Bundesweite Elternbefragung: Mehrheit der Eltern wünscht sich inklusive Bildung

Bundesweite Elternbefragung: Mehrheit der Eltern wünscht sich inklusive Bildung

ID: 2259410

(ots) - Deutschland gehört zu den Ländern mit der höchsten Exklusionsquote in Europa: Die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. 60 Prozent dieser Kinder finden sich in Förderschulen wieder. Dabei lehnen 82 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder mit Behinderungen eine getrennte Beschulung ab. 69 Prozent der Eltern mit Kindern auf Förderschulen würden ihr Kind lieber auf eine allgemeine Schule schicken, wenn die Bedingungen dort besser wären. Das zeigt die neue Studie "Inklusive Bildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit" des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Erstmals wurden bundesweit rund 7.500 Eltern von Kindern mit Behinderungen zu ihren Erfahrungen befragt.

"Die Ergebnisse der Elternbefragung sind ein klarer Handlungsauftrag an die Politik: Eltern wollen inklusive Schulen. Es ist die Aufgabe des Staates, seine menschenrechtliche Verpflichtung aus der UN-Behindertenrechtskonvention zu erfüllen. Es braucht den politischen Willen in allen Bundesländern, ein gutes, inklusives Schulsystem zu schaffen und Förderschulen abzubauen", sagt Britta Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Auffällig sind die Unterschiede innerhalb Deutschlands: In Bremen besuchen nur neun Prozent der Kinder mit Behinderungen eine Förderschule, in Bayern sind es 66 Prozent. Förderschulen dienen derzeit als Auffangbecken für Kinder, die aufgrund der strukturellen Defizite an allgemeinen Schulen dort nicht ausreichend gefördert werden. So bleiben segregierende Strukturen bestehen und allgemeine Schulen kommen ihrer Verpflichtung zur Inklusion nicht nach. "Angesichts knapper öffentlicher Mittel sollten die Bundesländer nicht länger zwei parallele Schulsysteme finanzieren", so Schlegel weiter. Die durch einen Abbau von Förderschulen freiwerdenden Mittel sind dringend für die Verbesserung der inklusiven Bildung an Regelschulen nötig. Dies kommt allen Kindern zugute, beispielsweise durch kleinere Klassen, mehr Personal, multiprofessionelle Teams, individuellerem Unterricht und barrierefreien Räumen.



Viele Landesregierungen gehen nötige Veränderungen nicht an, weil sie glauben, Eltern bevorzugten Förderschulen. Die Studie zeigt nun aber: Die meisten Eltern wählen Förderschulen, weil die Inklusion an allgemeinen Schulen unzureichend umgesetzt wird. "Das Elternwahlrecht ist ein bloßes Scheinwahlrecht: Wenn Eltern sich zwischen einer gut ausgestatteten Förderschule und einer schlecht ausgestatteten Regelschule entscheiden müssen, gibt es keine wirkliche Wahl", sagt Susann Kroworsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts und Co-Autorin der Studie.

Ein weiterer Befund: Die Beratungsgespräche sind vielfach einseitig. 41 Prozent der Eltern erhalten eine Empfehlung für die Förderschule, nur 24 Prozent für eine allgemeine Schule. Wenig beachtet wird dabei, dass der Besuch einer Förderschule oft der Beginn einer lebenslangen Exklusion ist. Rund 73 Prozent der Schülerinnen und Schüler verlassen Förderschulen ohne Abschluss. Viele wechseln anschließend in gesonderte Ausbildungswege, die begrenzte Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bieten. Häufig bleibt ihnen nur eine Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen. An allgemeinen Schulen lernen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf nachweislich mehr. Werden inklusive Optionen in der Beratung aufgezeigt, entscheiden sich Eltern deutlich häufiger für eine allgemeine Schule. Auch die Untersuchung der Schulwechsel zeigt, dass Kinder mit Behinderungen viermal häufiger aus dem Regelschulsystem herausgedrängt als dort aufgenommen werden.

"Dass gemeinsames Lernen möglich ist und gute inklusive Bildung allen Kindern - ob mit Förderbedarf oder ohne - zugutekommt, beweisen viele Schulen hierzulande eindrucksvoll. Auch der Blick ins Ausland, etwa nach Italien oder Skandinavien, zeigt, wie es besser geht: Dort lernen Kinder und Jugendliche mit Behinderungen schon seit Jahren erfolgreich inklusiv im allgemeinen Schulsystem", so Kroworsch.

