Neue OZ: Kommentar zu Frankreich / Anschlag
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Noch ist unklar, ob in Frankreich ein rassistischer Psychopath
einen blutigen Rachefeldzug führt oder ein eiskalter Serienmörder
seinen Trieb zum Töten auslebt. Die schockierenden Taten offenbaren
jedoch, wie hilflos und zerbrechlich eine Staatsmacht tatsächlich
ist, trotz aller zur Schau gestellten polizeilichen und militärischen
Stärke, wie es etwa Frankreich gern am Nationalfeiertag praktiziert.
In dieser Lage geben die Juden und Muslime in Frankreich das
einzig richtige Signal: Sie stehen zusammen und warnen gemeinsam die
Präsidentschafts-Kandidaten davor, die monströsen Taten zu
instrumentalisieren. Staatschef Nicolas Sarkozy sollte sich diesen
Appell zu Herzen nehmen und nicht weiter mit populistischen
Plattitüden auf Stimmenfang gehen. Seine Forderung als damaliger
Innenminister, Vorstädte mit dem Hochdruckreiniger zu säubern, war
schon schlimm genug. Ein Ausrutscher war sie offenbar nicht. Mit
seinem Hinweis zu Beginn des aktuellen Wahlkampfes, in Frankreich
gebe es zu viele Ausländer, hat er die Stimmung weiter angeheizt.
Die Debatte über die abscheulichen Morde von Toulouse und
Montauban entlarvt eine fehlgeschlagene Politik für Integration und
Einwanderung. Und sie zwingt Frankreich dazu, den sorgsam unter dem
Etikett "Gleichheit und Brüderlichkeit" kaschierten Hass zwischen
Bevölkerungsgruppen zu überwinden.
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Datum: 20.03.2012 - 22:00 Uhr
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