Deutscher Naturschutzring fordert ein neues bundesweites Nationalparkprogramm
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Deutscher Naturschutzring fordert ein neues bundesweites Nationalparkprogramm
Vor dem 30. Deutschen Naturschutztag Ende September in Stralsund und der 10. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die Biologische Vielfalt im Oktober in Japan hat der Deutsche Naturschutzring (DNR) von den Ministerpräsidenten der Bundesländer ein stärkeres Engagement für Nationalparke verlangt. DNR-Präsident Hubert Weinzierl, der bereits die beiden ersten Nationalparke in Deutschland im Bayerischen Wald und Berchtesgaden mit auf den Weg brachte: "Nationalparke sind nicht nur touristische Attraktionspunkte, sondern nationale Imageträger und wichtig für die regionale Identität der Bevölkerung. Nationalparke sind mehr als Naturschutzgebiete, sie sind die Heiligtümer unserer Heimat, sie sind Seelenschutzgebiete, sind Erinnerungen an das Paradies, sind die Landschaften aus denen unsere Hoffnungen und Träume erwachsen."
Derzeit gibt es 14 Nationalparke mit einer Landfläche von rd. 960.000 ha, das sind 0,54% der Landfläche des Bundesgebietes (s. Übersicht). Notwendig sind nach Auffassung des DNR max. 20 Nationalparke mit etwa 2 % der Landfläche Deutschlands.
Nach Ansicht von DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen gibt es Bedarf an neuen Nationalparken vor allem bei Buchen- und Mischwäldern im Steigerwald in Bayern, im Pfälzer Wald (Rheinland-Pfalz) sowie im Nordschwarzwald (Baden-Württemberg). Bei Moorlandschaften kommen die Lieberoser Heide in Brandenburg und bei Fließgewässern und Auen das Peenetal in Mecklenburg-Vorpommern in Frage. Notwendig sei daher ein neues, zwischen Bund und Ländern abgestimmtes Nationalparkprogramm.
Pro Jahr setzen 51 Millionen Besucher 2,1 Milliarden Euro in den Nationalparkregionen um und schaffen dadurch über 69.000 Arbeitsplätze laut einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) aus dem Jahr 2009.
"Das Nationalparkprogramm von 1990 im Osten Deutschlands feiert derzeit sein 20-jähriges Bestehen. Es ist eine Basis der Nationalen Naturlandschaften. Die dort entstehende Wildnis ist unverzichtbar für den Erhalt der biologischen Vielfalt", so Guido Puhlmann, Vorsitzender von EUROPARC Deutschland, Mitgliedsverband im DNR. "Die Natur von Menschen unbeeinflusst zu lassen, wird in den Nationalparks und den Kernzonen der Biosphärenreservate erfahrbar gemacht. Als herausragende Natur- und Kulturgüter stellen sie ein national bedeutendes Erbe dar und sind eine dauerhafte Verpflichtung für uns alle. Für den Erhalt und Ausbau ist auch künftig die Unterstützung durch politische Entscheidungsträger aller Ebenen unerlässlich. Wildnis in ihren natürlichen Abläufen und Prozessen sollte als ein gesamtgesellschaftliches Anliegen begriffen und entsprechend unterstützt werden."
Die Internationale Naturschutzunion (IUCN) stellt an Nationalparke (IUCN-Kategorie II) folgende Anforderungen:
1. Sie dienen vorrangig dem großflächigen Schutz der natürlichen Dynamik von Ökosystemen sowie ihrer charakteristischen Biotope und Lebensgemeinschaften
2. Wirtschaftliche Nutzungen und sonstige Inanspruchnahmen sind auszuschließen, spätestens nach einer Übergangszeit
3. Nationalparke sind für Besucher unter bestimmten Bedingungen (sanfte Erholung) zugänglich
4. Die Erhaltung des natürlichen Zustandes und die nutzungsfreie natürliche Entwicklung ist auf mindestens 75% der Schutzfläche (Kernzonen) umzusetzen
Heute erfüllten nach Auffassung des DNR nur wenige Nationalparke in Deutschland die Kriterien der Kategorie II der IUCN. Missstände gebe es vor allem im administrativen Bereich sowie durch Belastungen durch Forst- und Fischereiwirtschaft, Jagd, Aus- und Neubau von Straßen und Wasserstraßen.
Weitere Informationen:
Dr. Helmut Röscheisen, DNR-Generalsekretär
Mobil: 0160 97 209 108
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Datum: 21.09.2010 - 11:46 Uhr
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