Widerstand gegen Zwangsdienste wird zur Überlebensfrage

Widerstand gegen Zwangsdienste wird zur Überlebensfrage

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(ots) - Lange galten die Zeiten als überwunden, in denen Menschen, die nicht in den Krieg ziehen wollten, verächtlich gemacht wurden. Im Kaiserreich ging es vielfach "nur" um die Ehre: Feigling, Drückeberger, Vaterlandsverräter wurden Deserteure und Kriegsdienstverweigerer genannt. In der Zeit des deutschen Faschismus wurden sie zu Tausenden hingerichtet, standrechtlich erschossen, eben: ermordet. Und die Überlebenden des Terrors der NS-Militärjustiz erst knapp 60 Jahre später rehabilitiert, nach langem hartnäckigen Kampf von Unentwegten wie Ludwig Baumann.

Spätestens seit Olaf Scholz im Februar 2022 die "Zeitenwende" verkündete, klingt das, was über jene gesagt wird, die nicht "für ihr Land" oder "die Freiheit" kämpfen und sterben wollen, wieder ähnlich wie in längst vergangenen Zeiten. Putins Vollinvasion der Ukraine, die zum Angriff auf "ganz Europa" und die "westlichen Werte" deklariert wurde, macht es möglich.

In Deutschland stehen nun wieder die am Pranger, wenn auch nur dem medialen. Sie erklären Männer, die sich als Punk verkleiden, zu Lumpenpazifisten. Und sie nennen andere tatsächlich wieder "vaterlandslose Gesellen". Viele Männer über 50 teilen mit, sie würden heute nicht mehr den Wehrdienst verweigern. Es gibt allerdings nur ein paar Hundert von ihnen, die tatsächlich ihre Verweigerung widerrufen haben.

Die Entscheidungsfreiheit, ob sie kämpfen wollen oder nicht, haben Männer in der Ukraine nicht. Insofern können alle hierzulande froh sein, wenn sie nur als "wohlstandsverwahrlost" und Putins U-Boote begeifert werden. In Lwiw, Kiew, Odessa können Männer bis zum Alter von 60 Jahren an die Front verschleppt werden. Jeden Tag werden Verweigerer und Deserteure von Rekrutierern gefangen und entführt. Sie können sich nicht aussuchen, ob sie weiter für die Freiheit eines korrupten Staatswesens kämpfen wollen oder nicht. Und sie erleben massive Gewalt und später Diskriminierungen in Gesellschaft und Beruf. Auf all das weist das Europäische Büro für Kriegsdienstverweigerung in seinem Jahresbericht für 2025 hin.



Dieses Büro ist eine Art Dachorganisation Hunderter Vereine und Initiativen in ganz Europa, die für den Erhalt des von der Uno anerkannten Menschenrechts auf Kriegsdienstverweigerung auch nach der Zeitenwende kämpfen. Die gegen seine Aushöhlung, neuen Wehrdienst, grenzenlose Aufrüstung und das Primat des Militärischen protestieren. Die versuchen, jene vor Abschiebung in den Krieg oder den Knast zu schützen, die bei diesem Irrsinn nicht mitmachen wollen und ihr Recht auf Leben verteidigen. Solche Netzwerke werden gerade täglich wichtiger. Überlebenswichtig. Denn auf die Staaten ist beim Grundrechtsschutz kein Verlass, wenn sie Kanonenfutter brauchen. Und auch sonst: Geflüchtete, Migranten, arme Menschen wissen das schon lange.

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