FT: Der selbstgefällige Mahner
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"Was gesagt werden muss" titelt Günter Grass seinen Text, den er
als Gedicht verstanden wissen will. Das doch eigentlich sehr
prosaische Stück löst keine Debatte über moderne Lyrik aus, sondern
über die Gesinnung ihres Verfassers. Grass versteht einiges von
Marketing, spielt souverän die Klaviatur der Eigen-PR. Auf dass alle
Welt höre, was der Dichter des Nordens an zorngefärbten Mahnungen und
apokalyptischen Visionen zu verkünden hat. Wer die knappen Zeilen
des Polit-Poeten liest,den beschleicht schon angesichts der anmaßend
dröhnenden Tonlage ein gewisses Unbehagen. Grass' harsche Kritik an
der israelischen Politik, die Furcht vor einem Krieg des
Judenstaates gegen den Iran und die angebliche Angst des Deutschen,
sich mit seiner mutigen Klarsicht "das Verdikt Antisemitismus"
einzuhandeln, trägt der Pfeifenraucher in einer schwer zu
ertragenden Melange aus Sündenstolz und Selbstgerechtigkeit vor.
Als Kunstwerk sind die brüchigen Verse des selbsternannten
Weltenrichters kaum der Rede wert. Als Beitrag zur bedrohlichen
Situation im Nahen Osten sind sie erschreckend undifferenziert. Von
Michael Stitz
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Datum: 04.04.2012 - 20:14 Uhr
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