Neue OZ: Kommentar zu Kulturpolitik
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Kultur braucht Debatte. Das haben jene Kultursachwalter ignoriert,
die mit Sätzen wie "Theater muss sein" oder "Wir fördern, was es
schwer hat" Begründungen geliefert haben, die einfach keine sind,
oder dem Rückzug in die selbst gewählte Nische gefährlichen Vorschub
geleistet haben. Antje Vollmers Vorschlag, alle deutschen
Stadttheater als UNESCO-Welterbe unter Schutz zu stellen, markierte
den Gipfelpunkt einer Kulturpolitik als Bestandsschutz um jeden
Preis.
Mit dem "Kulturinfarkt" schlägt die Tonlage nun rabiat um. Die
Streitschrift liefert Stichworte für Populisten, Mahner und Warner.
Die einen wollen am liebsten die ganze Kultur dichtmachen, die
anderen sehen selbst mit der kleinsten Einsparung den Untergang des
Abendlandes heraufziehen. Beides hilft nicht weiter.
Dabei arbeitet die Kulturszene längst an neuen Herausforderungen.
Statt Sattheit und Reformstau zu beklagen, hätten die
Infarkt-Diagnostiker auch avancierte Beispiele einer erneuerten
Kulturarbeit beschreiben können. Das furiose Verdammungsurteil sorgt
für Medienecho, der ernst gemeinte Vorschlag nicht. Dabei verdiente
Kultur Hingabe und keinen Zynismus.
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Datum: 20.03.2012 - 22:00 Uhr
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