Zur Mobile World #MWC11: Warum Deutschland einen Internet-Masterplan braucht

Zur Mobile World #MWC11: Warum Deutschland einen Internet-Masterplan braucht

ID: 348127
(firmenpresse) - Bonn/Düsseldorf/Berlin - Zur Mobile World 2011 in Barcelona habe ich in meiner The
European-Kolumne das Thema Breitbandtechnologie aufgegriffen. Hier ein Auszug
http://www.theeuropean.de/gunnar-sohn/5698-technologierevolution-ohne-
deutschland: Die klassischen Technologien für Festnetz und Mobilfunk (DSL und 3G)
reichen nach Analysen des Beratungshauses Booz & Company für eine Weiterentwicklung
der Netze nicht mehr aus. Erst ab einer Downloadrate von 30 Megabit (MB) pro Sekunde
könne man von Breitband sprechen. In deutschen Ministerien seien diese
Zusammenhänge schlichtweg nicht bekannt: „Man ist stolz darauf, dass wir zwei MB
haben. Was helfen uns zwei MB? Der Markt geht woandershin", kritisiert Friedrich. Es liege
vielleicht an die Vielzahl von alten Herren, die in der Regierung für diese Fragen
verantwortlich sind, so der Einwurf eines Journalisten während des Booz-Pressegesprächs
http://soundcloud.com/gsohn/mobile-world-telekommunikaton. Darauf antwortete der Booz-
Berater Roman Friedrich: „Mir hat einer aus Regierungskreisen gesagt, ‚brauchen wir denn
wirklich diese Bandbreite, Herr Dr. Friedrich? Da werden doch sowieso nur Pornos
runtergeladen.‘"


Mit dieser Geisteshaltung werden wir wohl wir keine zukunftsfähige Datenautobahn
bekommen. Das Investitionsvolumen in eine neue Infrastruktur ist in Deutschland
erschreckend niedrig. Es sind gerade mal zwei Dollar pro Einwohner. In Singapur liegt man
bei 154 Dollar. Dort gibt es allerdings auch den „Singapore iN2015 Masterplan". „Die
Regierung will das Internet auf möglichst ein GB pro Sekunde ausbauen, schon den
neuen Internetstandard IPv6 einführen und alle Bereiche rund um Gesundheit, Erziehung,
Tourismus, E-Government, Finanzdienstleistungen und Logistik erneuern und dort vor
allem personalisierte Services einführen", weiß der IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck. Die


Regierung in Singapur will neue Lernerfahrungen im Internet fördern und überall Web-
Konferenzen ermöglichen. Es geht ihr um ein lebendigeres, reicheres Leben, um
Selbstentwicklung und lebenslanges Lernen. „Spüren Sie den Willen in diesem Plan? Kein
‚hätte, müsste, wäre schön‘, sondern ein Wille, der sich sowohl auf die Wirtschaft als auch
auf die Zukunft und auf die Kultur der Menschen bezieht. Wenn wir diesen Willen doch auf
Deutschland übertragen könnten", fordert Dueck.


Er wünscht sich eine strukturkultivierende Marktwirtschaft. So könnte die Bundesregierung
einen verbindlichen Fahrplan für den Ausbau des Breitbandinternets aufstellen. Das würde
etwa 60 Milliarden Euro kosten, nicht mehr als die Rettung einer halben Bank. „Wir wissen
alle, dass wir in nächster Zukunft ein superschnelles Internet für die Industrie und ganz
allgemein als Infrastruktur der neuen Wissensgesellschaft brauchen", betont der
Informatik-Vordenker. Dieselben Leute, die die 60 Milliarden für die Zukunft nicht
herausrücken, argumentieren wie selbstverständlich, dass der entscheidende Anstoß zu
Deutschlands Wirtschaftswunder der energische und kompromisslose Ausbau des
Autobahnnetzes in den 60er-Jahren war. Ein kompromissloser Ausbau des Internets hätte
ähnlich dimensionierte positive Auswirkungen. „Wenn man sehr viel Netz zur Verfügung
hat, kann man beispielsweise die medizinische Überwachung von Patienten oder die
Automatisierung des Verkehrs in Angriff nehmen. Neue Industrien entstehen durch das
Internet. Manche schätzen, dass die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation in einigen
Jahren 90 Prozent des Internet-Verkehrs ausmachen wird. Wenn wir dafür beherzt die
Internet-Infrastruktur ausbauen, bekommen wir im Wettbewerb mit anderen Staaten einen
Vorteil. Nur mit neuen Infrastrukturen bekommt man neue Industriezweige. Die
Infrastrukturen für Erfindungen sind wichtiger als die Erfindungen selbst", meint Dueck.
Viele Anwendungen erfordern, dass das Internet immer und überall verfügbar ist.


Das bestätigen die Netzwerkexperten Bernd Stahl und Martina Dietschmann von Nash
Technologies im Interview mit NeueNachricht http://soundcloud.com/gsohn/intelligentes-
netz-f-r-die. Ohne Netzintelligenz schaffe man keine Energiewende. So könnte eine
Waschmaschine über das Internet nur dann Strom anzapfen, wenn Öko-Energie zur
Verfügung steht. Nur im Zusammenspiel von Energieerzeugern, Netzbetreibern,
Geräteherstellern und Verbraucher gelingt der Einstieg in den Energiemarkt 2.0.


Die alten Herren in den Ministerien agieren viel zu statisch. Sie konzentrieren sich auf
Infrastrukturen wie Recht, Soziales, Verteidigung, Bildung, Ordnung, Gesundheit oder
Verkehr. Sie vergessen dabei die Strukturen der Zukunft: „Wir haben noch einen
Landwirtschaftsminister aus der Zeit des Primärsektors, wir haben ein Industrieministerium,
das sich Wirtschaftsministerium nennt. Ein Dienstleistungsministerium hat man glatt
vergessen, obwohl Deutschland längst im tertiären Sektor angelangt ist", moniert der IBM-
Cheftechnologe Dueck. Eine Service-Lobby könne man mit der Lupe suchen, kritisiert der
After-Sales-Fachmann Peter Weilmuenster, Vorstandschef von Bitronic in Frankfurt:
„Einseitige industriepolitische Gesänge können wir uns nicht mehr erlauben. Wir sollten
alles daran setzen, eine Gesellschaft mit Service-Exzellenz zu werden." In seinem
Unternehmen für Wartungs- und Reparaturservice könne man sehr gut erkennen, wie
vielschichtig Dienstleistungsberufe seien, welche Möglichkeiten für produktbegleitende
Services es gibt und wie viel das Ganze mit Technologie zu tun habe.

Alte Strukturen sollten die liebwertesten Gichtlinge in der Bundesregierung jetzt geordnet
zu Grabe tragen. Wir benötigen in Berlin ein Internetministerium mit frischen Geistern.
Hier geht es zur kompletten Story. http://www.theeuropean.de/gunnar-sohn/5698-
technologierevolution-ohne-deutschlandWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:

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Datum: 14.02.2011 - 16:12 Uhr
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