Nach dem grossen Blackout in Westeuropa
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Von Ansgar Lange
Bonn/Witten - Am 4. November 2006 kam es zu einem flächendeckenden Stromausfall im Westen Deutschlands sowie wegen des zusammenbrechenden Verbundnetzes auch in Teilen Westeuropas und Nordafrikas. Ursache soll eine vorübergehende Abschaltung einer Höchstspannungsleitung an der Ems und eine zu starke Einspeisung von mit Windkraft erzeugtem Strom ins Netz gewesen sein. "Zu welchem Ergebnis für den Grund des mehr als halbstündigen Blackouts die Experten auch kommen werden, es ist einmal mehr deutlich geworden, dass trotz wohlfeiler Beschwichtigungsrhetorik aus Wirtschaft und Politik immer wieder mit grossflächigen und länger anhaltenden Stromausfällen gerechnet werden muss", sagte Professor Volker Schmidtchen vom Institut für Wirtschafts- und Sicherheitsstudien Firmitas http://www.firmitas.de.
Gegen Naturkatastrophen, kriminelle Akte (Terrorismus) oder Unglücke aufgrund menschlichen oder technischen Versagens gebe es keine einhundertprozentige Prävention. "Unabhängig von der Ursachenanalyse des jüngsten grossen Stromausfalls müssen die mit Krisenbewältigung betrauten Krisenstäbe und Einsatzleitungen von Städten, Kreisen, Regierungsbezirken und Bundesländern derartige Ereignisse in den Katalog ihrer Massnahmen aufnehmen, die vorhandenen Gefahrenabwehrpläne entsprechend überarbeiten und als sehr wahrscheinliche Szenarien auch üben", so Schmidtchen.
Hierzu gehöre, bei Grossschadensereignissen die Arbeitsfähigkeit der jeweiligen Krisenstäbe durch hausinterne Notstromaggregate permanent zu gewährleisten und die Möglichkeiten zur Kommunikation mit Aussenstellen und anderen Behörden sicherzustellen, so zum Beispiel durch interne Serverlösungen anstelle eines zentralen, internetbasierten Kommunikationsstranges und durch Rückgriff auf Satellitentelefone, die unabhängig von den Netzen und ihrer Stromversorgung funktionieren und auf dem Markt bereits für acht Euro Mietpreis pro Tag erhältlich seien.
Die für die Krisenstäbe vorgesehenen und in vielen Fällen schon eingerichteten Stellen für Bevölkerungsinformation und Medienarbeit sollten die Zeit nutzen, den Bürgern ihrer Gebietskörperschaften die Notwendigkeit zur persönlichen Vorsorge für einen Krisen- beziehungsweise Katastrophenfall deutlich zu machen. Informationen über Notvorräte und der Lage adäquates Verhalten in solchen Lagen könnten dazu beitragen, eine an eine "Rund-um-Versorgung" gewöhnte Gesellschaft für längerfristige Engpässe besser zu wappnen.
Darüber hinaus sollte der Kontakt zu den Energieversorgungsunternehmen intensiviert werden, um diese wichtige Gruppe der "ereignisbezogenen Mitglieder" (EMS) in die Krisenstäben von Kreisen und kreisfreien Städten zu integrieren. "Gerade die Energieversorgungsunternehmen sind aufgerufen, ihre Notfallpläne zu überprüfen, die eigenen Krisenstäbe mit solchen Lagen zu konfrontieren, im Schadensfall Ursachenanalyse zu betreiben und mögliche Ausfallzeiten zu reduzieren", so der Firmitas-Direktor, dessen Institut Seminare und Workshops sowie Katastrophenschutzübungen durchführt. Um für den nächsten "Ernstfall" gewappnet zu sein, seien Wissens- und Kommunikationsplattformen unerlässlich, die auf langjährige Erfahrungen im Katastrophenschutz zurückgreifen könnten und Unternehmen wie Verwaltungen an einen Tisch bringen.
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Datum: 08.11.2006 - 10:45 Uhr
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