Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Günter Grass
ID: 612507
Zu Recht bekommt Günter Grass heftigen Gegenwind zu spüren. Was er
unter dem Titel "Was gesagt werden muss" veröffentlicht hat, verdreht
die Tatsachen. Grass operiert mit Vorurteilen, die seiner nicht
würdig sind. Der Schriftsteller stilisiert sich als Tabubrecher. Doch
das ist er nicht. Das angeblich Unaussprechliche erschien
gleichzeitig in drei internationalen Tageszeitungen und ist seither
in aller Munde. Die Politik der Regierung Netanjahu wird häufig
kritisiert, in Deutschland und in Israel. Niemand verbietet das.
Viele warnen vor einem Rüstungswettlauf im Nahen Osten und einem
drohenden Krieg zwischen Israel und dem Iran. Grass will die
moralische Instanz sein, die den Mut hat, das Schweigen einer
angeblich heuchlerischen westlichen Welt zu brechen - und verkennt
dabei politische Realität. Er stilisiert Israel zum Aggressor und
formuliert brachial, wenn er schreibt, Israel könnte das iranische
Volk "auslöschen". Den iranischen Diktator und Holocaustleugner
Ahmadinedschad verharmlost Grass als "Maulhelden" - dabei spricht
dieser dem Staat Israel das Existenzrecht ab. Ein politischer Mensch
war Grass immer. Das ist gut so, denn Intellektuelle mischen sich zu
selten ein. Stattdessen dominieren Lobbyisten, Betroffene und
Pseudo-Intellektuelle die TV-Talkshows. Doch Grass' als "Gedicht"
getarnter politischer Leserbrief zeugt nicht von intellektuell
scharfer Analyse, sondern heischt nur nach Aufmerksamkeit. Grass
argumentiert perfide, wenn er behauptet, man dürfe die israelische
Regierung nicht kritisieren, sonst drohe der Antisemitismus-Vorwurf.
So bedient er das Stereotyp des angeblich mächtigen Judentums, das
den Diskurs kontrolliert. Grass will sich so gegen Widerspruch
immunisieren. Jede Kritik an ihm bestätigt scheinbar seine Aussage.
Rechte Trommler begeistert das - nur gut, dass er auch viele Kritiker
hat.
von Katharina Kellner, MZ
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 06.04.2012 - 21:21 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 612507
Anzahl Zeichen: 2298
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Regensburg
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 272 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Günter Grass"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C
Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt
Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,
Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung
Badische Neueste Nachrichten: Ist es nicht Hochmut? ...
Musste das alles sein? Ein alter Mann macht sich Sorgen um den Weltfrieden, und er hat Recht: Wie leicht entsteht aus einem begrenzten, scheinbar leicht kontrollierbaren Konflikt ein Flächenbrand. Siehe das Attentat von Sarajevo: Der Erste Weltkrieg, der durch eine Strafaktion gegen Serbien ausg
Büroangestellte leisten sehr häufigÜberstunden ...
Ein Beitrag von Fachanwalt für Arbeitsrecht Alexander Bredereck und Rechtsanwalt Dr. Attila Fodor, Berlin. Viele Arbeitnehmer in Deutschland leisten Überstunden. Eine aktuelle Studie belegt, dass 13 % aller deutschen Büroangestellten mehr als 11 Stunden täglich im Büro verbringen. Für die Arb
NRZ: Grass hat sich verrannt - Kommentar von Christian Peters ...
Nein, natürlich ist der Literaturnobelpreisträger kein plumper Antisemit. Wer Günter Grass diese menschenverachtende Geisteshaltung unterstellt, greift zu kurz. Sein sogenanntes Gedicht über die Bedrohung des Weltfriedens durch Israel hat es verdient, gelesen zu werden - weil man erst dan
Westdeutsche Zeitung: Mit seiner Israel-Schelte begeht Grass einen Tabubruch = von Anja Clemens-Smicek ...
Ein sprachliches Meisterwerk ist das Gedicht von Günter Grass sicher nicht - keine Metapher, die überraschend daherkommt. Doch Grass geht es auch nicht um den künstlerischen Anspruch seines Pamphlets, sondern um den Tabubruch, den er mit der Israel-Schelte begeht. Den Staat Israel verbal anzu




