Studie auf Basis von AOK-Daten zeigt wirtschaftliche Schäden durch länger anhaltende Hitzeperioden

Studie auf Basis von AOK-Daten zeigt wirtschaftliche Schäden durch länger anhaltende Hitzeperioden

ID: 2255135

(ots) - Länger anhaltende Hitzewellen wirken sich negativ auf die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten aus und führen zu wirtschaftlichen Schäden durch vermehrte Krankmeldungen. So steigt die Zahl der Krankheitsfälle an einem durchschnittlichen Hitzetag um etwa 3,5 Prozent und nach sieben Hitzetagen in Folge bereits um 10,8 Prozent. Das zeigt eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) auf Basis von Abrechnungsdaten von AOK-Versicherten, auf die der AOK-Bundesverband aus Anlass des bevorstehenden Hitzeaktionstages am 11. Juni hinweist. In der Studie, die sich noch im Peer-Review befindet, sind erstmals umfangreiche Daten zu Krankmeldungen, Arztbesuchen und Gesundheitskosten mit Wetterdaten verknüpft worden.

Für die Auswertung des PIK wurden mit Unterstützung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) die Daten von rund 9,7 Millionen bei der AOK versicherten Beschäftigten zwischen 25 und 59 Jahren aus den Jahren 2007 bis 2020 ausgewertet. Auf Basis dieses umfangreichen Datensatzes konnten die Autoren der Studie erstmals das gesamte Spektrum von gesundheitlichen Beeinträchtigungen inklusive weniger schwerwiegender Erkrankungen erfassen. Laut der Analyse führt ein durchschnittlicher Hitzetag mit Temperaturen über 30 Grad bereits kurzfristig zu einem Anstieg der Krankmeldungen um etwa 3,5 Prozent. Dieser kurzfristige Effekt verstärkt sich mit der Dauer der Hitzebelastung. So beträgt der Anstieg der Krankmeldungen am dritten aufeinanderfolgenden Hitzetag bereits 5,0 Prozent und verdreifacht sich nach sieben Hitzetagen in Folge auf etwa 10,8 Prozent.

Zusatzkosten von 32 Millionen Euro nach dreitägiger Hitzewelle

Eine dreitägige Hitzewelle verursacht nach den Hochrechnungen der Studienautoren über alle Berufsgruppen und Beschäftigten hinweg zusätzliche Kosten in Höhe von rund 32 Millionen Euro für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Hinzu kommen weitere negative, aber schwer bezifferbare Effekte wie eine geringere Produktivität bei jenen Arbeitnehmern, die trotz der Hitze am Arbeitsplatz erscheinen. Zudem verzeichneten die Experten in den ersten vier Jahren nach einer mindestens drei Tage dauernden Hitzewelle einen anhaltenden Anstieg der Ausgaben für Arbeitsausfälle. "Die Langzeit-Analyse auf Basis der AOK-Daten belegt somit, dass sich Hitzewellen auch längerfristig negativ auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken", betont die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann. "Die Studie zeigt, dass Hitzeschutz nicht nur eine Frage des Wohlbefindens ist, sondern sich auch auf Fehlzeiten und Produktivität auswirken kann."



Hitze verschlimmert Symptome und löst Diagnosen aus

Analysiert wurden auch die Krankheitsgruppen, die hinter den hitzebedingten Ausfällen der Beschäftigten stehen. Zunahmen waren nicht nur bei Erkrankungen des Kreislaufsystems zu verzeichnen, sondern auch bei Verletzungen, psychischen Erkrankungen, Hauterkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparats sowie bei Infektionskrankheiten. Hitzewellen können möglicherweise auch die Diagnose von bisher unbehandelten Krankheiten wie Depressionen auslösen, die schon vorher bestanden "Anhaltende Hitze ist ein zusätzlicher Stressor, der ein ohnehin belastetes System aus dem Gleichgewicht bringen kann. Sie könnte somit auch dazu beitragen, latente Krankheitslasten aufzudecken", sagt Hannah Heiliger, Mitautorin der Studie und Leiterin des "Policy Evaluation Lab" des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. "Unsere bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Hitze nicht nur akute Gesundheitsnotfälle wie beispielsweise Schlaganfälle auslösen kann, sondern auch bestehende Erkrankungen und deren Symptome verschlimmert und dadurch Personen an der Grenze ihrer Arbeitsfähigkeit in den Krankenstand treibt."

