Westfalenpost: Kommentar zu Griechenland/Finanzkrise/Gipfel/Europa/Das zweite Rettungspaket für Griechen steht/Noch kein Grund zum Jubeln/Von Sabine Brendel
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Griechenland ist geschnürt. Aber ob es dem pleitebedrohten Staat
wirklich den Weg ebnet in eine finanziell stabilere Zukunft, ist
äußerst fraglich. Griechenland hat längst nicht nur Geldprobleme, die
man mit neuen Notkrediten noch relativ leicht lösen könnte. Dem
griechischen Staat fehlen funktionierende Verwaltungsstrukturen und
eine vielfältige Unternehmenslandschaft. So etwas ist nicht mal eben
schnell mit Geld zu ändern, sondern es bedarf außerdem jahrelanger
(Aufbau-)Arbeit und viel Expertenwissens, um ein stabiles
verlässliches Staats- und Wirtschaftsgerüst zu errichten. Momentan
ist Griechenland vor allem auf einem schmerzhaften, von seinen
europäischen Notkredit-Gebern auferlegten Sparkurs. Auch ein Staat
kann nicht über seine Verhältnisse leben, das ist vielen Bürgern in
Griechenland und anderswo klar. Konsequenterweise muss Griechenland
seine Staatsfinanzen weiter sanieren; nicht nur, um neue Nothilfen zu
erhalten. Doch Sparen allein reicht längst nicht. Das ist den
Europäern klar, die ja seit Monaten sehen, wie Griechenlands
Wirtschaftsleistung ungeachtet aller zuversichtlichen Prognosen immer
weiter abnimmt. Und jede Schuldenanalyse, die die Europäer und der
Internationale Währungsfonds gemeinsam erstellen, zeigt ungeschönt:
Auf die Griechen und die Europäer warten noch viele Jahre, gar
Jahrzehnte harte Arbeit. Sie müssen sich darauf einstellen, dass der
Weg heraus aus der Misere so steinig bleibt, dass daran das zweite
Hilfspaket scheitern könnte. Die Europäer müssen nun, da das zweite
Hilfspaket Griechenland die dringend benötigte Luft verschafft,
gemeinsam mit den Griechen alles daran setzen, die Wirtschaft des
Mittelmeerstaats zu beflügeln. Erst das würde einen wichtigen Teil
dazu beitragen, dass das ehrgeizige zweite Hilfspaket auch
langfristig die Dinge in Griechenland zum Besseren wendet. Die
Griechen hätten es jedenfalls verdient. Viel Grund zum Jubeln haben
die meisten bisher nicht.
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Datum: 21.02.2012 - 19:30 Uhr
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