WEITERE INFORMATIONEN

Die Studie "Inklusive Bildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit", Factsheets und weitere Informationen finden Sie unter https://www.dimr.de/inklusive-bildung (https://deu01.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.dimr.de%2Finklusive-bildung&data=05%7C02%7Csonnenberg%40institut-fuer-menschenrechte.de%7Cd582e15fc9e54636a76508ded367e4fd%7C0083e4274f2648f6bc2ff50b254802e3%7C0%7C0%7C639180640329063522%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=5gxO9NSXUYZDlGHsIoa6rMgVomv%2F0bZ4Zb8%2FL3z9vd4%3D&reserved=0)

Ein Interview mit Britta Schlegel und Susann Kroworsch finden Sie unter: https://ots.de/WZ4W9Y

Pressekontakt:

Ute Sonnenberg, 2. Pressesprecherin
Telefon: +49 30 259 359 453
E-Mail: sonnenberg@institut-fuer-menschenrechte.de

www.institut-fuer-menschenrechte.de
Bluesky | LinkedIn | YouTube


Original-Content von: Deutsches Institut für Menschenrechte, übermittelt durch news aktuell

Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Johannes Teyssen spricht am TUM Campus Heilbronnüber Karriere, Führung und Krisenmanagement Führung im Krankenhaus verändert sich grundlegend
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 30.06.2026 - 12:29 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2259410
Anzahl Zeichen: 5436

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Bildung & Beruf



Diese Pressemitteilung wurde bisher 208 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Bundesweite Elternbefragung: Mehrheit der Eltern wünscht sich inklusive Bildung"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Deutsches Institut für Menschenrechte (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Sozialstaatsreformen: Menschenrechtliche Verpflichtungen sind keine Verhandlungsmasse ...
Zur Debatte über Sozialstaatsreformen und Kürzungen von Sozialleistungen anlässlich der Konferenz der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder im Kanzleramt am 25.06.2026 erklärt Michael Windfuhr, Stellvertretender Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte: "Die Komm

Deutschland muss Menschen auf der Flucht Zugang zu Schutz gewähren ...
Zum Internationalen Tag des Flüchtlings am 20. Juni 2026 erklärt das Deutsche Institut für Menschenrechte: "Vor 75 Jahren wurde die Genfer Flüchtlingskonvention verabschiedet, um Menschen zu schützen, die aufgrund von Verfolgung, Gewalt und Entrechtung aus ihrer Heimat fliehen müssen. D

Europäische Asylreform: Menschenrechtsinstitut rät Behörden zu menschenrechtskonformer Anwendung der Regelungen ...
Nach jahrelangen Verhandlungen auf europäischer und nationaler Ebene tritt am 12. Juni 2026 die bislang größte Reform des Asylrechts in Kraft. Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat vielfach auf die menschenrechtlichen Risiken der GEAS-Reform (Gemeinsames Europäisches Asylsystem) hingewie


Weitere Mitteilungen von Deutsches Institut für Menschenrechte


Johannes Teyssen spricht am TUM Campus Heilbronnüber Karriere, Führung und Krisenmanagement ...
Im Rahmen der CEO Leadership Series erläutert der frühere E.ON-Chef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende der Lufthansa Group, welche Rolle Ambition, Zufall, Entscheidungsstärke und Talentförderung für Führungskräfte spielen. „Ich hatte keinen Karriereplan“, gesteht Dr. Johannes Teyssen be

Christof Häßler wird neuer Vertriebschef von XPENG in Deutschland ...
  Fast 30 Jahre Erfahrung in der Automobil- und Zuliefererbranche Weiterer Ausbau von Absatz, Modellpalette und Händlernetz im Fokus Häßler berichtet an Country Manager Kai Qian Christof Häßler wird zum 1. Juli 2026 neuer Head of Sales von XPENG in Deutschland. Der erfahrene Automobilmanager l

Moderationstraining für Workshops und Meetings | dpa-Akademie ...
Mäßigen - steuern - lenken: So lässt wirkungsvolle Moderation die Ressourcen der Teilnehmenden bestmöglich zum Einsatz kommen. Workshops und Team-Meetings effizient und erfolgreich moderieren Moderation ist ein Instrument, das die Kommunikation in Teams unterstützt und ordnet. Sie sorgt dafü

Torsten Renz: Pfusch am KiföG darf nicht zulasten unserer Kitas gehen ...
Das Fünfte Gesetz zur Änderung des Kindertagesförderungsgesetzes Mecklenburg-Vorpommern wird am Mittwoch in zweiter Lesung im Landtag beraten. Die LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege kritisiert in einer umfangreichen Stellungnahme erhebliche fachliche und finanzielle Mängel am


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z