Benachteiligte Gruppen auch in der Arbeitswelt am stärksten betroffen

Die Analyse macht deutlich, dass länger anhaltende Hitzebelastungen nicht alle Beschäftigten gleich treffen: Unter den insgesamt 36 betrachteten Berufsgruppen war das höchste Risiko für hitzebedingte Arbeitsausfälle bei Berufen in den Bereichen Transport und Logistik, Fertigung, Landwirtschaft sowie im Bauwesen zu verzeichnen. Am wenigsten betroffen waren Berufe der Informationstechnologie, im Bildungsbereich sowie im Rechts- und Verwaltungswesen. "Wir stellen allerdings auch in den Gruppen mit dem geringsten vorhergesagten Risiko einen Anstieg der Krankmeldungen fest, wenn Hitze länger anhält. Es wäre also falsch, sich bei Schutzmaßnahmen allein auf die vermeintlichen Hochrisikoberufe zu konzentrieren", betont Studienautorin Heiliger.

Körperlich anstrengende Berufe mit viel Arbeit im Freien, wenig Möglichkeiten zur flexiblen Anpassung der Arbeitszeiten und mit vergleichsweise geringem Einkommen waren überdurchschnittlich stark belastet. "Das unterstreicht, dass Hitze ohnehin benachteiligte Bevölkerungsgruppen auch in der Arbeitswelt am stärksten beeinträchtigt", so Hannah Heiliger.

Ältere und Menschen mit chronischen Erkrankungen stärker belastet

Auch auf der individuellen Ebene der Beschäftigten zeigen sich deutliche Unterschiede: Nach dem dritten Hitzetag in Folge liegt der Anstieg der Krankmeldungen bei den 1 Prozent der Beschäftigten mit dem höchsten prognostizierten Risiko für hitzebedingte Fehlzeiten mehr als 8,5-mal höher als bei den unteren 50 Prozent der Risikoverteilung. Insbesondere ältere Arbeitnehmer und Beschäftigte mit chronischen Erkrankungen sind überdurchschnittlich häufig betroffen.

Appell der AOK zum Hitzeaktionstag: Strategien für Hitzeschutz

Als Fazit aus der Studie fordert der AOK-Bundesverband die Entwicklung von Strategien zum verbesserten Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Hitze, gerade für besonders vulnerable Beschäftigtengruppen. "Maßnahmen wie kühlere Arbeitsräume, Schutz vor direkter Hitze, angepasste Arbeitszeiten und mehr Flexibilität können helfen, gesundheitliche Schäden zu verringern", so AOK-Vorständin Carola Reimann. "Die Studie zeigt, dass Hitze ein arbeitsmarkt- und gesundheitspolitisches Risiko ist, das alle Branchen betrifft, aber sozial ungleich verteilt ist. Wer Klimaanpassung ernst nimmt, muss den Schutz von Beschäftigten stärker in den Mittelpunkt stellen." Aus Sicht der AOK stützen die aktuellen Erkenntnisse aus der Studie die politischen Kernforderungen der Partner des Hitzeaktionstages. Dazu gehört die Entwicklung, Umsetzung und Anpassung von Hitzeaktionsplänen. Sie sollten als verbindlicher Teil der Klimaanpassungskonzepte als kommunale Aufgabe gesetzlich verankert werden und von Bund und Ländern finanziell und personell unterstützt werden.

Hinweise für die Redaktionen:

Die Studie "The Immediate and Lasting Effects of Heat Waves On Workers" von Hannah Heiliger, Nicolas Koch und Nico Pestel, die mit Expertise und Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) unterstützt wurde, ist als Preprint unter folgendem Link abrufbar:

https://ots.de/dGlbzk

Informationen zum Hitzeaktionstag 2026 finden sich unter www.hitzeaktionstag.de

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