Börsen-Zeitung: Frankreich wird angeschossen, Marktkommentar von Kai Johannsen
ID: 461189
Ereignisse. In Sachen Staatsschuldenkrise ist nun auch noch
Frankreich und damit einer der stärksten Staaten der Eurozone ins
Visier der Märkte geraten. Zum Teil erhebliche Spread-Ausweitungen
der CDS auf das französische Staatskreditrisiko waren zu beobachten.
Auf lediglich kurze Erholungsphasen folgte an den Märkten immer
wieder eine Phase der Spread-Ausweitungen - erneut trotz aller
Versuche der Politik, die Märkte zu beruhigen. Beeindruckend bzw.
erschreckend ist, mit welcher Schnelligkeit sich die Entwicklungen
derzeit vollziehen. Wer hätte vor rund zwei Wochen schon angenommen,
dass Frankreich binnen so kurzer Zeit an den Märkten unter Druck
geraten könnte?
Immer noch Triple-A
Mit Blick auf Frankreich geht es auch nicht um den Aspekt, ob die
Franzosen bald ebenfalls den Rettungsschirm benötigen werden. Der
französische Staat hat ein Triple-A-Rating, und zwar bei allen drei
Ratingagenturen. Der Ausblick für die Kreditwürdigkeit ist stabil -
ebenfalls bei allen drei Agenturen. Das wurde seitens der
Bonitätswächter auch nochmals klargestellt, als Gerüchte über einen
Entzug der Top-Bonität kursierten. Diese Sorge verschwand denn auch
schnell wieder im Markthintergrund. Eine Downgrade-Diskussion ist
damit erst mal in die Ferne gerückt. Stellt sich nur die Frage: für
wie lange?
Auch die eigene Refinanzierung Frankreichs wird von den Märkten
keinesfalls in Frage gestellt - zumindest gegenwärtig nicht. Die
französischen Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentieren
gegenwärtig auf einem Niveau unterhalb von 3%. Am Freitag waren es
2,98%. Das entspricht einem Spread zu den Bundesanleihen - der
Benchmark der Eurozone - von 66 Basispunkten (BP). Frankreich ist bei
diesem Renditeniveau noch weit entfernt von
Refinanzierungsschwierigkeiten, die etwa auf zu hohe Marktrenditen
zurückzuführen wären. Zum Vergleich: Bei Spanien und Italien wurde
etwa bei Renditen von 6,5% von untragbaren Niveaus gesprochen.
Sorgen bereitet den Marktakteuren ein ganz anderer Aspekt.
Frankreich ist der zweitgrößte Garantiegeber beim Europäischen
Rettungsfonds EFSF (European Financial Stability Facility). Und genau
um diese Fähigkeit, noch marktüberzeugend Garantien stellen zu
können, geht es beim Blick auf Frankreich. Sollten die französischen
Staatsanleihen aufgrund eines nachhaltig negativen Marktsentiments -
ob nun aus Sicht der Politik begründet oder unbegründet - abrutschen,
könnte an den Märkten auch schnell die Fähigkeit des Landes,
Garantien zu leisten, in Frage gestellt werden. Derzeit kauft die
Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen der Länder Italien und
Spanien auf, um die Renditen zu drücken und den beiden Staaten die
Refinanzierungswege über die Märkte weiterhin zu ebnen. Diese
Anleihen werden später aber an die EFSF gehen. Sie soll selbst
Staatsanleihen an den Märkten kaufen können. Diese Beschlüsse des
jüngsten Euro-Gipfels müssen aber erst noch von den nationalen
Parlamenten abgesegnet werden. Dabei geht es auch um die Erhöhung des
Volumens der EFSF. Angesichts des aufzukaufenden Bond-Volumens gehen
nun schon Marktteilnehmer davon aus, dass das Kapitalvolumen der EFSF
nicht ausreichend sein wird.
Zusätzliche Garantien müssten her. Es könnte aber auch zu
Cash-Zahlungen an die EFSF kommen. Und genau das wird jetzt schon an
den Märkten in Zweifel gezogen. Frankreich könnte, sofern die
Anleihen doch abrutschen, irgendwann nicht mehr in der Lage sein,
Gelder über die Märkte zu besorgen, weil es zu teuer wird. Garantien
könnten die Märkte nicht mehr überzeugen, wenn Frankreichs Bonität
doch abrutschen sollte. Angesichts der Tatsache, dass diese
Beschlüsse von den Parlamenten noch nicht einmal abgesegnet sind, ist
der Vorgriff der Märkte schon recht beeindruckend.
Implikationen für die EFSF
Die Implikationen eines derartigen Szenarios, das - zumindest aus
heutiger Sicht - in weiter Zukunft liegt, werden auch schon
durchgespielt. Was passiert, wenn Frankreich doch das Triple-A
verliert? Im Blick haben die Akteure dann wiederum die EFSF, die dann
ebenfalls heruntergestuft werden könnte. Credit Suisse meint etwa,
dass der Rettungsfonds dann aber noch weiterarbeiten könnte wie
bisher. Allerdings wird auch bei der Credit Suisse schon auf die
höheren Funding-Kosten hingewiesen. Geschätzt wird, dass die EFSF um
100 BP höhere Refinanzierungskosten hätte. Nicht unbedingt eine gute
Nachricht für die Rettungsländer.
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Datum: 12.08.2011 - 20:45 Uhr
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