Rheinische Post: Antisemitismus
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einen Antisemiten finden will, muss nicht lange suchen. Zum Abzählen
reicht eine Hand, denn bei jedem fünften Deutschen gibt es latenten
Antisemitismus. Diesen Befund einer Expertengruppe kann man
bestürzend und den Zustand unserer Gesellschaft bedenklich nennen.
Alles richtig. Es ist das wohlfeile Urteil, das aus der Haltung einer
Betroffenheit erwächst, mit der oft Aufklärung betrieben wird. An
Büchern und Filmen über die Shoah mangelt es ja nicht, ebenso wenig
an Gedenkstätten und Museen. Nur: Ihre Wirkung war offenbar gering.
Zu lange hingen wir dem Glauben an, man könne aus der Geschichte
lernen; aus einer Historie freilich, die wir stets nur im Präteritum
erzählten: Es war einmal. Dabei versäumten wir, die Geschichte in die
Gegenwart zu verlängern. Ein "routiniertes Gedenken" nannte das
gestern Charlotte Knobloch, Vizepräsidentin des Jüdischen
Weltkongresses. Diese Routine hat uns die Geschichte vom Leib
gehalten, sie war weit weg, sie stand in der Vitrine zur Betrachtung.
Nun müssen wir erkennen, dass Geschichte nicht endet, dass sie keine
Stichtage hat. Das zu begreifen ist unser Erbe: Wir sind es den
Opfern von damals und ihren Nachfahren von heute schuldig.
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Datum: 23.01.2012 - 20:58 Uhr
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