Reformagenda droht Fehlstart: GKV-Spargesetz fördert De-Industrialisierung

Reformagenda droht Fehlstart: GKV-Spargesetz fördert De-Industrialisierung

ID: 2248035

(ots) - Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz will die Bundesregierung ihre lang angekündigte Reformpolitik beginnen. Nach Auffassung des BPI-Vorsitzenden Oliver Kirst droht ein Fehlstart: "Der Gesetzentwurf ist ungerecht, unausgewogen und schadet dem Standort." Der Koalitionsvertrag sei ganz offensichtlich nicht mehr Grundlage der Regierungspolitik. Statt die pharmazeutische Industrie als "Leitindustrie" zu stärken, wie es dort heißt, geschehe das genaue Gegenteil. "Wird dieses Gesetz so verabschiedet, wird Deutschland einen weiteren Schritt in Richtung De-Industrialisierung machen. Gleichzeitig wird die Patientenversorgung geschwächt", so Oliver Kirst.

Für den BPI-Vorsitzenden sind es vor allem die Dynamisierung des Herstellerabschlags und die Ausweitung des Rabattvertragssystems, die einen noch funktionierenden Industriezweig nachhaltig beschädigen und die Versorgung verschlechtern werden.

Strafgebühr für neue Therapien

"Die Dynamisierung des Herstellerabschlags ist in Wahrheit ein Stoppschild für medizinischen Fortschritt", so der BPI-Vorsitzende. "Arzneimittelhersteller werden künftig eine Strafgebühr zahlen, wenn sie mit neuen Präparaten Therapien und damit Heilungschancen verbessern, Leben verlängern oder gar retten." Denn solche Innovationen erhöhten notwendigerweise die Ausgaben für Arzneimittel, auch wenn dafür an anderer Stelle - etwa bei Operationen und Krankenhausaufenthalten - gespart werden könne.

Darüber hinaus bedeute diese Regelung das Ende jeder Planungssicherheit für Unternehmen. Investitionen würden zurückgestellt, weil eine Kalkulation der zu zahlenden Zwangsabgabe unmöglich sei. Erhöhte Abgaben führen zu Wertschöpfungsverlusten. Eine BASYS-Studie geht davon aus, dass pro zusätzlichem Euro Abgabe als Folge 3,80 Euro weniger Wertschöpfung erfolgt. Laut Gesetzentwurf soll mit der erhöhten und dann dynamisierten Abgabe 2027 gut eine Milliarde Euro, 2028 knapp zwei Milliarden Euro und danach mit jedem Jahr mehr eingespart werden. Dazu Oliver Kirst: "Das ist Gift für den Standort. Milliarden-Summen werden anderswo oder gar nicht investiert. Das führt automatisch zu einer weiteren Schwächung unserer Wirtschaft!"



Weitere Gründe, die eine De-Industrialisierung befördern, sind nach den Worten des BPI-Vorsitzenden die vorgesehenen Rabattverträge für Patentarzneimittel und Impfstoffe sowie das verlängerte Preismoratorium.

Rabattverträge und "Preisdeckel"

"Wir haben im Generika-Markt gesehen, was ein Rabattvertragssystem, das ausschließlich auf den Preis fixiert ist, anrichten kann: Lieferengpässe, zunehmende Abhängigkeit von Produzenten aus Asien, vor allem China", erläutert Oliver Kirst. Ein vergleichbares Rabattvertragssystem soll jetzt auch für Patentarzneimittel und (wieder) für Impfstoffe gelten. "Das Problem Lieferengpässe wird sich so noch verschärfen, die Versorgung betroffener Patienten noch weiter verschlechtern."

Schließlich das Preismoratorium: Bei Arzneimitteln gibt es (anders z. B. als bei Kraftstoffen) einen "Preisdeckel". Und das schon seit 2010 (Preisstand 2009). "In unseren Unternehmen steigen die Kosten, vor allem für Energie und Rohstoffe, seit Jahren genauso dramatisch wie in anderen Branchen. Trotzdem bleibt der 'Preisdeckel' bis mindestens 2030 und wird sogar noch ausgeweitet", sagt Oliver Kirst.

