Colibri, Cobold und andere Credit Linked Notes
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Colibri, Cobold und andere Credit Linked Notes
Das ist die Realität: Kreditinstitute empfehlen ihren Kunden
Das Geschäft der Kreditinstitute ist der Handel mit Risiken. In ihren Büchern haben Banken und Sparkassen viele Kreditrisiken, die entstehen, wenn die Bank einem Schuldner einen Kredit einräumt. Zwar hat die Bank als Gläubiger die Bonität des Schuldners in der Regel überprüft und sich Sicherheiten für die Rückzahlung gegeben lassen. Oftmals ändert sich aber die Bonität des Schuldners oder die Werthaltigkeit der Sicherheiten. Dann entsteht für die Bank eine offene Risikoposition.
Was liegt da näher, als ihre offene Risikoposition auf die Kunden abzuwälzen. Hierzu muss das Risiko gut "verpackt" werden. Das Kreditinstitut strukturiert ein Zertifikat, also eine verbriefte Wette mit dem Anleger. Die Bank oder Sparkasse erhält das Kapital ihres Kunden, muss es aber dann nicht mehr zurückzahlen, wenn ein "Kreditereignis" eintritt. Solche Kreditereignisse sind die Insolvenz oder gar ein schlichter Zahlungsverzug durch einen oder mehrere Schuldner der Bank.
Rechtsanwalt Lederer (Rössner Rechtsanwälte, München) hierzu: "Der Privatanleger ist doch kein Versicherungsunternehmen. Die meisten Kunden wollen ihr Geld sicher anlegen. Credit Linked Notes sind ein Finanzderivat der höchsten Risikoklasse und überhaupt nur für institutionelle Anleger geeignet."
Wohlklingende Namen wie "Colibri" oder "Cobold" (für COrporate BOnd Linked Debt) täuschen über das große Verlustrisiko hinweg. Hinzu kommt, dass sich der Kunde von der Bonität der Schuldner gar kein zutreffendes Bild machen kann. Er müsste z.B. Jahresabschlüsse und Geschäftsberichte der Schuldnerunternehmen prüfen, um die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit beurteilen zu können.
"Wenn ein Kreditinstitut einem Privatanleger so ein Produkt empfiehlt, das nicht seinen Erfahrungen, Kenntnissen und dem Anlegertyp entspricht, macht es sich schadensersatzpflichtig", so Lederer weiter.
Hinzu kommt, dass Credit Linked Notes wie alle strukturierten Finanzprodukte den Kreditinstituten vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten zu ihren Gunsten gegeben. Die Bank entscheidet aufgrund überlegenen Wissens, für welche Schuldner eine Ausfallwahrscheinlichkeit besteht. Sie kann beliebige Margen in das Produkt einstrukturieren und bestimmt regelmäßig den Wiederverkaufspreis.
Anleger sollten sehr kritisch mit der Empfehlung von Derivaten auf Zahlungsausfälle umgehen und immer das Interesse der Bank hinterfragen. Dabei gibt es solche Produkte nicht nur in Form von Zertifikaten oder strukturierten Fonds, sondern auch als SWAP. Über den Swap kann der Anleger ohne eigenes Kapital spekulieren, er spekuliert also auf Kredit und geht damit noch weitere Risiken ein.
© Rössner Rechtsanwälte, München
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Datum: 27.09.2010 - 13:46 Uhr
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