Rheinische Post: Ein Phänomen von zwölf Prozent
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Mit den Piraten lässt sich scharf streiten: Warum soll ein
zufälliger "Schwarm" (vielleicht weniger Informierter) grundsätzlich
schlauer sein als eine ausgewählte Ansammlung (vielleicht durch und
durch Erfahrener)? Wollen sie einen Industriestaat handlungsfähig
halten, wenn sie für nichts einstehen, so lange der "Schwarm" noch
diskutiert? Und soll der Maßstab für eine bessere Politik tatsächlich
aus einem Umfeld kommen, in dem Heckenschützen längst jeden Anstand
in der Anonymität des Netzes abgeworfen haben? Diesen Fragen müssen
sich die Piraten stellen. Aber die anderen Parteien dürfen das
Zwölf-Prozent-Phänomen nicht für eine virtuelle Blase halten, die im
Zusammenstoß mit der Realität schon selbst zerplatzen werde. Denn das
Internet gibt jedem die Möglichkeit, zu jeder Zeit und an jedem Ort
dabei sein zu können. Damit wachsen auch die Ansprüche des Einzelnen,
beteiligt zu werden. Deshalb sind die Menschen der Internetrevolution
fasziniert von den Piraten. Sie stochern in der Grauzone zwischen den
Gefahren direkter, leicht manipulierbarer direkter Demokratie und den
Grenzen einer schwer durchschaubaren repräsentativen Demokratie. Die
Piraten sind mehr als Projektionsfläche für Protest. Sie weisen auf
neue große Herausforderungen, auf die die letzten Antworten noch
ausstehen.
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Datum: 03.04.2012 - 19:58 Uhr
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