Billiger und nicht besser

Mit ihrem Beitragssatzstabilisierungsgesetz verpasst die Bundesregierung nach den Worten des BPI-Vorsitzenden eine Chance: "Das Gesundheitssystem wird billiger, aber nichts wird besser. Wenn das zum Prinzip für die notwendigen Sozialreformen wird, ist das Scheitern der Reformagenda vorprogrammiert."

Pressekontakt:

Hermann Hofmann, Tel. 0172 3526032, presse@bpi.de


Original-Content von: BPI Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, übermittelt durch news aktuell

Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Barbara Duhm ist neue Geschäftsführerin von InfectoPharm Österreich Wir stärken die Solidarität in der gesetzlichen Krankenversicherung
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 29.04.2026 - 13:32 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2248035
Anzahl Zeichen: 4129

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Gesundheitswesen - Medizin



Diese Pressemitteilung wurde bisher 200 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Reformagenda droht Fehlstart: GKV-Spargesetz fördert De-Industrialisierung"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

BPI Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

KARL muss "Chefinnen-Sache" werden - BPI fordert konsistente EU-Pharmapolitik ...
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aufgefordert, das Thema Kommunale Abwasserrichtlinie (KARL) zur "Chefinnen-Sache" zu machen. "Wenn 16 EU-Mitgliedstaaten ihre Bedenken wegen der zu erwartenden Kosten bei KARL ä

BPI fordert "echte Gesundheitsreform"- Spargesetz mit Risiken für Versorgung und Industrie ...
Deutschland braucht schnellstens eine Strukturreform im Gesundheitswesen. Das forderte der Vorsitzende des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI), Oliver Kirst, bei der Ordentlichen Hauptversammlung des Verbandes heute in Berlin. Nur das wäre eine echte Gesundheitsreform. Denn: &q

Presseeinladung zur Ordentlichen BPI-Hauptversammlung und zur Pressekonferenz am 11. Juni 2026 ...
Einen Tag vor der Ersten Lesung des als Gesundheitsreform bezeichneten Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (BStabG) findet am 11. Juni die diesjährige Ordentliche BPI-Hauptversammlung statt. Dazu laden wir Sie herzlich ein. Die Veranstaltung beginnt um 9:30 Uhr (Akkreditierung ab 9 Uhr), im Vi


Weitere Mitteilungen von BPI Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie


LTS erweitert CDMO-Portfolio um ophthalmische Drug-Delivery-Lösungen ...
Die LTS LOHMANN Therapie?Systeme AG („LTS“), ein führendes pharmazeutisches Technologieunternehmen mit Fokus auf innovative Darreichungsformen, gibt heute die Erweiterung ihres Serviceportfolios bekannt. Künftig bietet LTS CDMO?Dienstleistungen für ophthalmische Drug?Delivery?Lösungen an, mi

Zuckerabgabe als Präventionsmaßnahme für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ...
Die Einführung einer Zuckerabgabe auf gesüßte Erfrischungsgetränke ist ein wirksames Instrument zum Schutz der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Weniger Zucker und gesündere Rezepturen sind wichtige Maßnahmen gegen ernährungsbedingte Krankheiten und deren enorme Folgekosten. Svenja S

Voltaren und die UEFA Champions League kooperieren für die Bewegung der Fans ...
Voltaren, hergestellt von Haleon, kündigt eine zweijährige Partnerschaft mit UC3 an: In den Saisons 2025/26 und 2026/27 sind topische Voltaren-Produkte offiziell lizenzierte Produkte der UEFA Champions League. Die Kampagne startet 2025/26 in Deutschland sowie weiteren europäischen Märkten und wi

Sonnenschutz-Faktencheck im Hautkrebsmonat Mai ...
Tipps für angeblich gesunde Bräune, UV-Schutz durch bestimmte Lebensmittel oder Sonnenbrand-Tattoos als Social-Media-Trend: Im Netz kursieren zahlreiche Empfehlungen rund um Sonne und Bräune - viele davon sind unseriös gefährlich. Die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologis


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z