Westdeutsche Zeitung: Die neue Sekundarschule hat gute Zukunftschancen - Das System mit Leben füllen
Ein Kommentar von Frank Uferkamp
ID: 594674
der NRW-Schulpolitik. Mit der Einführung der Sekundarschule startet
eine neue Schulform, die mindestens bis zur Klasse 7 einen
gemeinsamen Unterricht der Kinder vorsieht. Das bedeutet für die
Hauptschule, dass ihr Ende als eigenständige Schulform absehbar ist.
Aber auch die Realschulen werden kämpfen müssen, um als Anbieter
eines berufsqualifizierenden Schulabschlusses überleben zu können.
Die Sekundarschulen werden eine starke, vielleicht sogar übermächtige
Konkurrenz sein.
Denn sie vereinigen Haupt- und Realschulen unter einem Dach und
sind vor allem erfunden worden, um flächendeckend weiterführende
Schulen vorzuhalten. Es gibt immer weniger Schüler - die Konkurrenz
um gute Abschlüsse und damit um einen Start ins Berufsleben wird
härter. Die Eltern haben dies erkannt, die Anmeldezahlen für die
Hauptschulen brechen ein.
Vor allem auf dem Land stehen viele Gemeinden vor einem
gravierenden Standortproblem: Wer keine Schule anbieten kann, wird
die jungen Familien nicht halten können und schon gar keine neuen
anlocken. Alleine aus diesem Grund wird die Sekundarschule, die als
Filialschule auch in mehreren Dörfern geführt werden kann, ein
Renner.
Getragen wird diese Entwicklung von einer breiten politischen
Mehrheit im Landtag. SPD, CDU und Grüne haben sich in ihrem
sogenannten Schulfrieden darauf verständigt, in den kommenden zehn
Jahren auf ideologische Grabenkämpfe zu verzichten. Das ist
zweifellos ein Fortschritt, der aber nur dann Früchte trägt, wenn das
neue System mit Leben, sprich mit ausreichenden finanziellen Mitteln
gefüllt wird.
Denn mit dem Aussterben der Hauptschule verschwinden nicht
automatisch die Probleme. Die bestehen, das belegen aktuelle Studien
eindrucksvoll, vor allem in den schlechten Chancen für Kinder aus
sozial schwachen Familien auf einen guten Bildungsabschluss.
Längeres gemeinsames Lernen ist nach Ansicht der meisten Experten
ein wichtiger Baustein für bessere Qualität. Das Wichtigste sind
jedoch gute und vor allem genügend viele Lehrer. Und da muss die
Landesregierung beweisen, wie sie es schafft, hier das Niveau zu
heben und gleichzeitig im Gesamtetat zu sparen.
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Datum: 13.03.2012 - 16:38 Uhr
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