Neues Verbundprojekt: Künstliche Intelligenz macht Ausbildung im Handwerk individueller
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Ausbildungsgruppen werden vielfältiger und die Unterschiede der Vorkenntnisse und des Wissenstands größer. Das führt zu Überforderung bei manchen und zu Unterforderung bei anderen – der Unterstützungsbedarf steigt. Wer heute ausbildet, muss individueller auf die Auszubildenden eingehen und sie gezielter fördern. Genau hier setzt das neue Verbundprojekt „Ausbildung mit KI individuell und kompetenzorientiert begleiten (AKib)“ an.
Zusammen mit dem Fraunhofer IAO und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg entwickelt die Handwerkskammer Region Stuttgart eine digitale Lernplattform (LXP), die den Wissensstand der Auszubildenden analysiert und darauf basierend mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) Aufgaben und Lernmaterialien zur Verfügung stellt. Zunächst wird dies im Bereich der Kraftfahrzeugtechnik, der Holztechnik sowie der Zahntechnik umgesetzt, deren überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) an der Bildungsakademie der Handwerkskammer Region Stuttgart stattfindet.
So funktioniert individuelles Lernen
Die Idee ist, dass die Auszubildenden über die neue Lernplattform ihre Stärken und Lernlücken frühzeitig erkennen und gezielt aufarbeiten – auch schon vor dem Start eines ÜBA-Lehrgangs. So können die Kurse mit einem vergleichbareren Wissensstand beginnen, und Ausbilderinnen und Ausbilder können stärker auf Praxis und Vertiefung setzen. Parallel dazu werden die Lehrinhalte und Werkstatt-Übungen der ÜBA in einzelne Module aufgeteilt. So können die Ausbilderinnen und Ausbilder die Aufgaben den Azubis entsprechend ihrer Fähigkeiten zuteilen. Über die neue Lernplattform können außerdem multimediale Lernmaterialen genutzt werden. Die Azubis können auch nach dem Kurs weiterlernen und individuelle Aufgaben mit in den Betrieb nehmen, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten.
Rollen der Projektpartner
Die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg entwickelt das didaktische Konzept, während das Fraunhofer IAO die technische Umsetzung, den Aufbau der Plattform und die datenschutzkonforme, KI-gestützte LXP verantwortet. Die Bildungsakademie der Handwerkskammer Region Stuttgart entwickelt die Inhalte für die ÜBA-Kurse in den drei Pilotbereichen weiter und stärkt die Abstimmung mit Innungen, Betrieben und Berufsschulen, um Doppelungen und Lücken zwischen Theorie und Praxis zu vermeiden. In Zukunft soll die neue Lernplattform auf weitere Berufe übertragen werden, sodass dann rund 4.000 Azubis profitieren.
„Ein gutes Zusammenspiel von Ausbildungsbetrieb, Berufsschule und ÜBA ist entscheidend für eine moderne und qualitativ hochwertige berufliche Ausbildung. Das Projekt AKib hilft uns, ÜBA-Module so zu planen, dass jeder und jedem die persönlich passende Herausforderung gestellt wird. Wir wollen, dass niemand im Kurs abgehängt wird – und niemand Langeweile hat“, erklärt Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart.
„Wir bieten Auszubildenden in Zukunft die Möglichkeit, ihre eigenen Vorkenntnisse, Stärken und Förderbedarfe bereits vor den ÜBA-Kursen orts- und zeitunabhängig zu prüfen und auf Basis der Ergebnisse passende Lern- und Trainingsangebote zu erhalten. Dies wird sich gleich dreifach positiv auswirken: Auf die Selbstwirksamkeitserwartungen der Auszubildenden, auf die Handlungsspielräume der Ausbilder in den Kursen und in der Folge – so erwarten wir – letztlich auch auf die Lernwirksamkeit des gesamten Angebots“, so Dr. Stefan Hartmann von der PH Ludwigsburg.
„Mit der neuen Lernplattform wollen wir die überbetriebliche Ausbildung deutlich individueller und transparenter gestalten. Ausbilderinnen und Ausbilder werden bereits vor Beginn der ÜBA über den Förderbedarf ihrer Auszubildenden informiert und erhalten Vorschläge für passende Lernpfade, die sich nicht nur in der Reihenfolge der Lernabschnitte, sondern auch im Schwierigkeitsgrad der Aufgaben und in der Zusammensetzung der Arbeitsgruppen unterscheiden. Gleichzeitig ermöglicht die Plattform den Azubis, sich gezielt auf die ÜBA vorzubereiten, um dort den bestmöglichen Lernerfolg für sich zu erzielen“, sagt Dr. Claudia Dukino vom Fraunhofer IAO.
Förderhinweis:
Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) im Rahmen der „Initiative für eine exzellente überbetriebliche Ausbildung (INex-ÜBA)“ gefördert, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) durchgeführt wird. Bis September 2028 soll die digitale, KI-gestützte Lernplattform vorliegen.
Hintergrundinformation:
In der sogenannten überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) lernen Auszubildende im Handwerk praktische Fertigkeiten in spezialisierten Bildungszentren, die für den Beruf und die Abschlussprüfung notwendig sind, aber nicht von jedem kleinen Handwerksbetrieb vermittelt werden können. So wird ein einheitliches Ausbildungsniveau gesichert. Die Lehrgänge dauern meist drei bis vier Wochen pro Jahr.
Weitere Informationen zum Verbundprojekt: https://www.bia-stuttgart.de/akib/
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Datum: 27.05.2026 - 11:05 Uhr
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