Medikamentenengpass führt zu Behandlungsstopp bei Tropenkrankheit
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Medikamentenengpass führt zu Behandlungsstopp bei Tropenkrankheit
Asunción/Berlin, 6. Oktober 2011. Tausende Patienten, die an der Tropenkrankheit Chagas leiden, können wegen Medikamentenmangels in den kommenden Monaten nicht behandelt werden, weil die Versorgung mit dem Medikament Benznidazol zusammengebrochen ist. Die Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert deshalb das brasilianische Gesundheitsministerium dringend auf, Maßnahmen zu ergreifen, um das Medikament wieder verfügbar zu machen. Das Ministerium ist für das einzige Labor weltweit verantwortlich, das Benznidazol herstellt.
"Diese Situation ist inakzeptabel", erklärt Henry Rodriguez, der Leiter der Projekte von Ärzte ohne Grenzen in Bolivien und Paraguay. "In Boquerón, einem der Gebiete Paraguays mit der höchsten Erkrankungsrate, sind wir dazu gezwungen, die Untersuchung von Patienten einzustellen, weil wir einfach nicht genug Medikamente zur Behandlung haben. Chagas war jahrzehntelang eine vollkommen vernachlässigte Krankheit. Gerade jetzt, wo die Diagnose und die Behandlung in den betroffenen Ländern zur Priorität gemacht wurden, fehlen uns die Medikamente. Wir dürfen das nicht hinnehmen. Es muss dringend eine Lösung für unsere Patienten gefunden werden."
Benznidazol wird in den meisten Ländern Lateinamerikas, in denen die Chagas-Krankheit endemisch ist, als wichtigstes Medikament eingesetzt. Der Engpass gefährdet massiv die kürzlich begonnenen Programme mehrerer Staaten, die Krankheit zurückzudrängen. Chagas ist für 12.500 Todesfälle pro Jahr verantwortlich, schätzungsweise acht bis zehn Millionen Menschen sind derzeit infiziert.
Die Behandlung gegen Chagas hängt von einem einzigen Pharmaunternehmen ab. Das staatliche brasilianischen Labor LAFEPE (Laboratorio Farmaceutico do Estado de Pernambuco) stellt als einziges weltweit Benznidazol her. Die Verantwortung für die Herstellung des zu Grunde liegenden Wirkstoffs wurde kürzlich an die Firma Nortec QuÃmica übertragen, die ihn aber bisher noch nicht vorschriftsgemäß herstellen konnte. Zudem hat LAFEPE sein Versprechen gebrochen, einen Zeitplan zur Herstellung zu veröffentlichen und einzuhalten, der die Verfügbarkeit des Medikaments sicherstellt.
"Die brasilianische Regierung hat eine Vorreiterolle bei der Produktion von generischen Medikamenten eingenommen und damit sein Engagement für Menschen gezeigt, die Zugang zu Medikamenten benötigen", erklärt Unni Karunakara, der internationale Präsident von Ärzte ohne Grenzen. "Brasilien muss jetzt schnell handeln, um seiner Verantwortung für die Chagas-Patienten weltweit nachzukommen."
Die Chagas-Krankheit, die von einem Parasiten verursacht wird, ist in mehreren lateinamerikanischen Ländern endemisch. Der Parasit wird hauptsächlich von Wanzen übertragen, eine Infektion kann aber auch von Mutter zu Kind, durch Bluttransfusionen oder durch kontaminierte Lebensmittel erfolgen. Da die Krankheit meist ohne Symptome verläuft, wissen die Patienten oft nicht, dass sie infiziert sind. Im Verlauf der Krankheit werden oft das Herz oder der Magen-Darm-Trakt geschädigt, was tödlich enden kann.
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Datum: 06.10.2011 - 18:00 Uhr
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