Lausitzer Rundschau: Der Wähler und der Schwarm
Zum jüngsten Erfolg der Piratenpartei und den Folgen
ID: 603891
einmal Positives, aus vielen guten Entscheidungen einzelner wird die
Klugheit aller. Das ist das politische Prinzip der Piraten. Und wer
nach der Berlin-Wahl geglaubt hatte, die Partei sei lediglich ein
Sammelbecken für großstädtische oder gestörte Internet-Freaks, also
eine Partei mit begrenzter Halbwertzeit, wird nach der Saarland-Wahl
wohl eingestehen müssen: Die Piraten haben den Status eines Phänomens
jetzt hinter sich gelassen. Ihre Stärke liegt in der Schwäche der
etablierten Parteien. Sie bieten augenscheinlich das, was den anderen
in den letzten Jahrzehnten der deutschen Parteiendemokratie abhanden
gekommen ist: Die Piraten sind noch ungeschliffen, sie zwingen
niemanden dazu, sich festzulegen. Sie greifen damit einen weit
verbreiteten, gesellschaftlichen Trend auf. Punktuell mitzumachen,
jedoch möglichst frei von Zwängen zu sein, Positionen zu variieren,
oder aber erst gar keine zu haben, ist en vogue. Peinlich ist es
deshalb, wenn FDP-Mann Döring das Politikbild der Piraten als
"Tyrannei der Massen" geißelt. Und naiv ist es, wie Union, SPD,
Grüne, Linke und FDP nun darüber sinnieren, warum die Piraten so viel
Zulauf haben. Alle schleifen deshalb ihre Konzepte zur Netzpolitik,
twittern wie wild oder setzen online neue Akzente. Transparenz heißt
neuerdings, Parteitagsanträge ins Netz zu stellen. Als ob das reichen
würde. Der Muff der letzten Jahre lässt sich jedoch nicht per
Mausklick in den Papierkorb befördern. Für viele Menschen sind
Ochsentour und Ämtergeschacher fernab des modernen Polit-Zeitgeists.
Sie haben den Eindruck, den Parteien geht es nur noch um sich selbst.
Das stimmt nicht immer. Wenn aber die Etablierten sich und den
Bürgern nicht mehr Freiheit verordnen, um die Lust am Mitmachen zu
wecken, müssen sie sich nicht wundern, wenn die Piraten ein
Bundesland nach dem anderen entern. Doch es gibt noch Hoffnung für
die Alt-Parteien. Die Piraten geraten nach jedem Wahlsieg in einen
klassischen Selbstfindungsprozess, der leicht in Selbstzerfleischung
abdriftet. So hat in Berlin bereits nach wenigen Monaten eine
Entzauberung durch Flügelkämpfe und Querelen begonnen. Sind die
Piraten im System angekommen, verlieren sie ihre Unbedarftheit. Dann
stößt die "Schwarmintelligenz" deutlich an ihre Grenzen. Dann werden
auch die Fragen nach Konzepten zu Themen jenseits der Netzpolitik
umso brennender gestellt. Und dann müssen auch Entscheidungen
getroffen werden, mit denen der Schwarm einen Teil seiner Wähler
enttäuschen wird. Doch das wird wohl noch dauern.
Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau
Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
politik@lr-online.de
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 26.03.2012 - 20:21 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 603891
Anzahl Zeichen: 2991
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Cottbus
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 247 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Lausitzer Rundschau: Der Wähler und der Schwarm
Zum jüngsten Erfolg der Piratenpartei und den Folgen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Lausitzer Rundschau (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Es ist übertrieben, Restaurantbesuche in der Corona-Pandemie noch stärker zu beschränken - indem wie jetzt in Sachsen und Brandenburg Geimpfte und Genesene zusätzlich einen negativen Schnelltest vorweisen müssen. 2G plus bevorzugt die Geboosterten vor jenen Erwachsenen beim Essen gehen, die
Fehlende Lobby für die Lausitz? - Zu den Abgeordneten in Bundestagsausschüssen ...
Für die Lausitz wird es ernst im Strukturwandel. Wichtige Entscheidungen zum Kohle-Ausstieg, aber auch zur Verteilung der zugesagten Milliarden-Zahlungen zur Anpassung des Wandels stehen an. Ein wichtiges Wort spricht dabei der Bundestag mit. Die entsprechenden Gesetze müssen dort verabschiedet
Sachsens neue Bürgerlichkeit - zum Regierungsbündnis in Corona-Zeiten ...
Meißen wird gern als die Wiege Sachsens bezeichnet. Aktuell hat der Kreis rund um die alte Bischofsstadt an der Elbe einen traurigen Rekord zu vermelden. Mit 2328,1 führt er die Inzidenz-Statistik an, dicht gefolgt vom benachbarten Mittelsachsen mit 2099,4. Das sind erschreckend hohe Zahlen, fü
Weitere Mitteilungen von Lausitzer Rundschau
Rheinische Post: Atom-Vision ...
Barack Obama ist schon kurz nach seiner Wahl zum US-Präsidenten mit einer großen Vision hausieren gegangen, die ihm später sogar den Friedensnobelpreis eintrug: Die Welt solle frei werden von Atomwaffen. Nun ist Obama nicht der naive Fantast, als den ihn damals einige Kritiker verhöhnt haben.
Rheinische Post: Keine Entwarnung ...
Die deutlich gesunkene Zahl der Drogentoten in Deutschland ist kein Grund zum Jubeln. Denn es gibt keinen Beweis dafür, dass im Kampf gegen illegale Drogen entscheidende Schläge gelungen sind. Vielmehr ist die gesunkene Zahl der Drogentoten erst einmal nur ein Beleg dafür, dass die Schwerstab
Mitteldeutsche Zeitung: zu Saarland ...
Das deutsche Parteiensystem steuert, nein, eher strauchelt auf einen Umbruch zu. Die erfahrensten Regierer der Republik leiden nicht zum ersten, womöglich aber zum letzten Mal an galoppierender Schwindsucht. Auf der anderen Seite beginnt eine neue Kraft sich zu etablieren, die so ganz anders da
Mitteldeutsche Zeitung: zu DDR-Kinderheimen ...
Der relativ bescheiden ausgestattete Fonds, mit dem die Folgen des Unrechts nun auch für die einstigen ostdeutschen Heimzöglinge gemildert werden soll, ist nur eine bedauernde Geste. Man könne das Unrecht nicht ungeschehen machen, sagen die Verantwortlichen. Das ist richtig, es ist aber auch




