Preiswettbewerb der Krankenkassen ausgebremst: mehr Zusatzbeiträge und Prämien erwünscht
ID: 544051
Preiswettbewerb der Krankenkassen ausgebremst: mehr Zusatzbeiträge und Prämien erwünscht
Im kommenden Jahr werden höchstens noch sechs der derzeit 153 gesetzlichen Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben. Die Gesundheitsökonomen Nicolas R. Ziebarth, Hendrik Schmitz und Peter Eibich bedauern dies. "Zusatzbeiträge haben die Preise der gesetzlichen Krankenversicherer transparenter gemacht. Die Bereitschaft vieler Versicherten, auf hohe Preise mit einem Wechsel ihrer Krankenkasse zu reagieren, ist daraufhin deutlich gestiegen", schreiben die Ökonomen im aktuellen Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Die Krankenversicherer seien so spürbar verbraucherfreundlicher geworden. Zwar hätte es auch früher schon erhebliche Preisunterschiede zwischen den Krankenkassen gegeben - nur seien diese dem Verbraucher vor der Reform durch schwer verständliche Beitragssatzunterschiede verschleiert worden. Deshalb seien stärkere Anreize wünschenswert, damit die Kassen wieder Zusatzbeiträge und Prämien einsetzen. "Wir schlagen zum Beispiel vor, die Zahlungen aus dem Gesundheitsfonds künftig auf 95 bis 98 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Kassen zu begrenzen", sagen die Ökonomen.
Die Autoren zeigen auf Basis repräsentativer Umfragedaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), dass 2010 jeder Zehnte der von Zusatzbeiträgen Betroffenen daraufhin die Krankenkasse gewechselt hat. Damit habe sich die Wechselbereitschaft verdoppelt im Vergleich zu der Zeit vor der Gesundheitsreform. Außerdem zeigen die Autoren, dass die DAK und die KKH-Allianz, zwei große Ersatzkassen mit Zusatzbeiträgen, im Vergleich zu anderen Ersatzkassen 7,5 Prozent ihrer Versicherten aufgrund der höheren Versicherungspreise verloren haben.
"2008 zahlte der Durchschnittsverdiener bei der teuersten gesetzlichen Kasse 50 Euro pro Monat mehr als bei der günstigsten. 2011 hat sich dieser Unterschied auf 20 Euro verringert", so Ziebarth. Für das Jahr 2012 wird der Preiswettbewerb aber voraussichtlich gestoppt: Der Gesundheitsfonds ist üppig gefüllt und die Gesamtausgaben der Krankenkassen werden zu 100 Prozent gedeckt. Fast alle gesetzlichen Kassen kommen deshalb ohne Zusatzbeiträge aus. Ab 2013 könnte sich das infolge steigender Gesundheitsausgaben zwar wieder ändern. Doch darauf sollte sich die Politik nicht verlassen, sondern den Wettbewerb mit neuen Anreizen stärken, schlagen die Ökonomen vor. Würde der Gesundheitsfonds den Kassen nur 95 statt 100 Prozent ihrer Gesamtausgaben erstatten, so entspräche dies beispielhaft für das Jahr 2012 einer Finanzierungslücke von monatlich 15 Euro pro Kassenmitglied. Um dafür keine Zusatzbeiträge erheben zu müssen, wären die Versicherer zu Effizienzsteigerungen, beispielsweise durch Fusionen, gezwungen.
Pressestelle
Renate Bogdanovic
Nicole Walter
Telefon +49-30-897 89-249 oder -252
Mobil +49-174-319-3131
presse@diw.de
Pressereferentin Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)
Monika Wimmer
Telefon +49-30-89789-251
Mail: mwimmer@diw.de
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 21.12.2011 - 10:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 544051
Anzahl Zeichen: 3314
pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 343 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Preiswettbewerb der Krankenkassen ausgebremst: mehr Zusatzbeiträge und Prämien erwünscht"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zunehmende Zahl Geflüchteter hinterlässt Spuren in öffentlichen Kassen - Finanzielle Belastungen sind verkraftbar, Prioritäten müssen aber richtig gesetzt werden - DIW-Finanzexpertin van Deuverden: "Haushaltspolitische Spielräume nutzen" Der öffentliche Gesamthaushalt in Deutsc
Je mehr Mitspracherecht Eltern haben, desto zufriedener sind sie mit den Kitas ...
Insgesamt ist die Zufriedenheit mit den Kindertageseinrichtungen hoch - Eltern von Kindern im Alter von drei Jahren und älter sind unzufriedener - gut verdienende Eltern würden auch höhere Gebühren zahlen In den vergangenen Jahren hat Deutschland massiv in den quantitativen Ausbau der Kinde
Frauenanteil in DAX-30-Vorständen: Entwicklung weiterhin verhalten ...
Update des DIW Managerinnen-Barometers: Frauenanteil ist in Vorständen in diesem Jahr von 7,4 auf 8,4 Prozent gestiegen und in Aufsichtsräten von 24,7 auf 26,5 Prozent - Fast die Hälfte der DAX-30-Unternehmen erfüllt die 2016 in Kraft tretende Frauenquote in Aufsichtsräten schon jetzt. Der F
Weitere Mitteilungen von Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin
Konsequente Umsetzung des Desinvestitionsprogramms: EnBW veräußert Minderheitsbeteiligungen in Polen an EDF ...
Strategischer Fokus auf ausgesuchte und strategische bedeutsame Auslandsmärkte bleibt bestehen Karlsruhe. Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG trennt sich von ihren Minderheitsbeteiligungen in Polen und veräußert diese an die Electricité de France (EDF). Nach der heute von beiden Unte
Importpreise November 2011: + 6,0 % gegenüber November 2010 ...
WIESBADEN - Der Index der Einfuhrpreise lag im November 2011 um 6,0 % über dem Vorjahresstand. Im Oktober 2011 hatte die Veränderung zum Vorjahr + 6,8 % und im September + 6,9 % betragen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stieg der Einfuhrpreisindex im November 2011 gege
2,1 % der Haushalte bezogen 2010 Wohngeld ...
WIESBADEN - Am Jahresende 2010 bezogen in Deutschland rund 852 000 Haushalte Wohngeld. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das 2,1 % aller privaten Haushalte. Der Anteil war damit gegenüber 2009 unverändert. Wohngeld ist ein von Bund und Ländern je zur Hälfte ge
Gut fürs Einkommen, schlecht für die Lebensqualität: Viele Arbeitnehmer schöpfen ihren Urlaub nicht aus ...
er in Deutschland haben im vergangenen Jahr etwa zwölf Prozent ihres Urlaubsanspruchs nicht genutzt. Das zeigt eine Untersuchung des Arbeitsmarktökonomen Daniel Schnitzlein, die jetzt im Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) erschienen ist. Wer seinen Urlaub




