Aserbaidschan: ROG kritisiert erniedrigende Haftbedingungen
ID: 625998
Haftbedingungen für den aserbaidschanischen Fernsehjournalisten Saur
Gulijew. "Gulijew wird psychisch und physisch unter Druck gesetzt",
so die Organisation, "sein Gesundheitszustand hat sich stark
verschlechtert". Aserbaidschanische Parlamentsabgeordnete wiesen bei
einem Gespräch mit ROG in Berlin den Vorwurf zurück, der Journalist
werde im Gefängnis schikaniert.
Saur Gulijew, Chef des regionalen Fernsehsenders Chajal TV, war am
13. März nach Protesten in der nordaserbaidschanischen Stadt Quba
festgenommen worden. Bei Unruhen wurden dort Anfang März mehrere
Menschen verletzt, der regionale Gouverneur verlor seinen Posten.
Trotz seines schlechten Gesundheitszustands wurde Gulijew seit
seiner Verhaftung mehrmals verlegt. Wärter erniedrigten ihn, indem
sie ihn zwangen, nackt über den Korridor zu laufen. Vor seiner
Verlegung in ein Bakuer Gefängnis am 14. April verweigerte man
Gulijew jegliche medizinische Behandlung. Der Journalist hat ein
Magengeschwür und leidet unter inneren Blutungen.
ROG-Informationen zufolge verhörten ranghohe Beamte der Abteilung
für Organisierte Kriminalität des aserbaidschanischen
Innenministeriums Gulijew wiederholt mehrere Stunden lang mit auf dem
Rücken gefesselten Händen. Sie werfen ihm vor, das Youtube-Video
mitproduziert zu haben, das die Proteste in Quba ausgelöst hatte.
Wilajat Ejwazow, stellvertretender Innenminister Aserbaidschans,
drohte bei einem der Verhöre, Gulijew werde verurteilt, egal ob er
sich schuldig bekenne oder nicht.
Abgeordnete des aserbaidschanischen Parlaments bestritten am
Donnerstag (26. April) ROG gegenüber, dass die Behörden den
inhaftierten Journalisten schikanieren. "Der Fall wird
instrumentalisiert", so Tschingis Ganisada vom Parlamentsausschuss
für Rechtspolitik und Staatsaufbau. Er versprach, sich nach seiner
Rückkehr mit den Anwälten des Reporters zu treffen und den Fall zu
prüfen. Ganisada und sein Kollege Asaj Gulijew, Vorsitzender des
Staatlichen Rates für die Unterstützung nichtstaatlicher
Organisationen, halten sich seit Mittwoch in Berlin auf. Am
Donnerstagvormittag kamen sie zu einem Gespräch in die
Geschäftsstelle von Reporter ohne Grenzen.
Informationen zu den Protesten in Quba finden Sie unter:
http://bit.ly/IOnhPD
Weitere Meldungen in englischer Sprache finden Sie unter:
http://en.rsf.org/azerbaijan.html
Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska
Pressearbeit
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de
T: +49 (0)30 202 15 10 - 16
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Datum: 26.04.2012 - 16:21 Uhr
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