The European-Montagskolumne: ATOMAUSSTIEG OHNE LÄRMENDE BESSERWISSEREI

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ID: 385706
(firmenpresse) - Damals Sputnik, heute Fukushima: Warum sollten es die Deutschen nicht schaffen, die
Katastrophe in Japan für eine neue Welle technologischer Innovationen zu nutzen? Fest
steht, dass wir bei allen Gefahren die andere Energiequellen bergen, nicht vergessen
dürfen, dass radioaktiver Müll von keiner Regierung der Welt Jahrtausende kontrolliert
werden kann.

 
Es ist nicht zu bestreiten, dass es eine risikolose Welt ohne Unfälle, ökologische Schäden
und Opfer nicht geben wird. Entscheidend ist aber die Beherrschbarkeit von Risiken zu
Lebzeiten. Beim Atomausstieg geht es nicht um Technikfeindlichkeit, Hysterie oder
Kulturpessimismus. Es geht um die Frage des „Zivilisationsrisikos“, wie es Peter Becker in
seinem Buch „Aufstieg und Krise der deutschen Stromkonzerne“ ausgedrückt hat. Jedes
Atomkraftwerk, ob es nun in die Luft fliegt oder nicht, produziert jahrhundertelang
strahlenden Abfall.

Die veraltete, anmaßende und rückständige Atomenergie ist ein vergiftetes und nicht zu
steuerndes Erbe für die Zukunft. Wir sollten also aufhören, die Ablehnung der
Atomenergie als ökoromantisch, technikfeindlich oder angstgetrieben abzuqualifizieren.
Sie ist das genaue Gegenteil.

Auch wenn es jetzt mit dem Fukushima-Schock einen noch radikaleren Wandel des
Meinungsklimas gibt. Es gibt keine Befunde, dass die Menschen in Deutschland in einer
Angststarre verharren. Warum sollte es jetzt technologisch nicht einen extremen Schub
geben wie nach dem so genannten Sputnik-Schock?

Allen sollte klar sein, dass wir mit barfüßigen Propheten und Ökopredigern die
Energiewende nicht schaffen werden. Das ist eine Aufgabe für Ingenieure, Erfinder,
Tüftler, Netzwerkspezialisten, Hersteller von Elektronikprodukten, Planern,
Wissenschaftlern und Unternehmensgründern. Wir brauchen eine Effizienzrevolution, die in
den vergangenen 200 Jahren durch technologischen Fortschritt ausgelöst wurde. In


diesem Zeitraum hat sich die Arbeitsproduktivität verzwanzigfacht, wie Ernst Ulrich von
Weizsäcker nachgerechnet hat. Ähnliches ist auch mit der Ressourcenproduktivität
möglich. Es geht also nicht nur um die Umstellung auf erneuerbaren Energien, es geht
auch nicht um einen Kampf um Subventionen und Fördertöpfchen.

So errichtete das Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums in Bonn ein neues
Bürogebäude, das im Winter über eine Geothermieanlage vollständig mit Energie aus dem
Erdreich aus Tiefen von rund 120 Metern beheizt wird. Wird dem Erdreich im Winter
Wärmeenergie zur Beheizung des Gebäudes entzogen, wird dort gleichzeitig automatisch
Kälte eingelagert. Sie wird nur teilweise zur Kühlung der IT-Räume benötigt. Der
verbleibende Teil kann zur Kühlung der Büros herangezogen werden. „Haushalte, Firmen,
Gemeinden können schon seit einiger Zeit ihre Energie selber produzieren und damit
positive Geschäftsmodelle errichten. Damit schafft man robuste und dezentrale Systeme.
Beginnend bei Fahrzeugen und Haushalten, über Firmen, Gemeinden, Kreisen,
Bundesländern hin zu Staaten und Kontinenten“, so die Überzeugung des
Netzwerkspezialisten Bernd Stahl von Nash Technologies.

Für den Atomausstieg sind Untergangspropheten und Dogmatiker schlechte Ratgeber.
Auch sollten wir Menschen misstrauen, die uns definitive und universelle Lösungen
vorgaukeln. „Jedes menschliche Problem hat viele Lösungen, und Humanität beweist sich
in dem Mut, den eingeschlagenen Weg konsequent, aber in dem Bewusstsein zu gehen,
dass es auch andere Wege gibt, die nicht weniger berechtigt sind“, führt der Publizist
Henning Ritter aus. Zurückhaltung, Bescheidenheit und weniger lärmende Besserwisserei
führen zu Überlegenheit und Überzeugung. Auf internationalem Parkett sollten wir wieder
lernen, kleine Brötchen zu backen, das kann der Weg zu Einfluss sein, so der Ratschlag
von Ritter. Auch in der Energiepolitik!
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Datum: 12.04.2011 - 11:44 Uhr
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