Südwest Presse: Kommentar zu Youtube, Ausgabe vom 21.04.2012
ID: 621454
Ausgabe vom 21.04.2012 chlagererfolg von Mireille Mathieu aus dem
Jahr 1971 hören will, muss vorerst wieder Geld für Tonträger ausgeben
- das Video jedenfalls darf Youtube nicht mehr anbieten und muss in
Zukunft prüfen, ob hochgeladene Daten etwaige Urheberrechte
verletzen. Ein Aufwand, der das Aus für alle Portale bedeuten könnte,
deren Inhalte von den Nutzern generiert werden. Nach diesem Urteil
des Landgerichts Hamburg dürfen sich die Rechteverwerter die Hände
reiben - wie lange, ist fraglich. Denn die Entscheidung ist weder
rechtskräftig noch wird sie eine Debatte aufhalten, in der nicht
zuletzt die aufstrebende Piratenpartei eine wichtige Rolle spielt:
Ist das Urheberrecht noch zeitgemäß? Es hilft nicht, sich an
Strukturen zu klammern, die aus dem 19. Jahrhundert stammen, als die
Verwerterbranche notwendiges Bindeglied zwischen Künstlern und
Publikum war. Ein lukratives Geschäftsmodell, das vom Internet ins
Wanken gebracht wird, nicht nur zur Freude jener, die nicht bereit
sind, für Kunst zu bezahlen, sondern auch so mancher Band, die das
Netz als PR- und Vertriebsweg entdeckt hat - an den Bossen der
Musikindustrie vorbei. Es führt kein Weg zurück. Technische
Entwicklungen lassen sich nicht aufhalten. So bleibt nur die Wahl:
Die Branche lässt sich überrollen und geht leer aus. Oder sie denkt
über Lösungen wie Pauschalvergütungen nach - damit es am Ende nicht
heißt: Urheberrecht adieu.
Pressekontakt:
Südwest Presse
Lothar Tolks
Telefon: 0731/156218
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Datum: 20.04.2012 - 19:09 Uhr
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