Rückfragen:
Dr. Lena Kahle, lena.kahle@degede.de, Tel.: 030 -220 135 202
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Datum: 21.04.2026 - 15:19 Uhr
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