Neue OZ: Kommentar zu Literatur / Dickens
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Charles Dickens hat sich ausdrücklich dagegen ausgesprochen, dass
ihm seine Landsleute ein Denkmal setzen. Zum 200. Geburtstag passiert
es nun doch. Der Brite wollte auch auf dem Friedhof neben der
Kathedrale von Rochester begraben werden. Doch angesichts seiner
Beliebtheit im Volk wurde er in der Westminster Abtei in London
beigesetzt. Letzteres, so erzählt man sich heute in Rochester, sei
eine strategisch kluge Entscheidung von Königin Viktoria gewesen, um
seiner Bedeutung für die Epoche gerecht zu werden. Und nun nach 200
Jahren folgt die von Autor ungewollte Denkmalpflege? Eine
überflüssige Aktion, denn man wird Dickens auch künftig nicht
regelmäßig von Staub befreien müssen: Es sind die starken Figuren und
die intensiven Bilder vom Elend, die sich weltweit in das Gedächtnis
von Generationen eingebrannt haben. "Dickens'sche Verhältnisse" ist
ein Synonym für soziale Kälte eines ungezügelten Kapitalismus, nicht
nur in seiner Heimat. Die Anklage dahinter hat an Aktualität nichts
verloren. Deshalb wird seine literarische Stimme noch gehört. Er wird
gelesen, be- und hinterfragt, verfilmt. Das war es, was er sich
gewünscht hat. Ein Denkmal für einen rastlosen Wanderer? Das passt
nicht, höchstens, wenn man es ins Wanken bringt.
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Datum: 06.02.2012 - 22:00 Uhr
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