Deutsche Umwelthilfe: Schutzwirkung von Umweltzonen hat sich eindrucksvoll bestätigt
ID: 553468
Pünktlich zur Verschärfung zahlreicher Umweltzonen versucht die
Autofahrerlobby deren Wirksamkeit in Frage zu stellen - auf 'grün'
scharf gestellte Zonen reduzieren die besonders giftigen
Dieselrußemissionen um bis zu 60 Prozent - konsequent umgesetzte
Einfahrverbote für Dieselstinker retten schon heute jährlich hunderte
Menschenleben - DUH-Bundesgeschäftsführer Resch nennt Widerstand
gegen Umweltzonen "unverantwortlich und geradezu asozial"
Umweltzonen sind das mit Abstand wirksamste Mittel zur
Luftreinhaltung gegen die besonders gesundheitsgefährdenden
Stickoxide und Dieselruß. Zu dieser Einschätzung kommt die Deutsche
Umwelthilfe e.V. (DUH) aufgrund der Ergebnisse wissenschaftlicher
Studien zur Wirksamkeit der Umweltzonen und widerspricht damit den
bereits in der Vergangenheit und erneut zum Jahreswechsel
vorgetragenen Gegenargumenten der Autolobby. Aus Sicht der
Umweltschutzorganisation beweist vor allem die seit 2010 mit der
grünen Plakettenpflicht verschärfte Berliner Umweltzone, dass
Einfuhrbegrenzungen für Dieselstinker die verkehrsbedingten
Luftschadstoffe mehr als halbieren.
"Viele Umweltzonen in Deutschland befinden sich noch im
'Spielbetrieb': Ungefilterte Dieselfahrzeuge dürfen dort einfahren,
Kontrollen finden kaum statt und Ausnahmen werden großzügig gewährt.
Mit argumentativer und juristischer Unterstützung der EU-Kommission
wird die DUH in diesem Jahr auch juristisch gegen diese Verweigerung
einer gesetzlich vorgeschriebenen Luftreinhaltepolitik vorgehen",
sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe.
"Angesichts der eindeutigen Befunde ist es unverantwortlich und
geradezu asozial, wenn Kritiker der Umweltzonen aus
Automobilverbänden und Wirtschaft diesen entscheidenden Zusammenhang
dauerhaft negieren. Konsequent umgesetzte und vor allem kontrollierte
Umweltzonen bedeuten aktiven Gesundheitsschutz für Millionen
Betroffene in unseren Ballungsräumen."
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass allein
in Deutschland pro Jahr über 70.000 Menschen vorzeitig an den Folgen
von Feinstaub sterben. Diese Aussage bestätigt auch Prof. Erich
Wichmann vom Helmholtz Zentrum München mit neuesten Studien. In
seinen Untersuchungen wies er nach, dass die konsequente Einführung
einer Umweltzone einen Rückgang der Ruß bedingten Sterblichkeit um
30-60 Prozent bewirken kann. Innerhalb der Berliner Umweltzone, in
der eine Million Menschen leben, würden dadurch pro Jahr rechnerisch
144 Dieselruß bedingte Todesfälle vermieden.
Auf die Umweltzone der Bundeshauptstadt wurde im letzten Jahr
wiederholt als Musterbeispiel verwiesen. Berlin hatte auf Grundlage
des veränderten Fahrzeugbestands Emissionsmengen im Modell errechnet
und auch Messungen an zahlreichen Standorten ausgewertet. Das
eindeutige Ergebnis: Die strengere grüne Plakettenpflicht innerhalb
der Berliner Umweltzone verringerte besonders die Belastung durch
extrem gesundheitsschädlichen Dieselruß im Vergleich zu 2007 um
nahezu 60 Prozent.
"Trotz dieser eindrucksvollen Zahlen verlangen erst sieben Städte
zur Einfahrt die grüne Plakette. Das bezahlen die Einwohner mit ihrer
Gesundheit", sagt Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung
der DUH. Noch immer dürfen Fahrzeuge deutschlandweit in 30
Umweltzonen mit der gelben Plakette einfahren, in 17 Städten ist
sogar die rote Plakette weiterhin erlaubt. Die DUH setzt sich deshalb
auch in diesem Jahr dafür ein, die Umweltzone nach dem Berliner
Beispiel weiter auszubauen.
Hintergrund:
In der vom Helmholtz Zentrum München im Frühjahr 2011
veröffentlichten "Feinstaubkohortenstudie Frauen in NRW" wurde über
18 Jahre das Sterblichkeitsrisiko von fast 5.000 Frauen der Jahrgänge
1929 bis 1942 an sieben Standorten in Nordrhein-Westfalen in
Abhängigkeit von den Belastungen durch Feinstaub/Stickstoffdioxid an
ihren jeweiligen Wohnorten untersucht. Mit geringerem Abstand
zwischen Wohnadresse und verkehrsreichen Straßen nahmen dabei die
allgemeine Sterblichkeit sowie die Todesursache durch
Herz-Kreislauferkrankungen statistisch signifikant zu. Die Analyse
zeigte deutliche Zusammenhänge zwischen Verkehrsbelastung und
verkehrsabhängigen Schadstoffen einerseits und der Sterblichkeit an
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs
andererseits. Hierdurch bestätigte sich einmal mehr der erhebliche
Einfluss hoher Partikelbelastungen auf die Gesundheit der Anwohner.
Bei Frauen, die näher als 50 Meter an einer Hauptverkehrsstraße
lebten, erhöhte sich die allgemeine Sterblichkeit um fast 40 Prozent,
das Risiko, an einer Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankung zu
versterben, stieg sogar um fast 80 Prozent.
Die Präsentation von Prof. Dr. Dr. Erich Wichmann vom Helmholtz
Zentrum München finden Sie im Internet unter:
http://www.duh.de/pressemitteilung.html?&tx_ttnews[tt_news]=2763
Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer, Hackescher Markt 4,
10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-0, Mobil: 0171 3649170, E-Mail:
resch@duh.de
Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung, Hackescher Markt
4, 10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-72, Mobil: 0151 16225862, E-Mail:
saar@duh.de
Daniel Eckold, Pressesprecher, Hackescher Markt 4,
10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-22, Mobil: 0151 55017009, E-Mail:
eckold@duh.de
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Datum: 13.01.2012 - 11:47 Uhr
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